Jule_Ri
Liebe Frau Welter, vielen Dank für Ihre Arbeit hier. Sie haben mir schon bei vielen Fragen geholfen und gute Ideen und Tipps gegeben. Nun stelle ich meine erste eigene Frage, da ich keinen passenden Beitrag finden konnte. Mein Sohn,15 Monate wurde bis vor ein paar Tagen morgens nach dem Aufstehen, mittags vorm schlafen und abends vorm schlafen gestillt. Gelegentlich auch nachts ein Mal, wenn er sehr unruhig war. Es gab Tage da fiel das Mittagsstillen weg, weil wir unterwegs waren. Aber sonst war es regelmäßig. Morgens und abends meist beide Seiten und mittags eine. Seit einer Weile ist er immer seltener beim Stillen eingeschlafen sondern danach beim Tragen und Summen. Nun aber wollte er Samstag morgen nur noch eine Seite, mittags habe ich nicht gestillt, wir waren unterwegs und es passte nicht, er ist dann so im Kinderwagen eingeschlafen. Abends wieder nur eine Seite. Sonntag morgen beim x-ten Versuch eine Seite. Mittags verweigert, nach 2 Minuten mit Papa eingeschlafen. Abends verweigert und seither nicht mehr gestillt worden. Er ist nicht unruhig beim Versuch ihn anzulegen. Also nicht so wie bei seinen Stillstreiks, die wir schon hatten nach Impfungen, beim Zahnen und wenn er krank war. Er liegt da, guckt mich an und schüttelt den Kopf. Das macht er seit einer Woche bei Dingen die er nicht möchte (Spielzeug, essen etc). Dann drückt er meine Brust weg. Wenn der BH wieder zu ist, schiebt er sogar manchmal noch mein Shirt drüber. Nun lässt er sich aber auch teilweise gar nicht mehr hinlegen zum stillen. Im Sitzen will er nicht. Das habe ich versucht, auch viel dieser Phase schon. Gestern Abend sehr müde hab ich es versucht, wollte er nicht. Eben vorm Mittagsschlaf wieder nicht hinlegen können aufs Stillkissen, dann getragen und gesummt und nach 2 Minuten hat er geschlafen. Das ist sehr ausführlich, aber mir ist es wichtig, dass sie sein Verhalten einordnen können. Mir ist es wichtig, dass er das stillen beendet und nicht ich. Ich möchte nun vermeiden, dass meine Milchproduktion zu früh aufhört, denn es ist jetzt schon deutlich weniger, nachdem ich Samstag und Sonntag noch Probleme mit zu viel Milch hatte. Ergänzend: ich Wechsel immer mal Shampoo oder Duschbad. Hatten wir aber nie Probleme mit. Parfüm nutze ich nicht. Waschmittel und Deo haben wir nicht geändert. Sein Zimmer haben wir am Sonntag nachmittag umgebaut und nun stille ich woanders. Aber es wurde ja schon ab Samstag weniger. Er ist ein sehr sensibles Kind (laut unserer KiÄ evtl hochsensibel) und nimmt sehr viel wahr. Außerdem ist er vom Kopf her recht weit, wie ich es beurteilen würde. Hat früh angefangen zu "sprechen". Außerdem läuft er seit etwa einem Monat und es wird immer mehr. Insgesamt ist er gerade in einer Phase in der sich viel tut habe ich das Gefühl. Seit Kurzem ist er anderen gegenüber so aufgeschlossen wie noch nie. Wollte am Wochenende zum ersten Mal auf den Arm vom Opa. Er ist sonst sehr Mama bezogen. Achso, am Familientisch isst er prima mit. Nun haben sie eine ganze Menge Infos von mir... Meine Fragen: 1. Glauben Sie, dass mein Sohn sich abstillt/abgestillt hat? 2. Glauben Sie, dass ich es eventuell beeinfluss habe? 3. Soll ich versuchen ihm abgepumpte Milch aus der Flasche zu geben? 4. Braucht er einen Ersatz? Ich habe ihm gestern vorm schlafen anders als sonst nochmal seine Wasserflasche gegeben und er hat was getrunken und gut geschlafen. Milchprodukte bekommt er am Familientisch. Kuh- oder andere Milch bekommt er bisher nicht zu trinken. Nur verarbeitet im Essen. Er trinkt nur Wasser bisher (bis auf die erste Lebenswoche pre, weil das stillen anfangs nicht geklappt hat). Wenn es sein Wunsch ist, freue ich mich, dass er es selbst entschieden hat. Aber ich möchte mich lieber einmal rückbersichern, bevor ich gerade die Situation falsch einschätze. Vielen Dank vorab, dass Sie sich diesen langen Text durchgelesen haben. Über Ihre Einschätzung würde ich mich freuen. Liebe Grüße, Juliane
Liebe Juliane, ich danke dir für deinen ausführlichen und achtsamen Text – man merkt, wie genau du dein Kind beobachtest und wie wichtig dir ein sanfter, kindgerechter Übergang ist. Ganz sicher hast du nichts falsch gemacht und deinen Sohn auch nicht beeinflusst und es kann tatsächlich sein, dass dein Sohn sich langsam wirklich abstillt. Es kann jedoch auch einfach nur eine Phase sein, die genauso schnell vorbei sein kann, wie sie gekommen ist. Wenn ein Kind unmissverständlich zeigt, dass es nicht mehr an die Brust will, dann bleibt kaum etwas anderes als dies zu akzeptieren. Ob es sich bei deinem Sohn nun tatsächlich um das endgültige Abstillen handelt oder ob es ein vorübergehender Streik ist, das kann ich jedoch wirklich nicht sagen. Du könntest versuchen, ob die Tipps, die sich bei einem Stillstreik bewährt haben auch bei deinem Sohn etwas bewirken, doch wenn dein Sohn so offensichtlich glücklich und zufrieden ist, dann deutet es eher auf ein selbstbestimmtes Abstillen denn einen Streik hin. Streikende Stillkinder sind in der Regel unzufrieden und unglücklich. Nach dem ersten Geburtstag benötigt ein (ungestilltes) Kind etwa 350 ml Milch (oder etwas mehr als einen kleinen Joghurt) und 20 g Käse, um seinen Milchbedarf zu decken. Das heißt, dass ein Kind keineswegs zwingend Milch trinken muss. Es muss auch keine Flasche mehr gegeben werden, Milch könnte aus dem Becher angeboten werden, wenn du diese geben möchtest. Ich würde mich wirklich sehr freuen, wenn du mir in ein paar Tagen noch einmal schreiben würdest, wie sich die Situation entwickelt! Ganz liebe Grüße Biggi
Jule_Ri
Eine Ergänzung: gestern morgen (also Montag) wurde er noch ein Mal gestillt. Das hatte ich im Beitrag falsch geschrieben.
Jule_Ri
Liebe Biggi, vielen Dank für die schnelle und hilfreiche Rückmeldung! Ich war sehr erleichtert so schnell eine Fachmeinung zu bekommen. Das hilft mir sehr und beruhigt mich auch. Denn ein durch mich beeinflusstes Abstillen, egal ob bewusst oder unbewusst, würde mich traurig machen. Ich habe ihm eben wieder vorm Schlafen gehen die Brust angeboten. Er hat wie gehabt mit dem Kopf geschüttelt, dann ein paar Schluck Wasser getrunken und ist wieder sehr schnell auf meinem Arm eingeschlafen. Unglücklich ist er beim Stillversuch und beim Einschlafen nicht. Nur tagsüber ist er zur Zeit sehr unruhig und unzufrieden. Aber das kann ja sehr viele Gründe haben. Ich mache es wie du geschrieben hast und probiere es wie bei einem Stillstreik. Ruhig, ohne Druck, reizarm und einfach immer wieder anbieten zu den gewohnten "Zeiten"/Momenten. Dann pumpe ich vorsichtshalber erstmal ab, um die Produktion aufrecht zu erhalten. Ein wenig eingefrorene Muttermilch kann ja nicht schaden. Sehr gerne gebe ich in ein paar Tagen ein Update, wie sich das Ganze entwickelt hat. Liebe Grüße, Juliane