Verena_M
Hallo Frau Welter , ich wende mich mit einem Thema an Sie, mit dem Sie sicher öfter konfrontiert werden: ich würde gerne abstillen, aber gerne langsam und sanft. Nicht, will ich ungern stille, sondern weil wir einen erneuten Kinderwunsch haben, den wir, wenn, leider nur mit ICSI erfüllen können. Mein Sohn ist unser zweites Kind und inzwischen ein Jahr und neun Monate alt. Zwischenzeitlich stillte ich nur noch nachts, aber seit einer Magen-Darm-Grippe im letzten Monat stille ich auch wieder tagsüber... Das hat sich damals eingeschlichen und ich bekomme es nicht wieder raus... Auch scheint es mir, dass mein Sohn nahrungstechnisch die Brust allem anderen vorzieht. Wenn es nicht gerade "das Richtige" am Tisch gibt, begnügt er sich mit einem Haps, in der Gewissheit, dass da ja noch was kommt. Inzwischen verlangt er die Brust vor dem Aufstehen am Morgen, vor dem Einschlafen mittags und vor dem Einschlafen abends. Und natürlich nachts. Ohne schläft er nicht mehr ein. Einen Schnuller nahm er nie. Ich glaube auch, er würde besser schlafen, wenn er zwischendrin nicht immer auf die Brust "angewiesen" wäre, um weiter schlafen zu können. Es erscheint mir fast schon wie eine schlechte Angewohnheit... Natürlich schadet das ja auch den Zähnen, oder? Aber auch tagsüber, sobald ihn (emotional) irgend etwas "drückt", es mal Streit gibt mit dem großen Bruder, er sich weh tut, sucht er Trost an der Brust. In zwei Wochen beginne ich wieder, zwei volle Tage die Woche zu arbeiten. Bisher war es so, dass es eigentlich kein Problem war, wenn ich einige Stunden weg bin. Aber er holt es nach, sobald ich wieder zu Hause bin. Mir ist schon klar, dass er damit nicht nur seinen Hunger stillt. Deshalb möchte ich es ja auch behutsam angehen. Auch möchte ich ihn nicht schreien lassen, erstens weil es mir widerstrebt, zweitens auch, weil ich vor allen Dingen nachts den Großen nicht wecken möchte, der ja am nächsten Morgen früh raus muss. Den Trick mit Finger unter die Unterlippe um so den Suchreflex zu befriedigen, hat bei mir leider nicht funktioniert... Da ich bereits bald 39 Jahre alt bin, drängt allerdings auch etwas die Zeit wg. Kinderwunsch. Somit sitze ich etwas in der Zwickmühle. Haben Sie einen Rat für mich? Wie kann ich das behutsam angehen? Es gibt wohl keinen Weg ohne Tränchen, oder? Herzlichen Dank und freundliche Grüße, Verena
Liebe Verena, nein, es wird keinen Weg ohne Tränen geben. Dein Kind zeigt Dir sehr deutlich, wie viel ihm das Stillen bedeutet. Für viele von uns ist es sehr ungewohnt zu sehen, wie begeistert und mit wie viel Freude ein Kleinkind stillt. Dein Sohn verhält sich gar nicht so "brustversessen" wie Du glaubst, viele langzeitgestillte Kinder zeigen sehr deutlich wie viel ihnen das Stillen bedeutet. Stillen ist viel, viel mehr als reine Nahrungsaufnahme. Es ist Trost, Geborgenheit, sicherer Hafen und ein Weg zur Ruhe zu kommen, wenn die Wellen des Alltags so hoch geschlagen sind, dass das Kind keinen Weg mehr weiß, um mit sich selbst und der Umgebung ins Reine zu kommen. Das Stillen bietet in dem Alter der ersten Ablösung wichtige emotionale Hilfe Dein Kind kann immer wieder den "Heimathafen" ansteuern, wenn etwas beängstigend ist. Stillen ist aber auch eine Zweierbeziehung und wenn es dazu kommt, dass sich ein Partner dabei nicht wohl fühlt, dann müssen Lösungswege gefunden werden. Das Wichtigste ist dann allerdings, dass Du fest zu Deinem Entschluss stehst. Solange hier noch der geringste Zweifel besteht, wird Dein Kind diese Zweifel spüren und Du wirst weiterhin „schwach" werden. Sicher ist ein Kind in diesem Alter noch nicht in der Lage alles Gesprochene bis ins letzte Detail zu verstehen, doch ich denke, dass der erste Schritt für Dich sein sollte, dass Du mit Deinem Sohn darüber sprichst, wie es Dir geht und was Du nicht mehr möchtest. Dann könnt ihr als Eltern eine Art Plan machen, wie ihr vorgehen wollt, um das Stillen etwas einzuschränken. Stillen nach Bedarf ist bei einem Kind über einem Jahr nicht mehr ein so eng gefasster Begriff wie bei einem kleinen Baby und mit liebevoller Konsequenz lassen sich auch bei einem Kind in diesem Alter in einem gewissen Rahmen Regeln aufstellen. Selbstverständlich wird sich nicht von heute auf morgen eine plötzliche Änderung ergeben, das geschieht in kleinen Schritten und selbstverständlich wirst Du mit Rückschritten rechnen müssen, doch mit viel Liebe und Beharrlichkeit, kannst Du einen Weg finden, dass ihr langsam abstillen werdet. Du kannst in diesem Alter klare Regeln aufstellen, Dein Baby wird diese akzeptieren, wenn Du klar und konsequent bleibst. Ich möchte Dir die Pantley-Methode ans Herz legen, damit haben viele Mütter bald ruhigere Nächte. Elizabeth Pantley ist die Autorin des Buchs "Schlafen statt Schreien: Das liebevolle Einschlafbuch: Das 10-Schritte-Progamm für ruhige Nächte“. Pantley hat ein Programm entwickelt, mit dem man älteren Babys, auch Stillkinder, dabei helfen kann, auch ohne Brust oder ständiges Stillen die Nacht zu schaffen. Auch wenn man nicht alle ihre Schritte anwendet haben viele Mütter doch gute Erfahrungen mit diesem Buch gemacht. Dazu kannst Du wie folgt vorgehen: Erkläre Deinem Kind schon bei Tag, was sich in der Nacht ändern wird, und versuche, Signale zu definieren, die es wieder erkennen kann (z.B. "erst wenn der Radiowecker angeht, dann darfst Du trinken") und die sich eventuell anpassen lassen (den Radiowecker kann man etwa jeden 2. Tag eine viertel Stunde nach hinten programmieren, so dass die Pause immer länger wird). So wird die Nacht allmählich stillfrei. Natürlich wird Dein Kind traurig und wütend sein, aber es kann jetzt lernen, dass es Regeln gibt und Du nicht die ganze Nacht bereit bist zu stillen. Begleite Dein Kind liebevoll, doch halte Dich an die vorgegebenen Zeiten. Bleibe bei ihm und sei Du ruhig und klar, so dass Dein Kleiner sich an Dir orientieren kann. Vielleicht wirst Du ihn ein wenig ablenken wollen (falls er sich ablenken lässt), vielleicht bleibst Du auch einfach nur in seiner Nähe und versicherst ihm, dass alles ok ist. Lieben Gruß Biggi
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