Miriam0606
Hallo! Ich stille meinen Sohn (fast 7 Monate) noch nahezu voll. Brei (egal ob Gemüse-Kartoffel oder Milchbrei) isst er noch nicht gerne. In den letzten Monaten hatte ich einige Male nachts starke Blähungen mit in den Rücken ausstrahlenden Schmerzen. Die Schmerzen waren so stark, dass ich nicht schlafen konnte. Paracetamol und Sab Simplex haben nicht geholfen. Um die Ursachen zu klären, war ich gestern in einer Darmklinik. Dort wurde festgestellt, dass ich zwei große Gallensteine habe. Ob die aber die Probleme verursacht haben, ist nicht klar. Es soll jetzt noch ein Fructosetoleranztest gemacht werden. Ich habe jetzt Angst, dass ich vielleicht operiert werden muss und überlege, ob ich meinen Sohn nicht lieber auf Fläschchen umstellen sollte. Er ist total auf mich fixiert, stillt tags und manchmal auch nachts alle 2 Stunden und schläft nur auf meinem Arm länger als 30 Minuten am Stück. Nachts schläft er neben mir, braucht aber ständigen Körperkontakt. Medikamente gegen Gallenkoliken (Buscopan o.Ä.) darf ich ja laut Beipackzettel auch nicht nehmen, wenn ich stille.Ich bin gerade total verunsichert, habe Angst davor dass diese Schmerzen wieder kommen oder sogar schlimmer/häufiger werden, oder dass ich im schlimmsten Fall ins KH muss und mich nicht um meinen Sohn und meine Tochter (4 Jahre) kümmern kann. Der Papa ist total lieb und würde sich bestimmt gut kümmern, aber alleine die Vorstellung macht mich gerade total nervös... Vielen Dank für eure Hilfe hier! Liebe Grüße Miriam
Liebe Miriam, bleib ganz ruhig, es gibt eine Lösung und Du musst sicher NICHT abstillen! Leider wird Medikamentenrisiko häufig überbewertet und die Konsequenzen, die ein plötzliches Abstillen für das Kind mit sich bringen, werden häufig unterschätzt. Tatsächlich kommt es selten zu Symptomen einer gesundheitsschädigenden Wirkung von Medikamenten über die Muttermilch. Die Risikoinformationen in Beipackzetteln und Einschätzungen in Arzneibüchern sind irreführend und geben keine Hilfestellung bei der Wahl einer adäquaten Therapie. Für die meisten Erkrankungen stehen Medikamente zur Verfügung, die mit dem Stillen zu vereinbaren sind. Bei therapeutischen Empfehlungen oder der individuellen Beurteilung des Medikamentenrisikos während der Stillperiode sollten definitiv Handbücher zu diesen speziellen Thema (z.B. „Arzneiverordnung in Schwangerschaft und Stillzeit" von Schaefer u.A.) oder eine Beratungsstelle für Embryonaltoxikologie wie zum Beispiel das Institut für Vergiftungserscheinungen und Embryonaltoxikologie in Berlin hinzugezogen werden. Zunächst zitiere ich dir aus „Arzneiverordnung in Schwangerschaft und Stillzeit" Spielmann, Schaefer, 7. Auflage 2006: Anticholinerge Spasmolytika Erfahrungen. Säuglinge bzw. Kleinkinder reagieren besonders empfind¬lich auf atropinartige Präparate. Bisher gibt es aber keine Publikatio¬nen, in denen negative Auswirkungen beim Kind durch Gabe atropinartiger Mittel an die stillende Mutter beschrieben wurden. Butykcopolamin (z. B. Buscopan®) scheint sowohl als Einzeldosis parenteral als auch bei wiederholter Gabe oral oder rektal für den gestillten Säugling gut verträglich zu sein. Die Erfahrungen mit anderen Anticholinergika wie Butinolin, Denaverin (Spasmalgan®), Glycopyrroniumbromid (Robinul®), Hymecromon (z.B. Chol-Spasmoletten®), Mebeverin (z.B. Duspatal®), Methanthelinium (Vagantin®), Oxybutynin (x.B. Oxybuton®), Phenamazid, Pipenzolat (ila-med®), Pipoxolan, Tiropramid,Tolterodin (Detrusitol®), Trospiumchlorid (z.B. Spasmolyt®) und Vatethamatbromid in der Stillzeit sind unzureichend. Empfehlung für die Praxis: Butylscopolamin darf bei entsprechender Indikation verwendet werden. Bei Blaseninkontinenz erscheint auch das ebenfalls weit breitete Oxybutynin akzeptabel. Ist eines der anderen genannten Mittel bei kritischer Indikationsprüfung erforderlich, kann individuell über das weitere Stillen bei bei guter Beobachtung des Säuglings entschieden werden. Bei Fragen zur Vereinbarkeit von Medikamenten und Stillzeit (und natürlich auch Schwangerschaft) kann und sollte sich dein Arzt jederzeit an das Berliner Pharmakovigilanz und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie ("Embryotox") wenden, das unter der Telefonnr. 030 30308 111 erreichbar ist, per mail unter mail@embryotox.de, oder online unter www.embryotox.de bzw. http://www.bbges.de/content/index024a.html. Wenn Du wirklich in die Klinik musst, kann es sein, dass der Eingriff ambulant gemacht werden kann, ansonsten kannst Du fragen, ob Du dein Baby mitnehmen kannst. Oder aber dein Mann besucht dich oft, Du kannst sofort nach der OP wieder stillen. Glaub mir, es ist bestimmt gerade ein Schock für dich, aber Du kannst das überstehen und musst nicht abstillen, wenn Du es nicht möchtest. Gute Besserung! LLLiebe Grüße, Biggi
Miriam0606
... für die ausführliche und ermutigende Antwort!
:-)
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