Mitglied inaktiv
Hallo, mein Sohn ist nun genau 9 Monate alt. Ich habe 7 Monate voll gestillt, mittlerweile stille ich morgens, mittags gibt´s ein Gläschen oder selbstgekochtes, danach stille ich nochmal, nachmittags gibt´s einen Reisflocken-Obst-Brei, abends SINLAC-Brei, danach wird wieder gestillt....und nun mein Problem: Nach der letzten Stillmahlzeit abends schläft der Kleine ca. maximal 3 Stunden, dann wird er wieder wach und verlangt nichts anderes als die Brust....die ganze Nacht verläuft dann sehr unterschiedlich, meist unruhig...ca. 4:00 Uhr 5:00 Uhr morgens ist er wieder wach und will sofort beim Aufwachen an die Brust. Lege ich ihn nicht an, so schreit er, was das Zeug hält und läßt sich -schon garnicht von meinem Mann- kaum beruhigen. Habe schon Flaschenmilch und Tee angeboten, er nimmt beides nicht an. Der Schnuller bleibt auch nicht drin... Bin mittlerweile ziemlich verzweifelt, da meine Nächte kurz und unregelmäßig sind! Tagsüber schläft er auch nur nachmittags. Die Kinderärztin hat mir ein Mittel "Sedaplus" verschrieben, damit er sich beruhigen soll. Möchte dieses Medikament aber nicht verabreichen, da das Kind erstens nicht krank ist, und mir zweitens beim Lesen der Nebenwirkungen ganz übel wird. Ich möchte soweit abstillen, dass nur noch morgens und abends oder nur noch abends gestillt wird. Ich möchte dem kleinen Wurm ja nicht ganz die Brust entziehen, da wir beide das Stillen wirklich genießen. Aber nach mehrmaligem Beißen mit fünf kleinen Zähnen vergeht mir wirklich die Lust auf zu häufiges Stillen. Abends reicht ...... Haben Sie einen guten Tipp für mich??? Viele Grüsse...Barbara
? Liebe Barbara, Ihre Bedenken in Hinblick auf eine medikamentöse „Beruhigung" des Kindes kann ich nur zu gut verstehen, vor allem auch deshalb, weil Ihr Kind ja nun einmal wirklich nicht krank ist und überhaupt keine pathologische Situation vorliegt, sondern sie den Alltag bzw. die typischen Nächte mit einem neun Monate alten Kind beschreiben. Und damit sind wir bei einem wichtigen Punkt: das Verhalten Ihres Sohnes ist keineswegs ungewöhnlich. Das heißt nun zwar nicht, dass es deshalb weniger anstrengend ist, doch es hilft, wenn wir als Eltern wissen, dass etwas „normal" ist. Das nächtliche Aufwachen ist keineswegs nur auf Stillkinder beschränkt und es gibt keine Garantie dafür, dass Ihre Nächte einfacher werden, wenn Sie Ihr Kind nachts abstillen. Das sollten Sie wissen, denn sonst könnte Ihre Enttäuschung in Bezug auf die erhofften Auswirkungen des (teilweisen) Abstillens sehr groß sein. Ein radikaler Brustentzug wird für Ihr Kind sicher sehr schwierig sein und mit vielen Tränen verbunden. Vielleicht können Sie, statt von jetzt auf gleich nicht mehr zu stillen, die Zeit an der Brust schrittweise immer weiter verkürzen, so dass der Übergang fließend ist. Eine Möglichkeit für die Nacht ist es, dass statt Ihnen Ihr Partner die Nachtschicht bzw. das zu Bett bringen zum Teil übernimmt. Also nicht Sie wenden sich jedesmal dem Kind zu, sondern ihr wechselt euch ab und da ein Mann keine Brust zum Stillen hat, wird er euer Kind auf andere Weise beruhigen müssen. Es wird auch hier etwas dauern, bis das Kind den Vater akzeptiert, doch mit Geduld und Liebe werden die beiden das durchaus schaffen. Wenn Ihr Partner nicht einspringen kann, bleibt es an Ihnen, Ihr Kind auf andere Weise zu trösten und zu beruhigen und ihm einen Ersatz für die Brust anzubieten. In dieser Situation ist ein Nachthemd bzw. Kleidung, die sich vorne nicht öffnen lässt oft hilfreich. Das Verändern von Ritualen kann ebenfalls helfen. Wichtig ist, dass Ihr Kind weiterhin Ihre Liebe und Zuneigung spürt und Sieallmählich und mit viel Liebe vorgehen und nicht zu schnell die Geduld verlieren. Wohl jede Frau, die einmal Bekanntschaft mit den Zähnen ihres Kindes gemacht hat, kann nachvollziehen, dass Sie das Stillen mit einem „bissigen" Baby nicht genießen können. Doch das Beißen kann man einem Kind abgewöhnen. Ein Baby beißt nicht aus böser Absicht, sondern meist (zumindest beim ersten Mal) aus Versehen. Manche Kinder stellen allerdings mit großem Interesse fest, dass die Mama sehr interessante Töne von sich gibt, wenn sie gebissen haben und wollen ausprobieren, ob sie diese Reaktion nochmals hervorrufen können. Sobald Ihr Baby zubeißt, reißen Sie es bitte nicht von der Brust weg, sondern ziehen Sie es nahe an sich heran. Wenn Sie es nahe an sich heranziehen, muss es los lassen, weil es sonst nicht mehr atmen kann. Es ist besser für die Brust, wenn das Baby loslässt, als es von der Brust wegzureißen. Kleine Babys verstehen schon mehr als allgemein angenommen. Es gibt einige Tipps, wie man einem „bissigen" Baby das Beißen an der Brust abgewöhnen kann: - das Baby ohne großes Aufheben von der Brust nehmen, damit es nicht versucht ist zu probieren, ob es die Mutter nochmals zusammenzucken lassen kann. - etwas Angemessenes zum Beißen anbieten. Sobald es zu einem Biss oder einem Beinahe-Biss kommt, bieten Sie dem Baby einen Beißring oder ein Spielzeug an, damit es weiß, wo es seine Zähne einsetzen darf. - das Baby schnell auf den Boden legen. Einige Mütter wollen auf das Beißen strenger reagieren. Nach ein paar Schrecksekunden für das Baby, die dem Ablegen folgen, sollte es beruhigt werden und die Rückmeldung bekommen, dass Beißen unangenehme Folgen hat. - einen Finger in die Nähe des Mundes des Babys legen, um den Saugschluss schnell zu unterbrechen, wenn es seinen Kopf dreht. Manche Babys lieben es, die Brustwarze nicht loszulassen, wenn sie abgelenkt werden und ihren Kopf drehen. Dies kann verhindert werden, wenn die Mutter einen Finger bereit hält, um den Saugschluss zu unterbrechen. Es wird nicht lange dauern, bis das Baby gelernt hat, dass sich wegdrehen bedeutet, die Brustwarze zu verlieren. - mit dem Baby reden und ihm erklären, dass Sie das Beißen nicht lustig finden (klingt vielleicht noch verfrüht bei einem Baby, aber es funktioniert vielfach tatsächlich). Probieren Sie die oben genannten Tipp einmal aus und falls Sie gerne lesen und die Zeit dazu finden hier noch ein Lesetipp: „Schlafen und Wachen - ein Elternbuch für Kindernächte" von Dr. William Sears empfehlen, das im Buchhandel, bei der La Leche Liga und jeder LLL-Stillberaterin (auch bei uns) erhältlich ist. Dr. Sears ist Kinderarzt und achtfacher Vater, der in seinen Büchern nicht nur graue Theorie verbreitet und auch Achtung vor dem Kind zeigt. LLLiebe Grüße Biggi Welter
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