Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

Abstillen 2,5jähriges Kind

Frage: Abstillen 2,5jähriges Kind

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Hallo liebe Biggi, hallo liebe Kristina, ohne dieses Forum wäre ich wahrscheinlich schon längst verzweifelt. Durch Eure Ratschläge an andere habe ich immer wieder die Kraft gefunden weiterzustillen. Nun ist unsere Maus schon fast 2 1/2 Jahre alt und ich möchte nun langsam wirklich das Stillen beenden. ich habe ein sehr schweres Jahr hinter mir, da mein Mann im Januar eine Hirnblutung hatte, die glücklicherweise glimpflich abgegangen ist. Ich arbeite drei Tage die Woche, und in der Zeit ist die Kleine in der Kita, in der sie sich auch sehr wohlfühlt. Aber die Ängste um meinen Mann (der letzte Woche einen kleine Rückschlag mit einem epileptischen Anfall hatte), die Arbeit, der Haushalt und nicht zuletzt unser Sonnenschein rauben mir die letzte Kraft. Ich stille immer noch morgens nach dem Aufstehen und abends - jeweils mind. eine halbe Stunde. Die anderen Stillmahlzeiten konnten wir ohne Probleme ersetzen, aber jetzt geht es einfach nicht mehr. Manchmal habe ich das Gefühl, dass sie auch daran festhält, weil sie auch die Krankheit von meinem Mann und die 6wöchige Abwesenheit (krankenhaus+Reha) mitbekommen hat und daher einfach noch mehr Sicherheit und Geborgenheit bei mir sucht. Wir haben schon versucht mit ihr zu reden, und ihr die Situation zu erklären, aber nichts fruchtet. Dann versuche ich auch, die Stillmahlzeiten zeitlich zu kürzen, aber auch da setzt sich die Kleine durch. Die Kinder stillen sich irgendwann allein ab?! Bei meiner Tochter bezweifle ich das. Natürlich weiss ich, dass es kein Patentrezept gibt und ich gebe zu, dass ich momentan den Weg des geringsten Wiederstands gehe. Geht es denn nur "gewaltsam", in dem ich ihr die Brust entziehe? Vielleicht habt Ihr noch eine Idee ?! Liebe Grüsse und nochmals vielen Dank für dieses Forum! Kerstin


Biggi Welter

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Liebe Kerstin, ich kann gut verstehen, dass Du müde und kraftlos bist, da hast Du wirklich eine schwere Zeit hinter dir. Es kann gut sein, dass deine kleine Maus viel von dem ganzen Stress und der Angst gespürt hat und deshalb eine Extraportion Sicherheit braucht. Stillen ist so viel mehr als Nahrung… Jedes Kind stillt sich irgendwann von selbst ab. Der Abstillprozess gehört zur Entwicklung eines Kindes wie Krabbeln Lernen, Laufen Lernen oder Sprechen Lernen. Wird es dem Kind überlassen, wann es sich abstillt, so geschieht dies selten vor dem zweiten Geburtstag in vielen Fällen etwa mit drei Jahren, es gibt aber auch Kinder, die sich länger Zeit lassen. Das durchschnittliche weltweite Abstillalter wurde lange Zeit mit vier Jahren und drei Monaten angegeben, durch die aber leider sinkenden Stillzahlen ist auch diese Zahl inzwischen gesunken. Es ist sicher schwieriger ein Kleinkind, das sich mitten in seiner Ich findungsphase oder einem Entwicklungsschub befindet abzustillen, als ein Baby, das sich noch nicht so gut ausdrücken und wehren kann. Ein radikaler Brustentzug wird für dein Kind sicher sehr schwierig sein und mit vielen Tränen verbunden. Vielleicht kannst Du statt von jetzt auf gleich nicht mehr zu stillen, die Zeit an der Brust schrittweise immer weiter verkürzen, so dass der Übergang fließend ist. Eine andere Möglichkeit ist es, dass statt dir dein Partner die Nachtschicht bzw. das zu Bett bringen zum Teil übernimmt. Also nicht Du wendest dich jedes Mal dem Kind zu, sondern ihr wechselt euch ab und da ein Mann keine Brust zum Stillen hat, wird er euer Kind auf andere Weise beruhigen müssen. Das Verändern von Ritualen kann helfen. Wenn dein Partner nicht einspringen kann, bleibt es an dir, dein Kind auf andere Weise zu trösten und zu beruhigen und ihm einen Ersatz für die Brust anzubieten. In dieser Situation ist ein Nachthemd bzw. Kleidung, die sich vorne nicht öffnen lässt oft hilfreich. Wichtig ist, dass dein Kind weiterhin deine Liebe und Zuneigung spürt und Du allmählich und mit viel Liebe vorgehst und nicht zu schnell die Geduld verlierst. Denke daran, dass das Stillen für dein Kind viel mehr ist, als nur Ernährung. Viele Frauen glauben, dass sie sich beim Abstillen vom Kind distanzieren müssen, aber genau das Gegenteil ist der Fall. Deshalb halte ich auch nicht viel von der Lösung, dass die Mutter einige Tage alleine verreist. Diese plötzliche Trennung kann das Kind in tiefe Trauer und Verzweiflung stürzen und vor allem: Was macht die Mutter, wenn das Kind nach der Rückkehr doch wieder an die Brust will? Außerdem möchte ich dir das Buch „Wir stillen noch über das Leben mit gestillten Kleinkindern" von Norma J. Bumgarner empfehlen, das bei La Leche Liga und jeder La Leche Liga Stillberaterin (also auch bei uns) und im Buchhandel erhältlich ist. Ich wünsche dir von ganzem Herzen, dass es Euch allen bald wieder richtig gut geht und deine Kleine bald soweit ist, dass sie auf die Brust verzichten kann. LLLiebe Grüße Biggi


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