Frage im Expertenforum Kochen für Kinder an Dipl. oec. troph. Birgit Neumann:

Familienkost

Frage: Familienkost

Mitglied inaktiv

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Hallo Birgit, ich hätte noch ein paar Fragen zur Familienkost: 1.) Muss man ab einem Jahr etwas bezüglich nitratreichem Gemüse beachten? In diesem Zusammenhang war mir bisher nur Spinat bekannt. Habe aber gelesen, dass es durchaus noch weitere Gemüsesorten gibt, die nitratreich sind. Kann ich meiner Kleinen auch aufgewärmtes Gemüse geben, wenn ich für uns abends koche und davon etwas für sie für den nächsten Mittag abnehme? 2.) Wie viele Tage kann ich ihr eine offene H-Milch zum Trinken geben? Und ist es ok, sie danach einfach abzukochen oder muss man die offene Packung entsorgen? 3.) Ab wann sind Wurst, also Leberwurst und Schinken etc. ok? 4.) Dürfen so kleine schon Thunfisch? 5.) Tomaten frisch und aus der Dose ok? 6.) Habe Vollkorngries hier, also nicht die Babybreipackung sondern "richtigen". Verträgt sie den schon oder sollte man lieber "normalen" Gries für Brei etc. wählen? 7.) Kann ich Erbsen (zerstampft) geben oder müssen die noch mal durch ein Sieb wegen der Haut? 8.) Zu guterletzt eine Frage zu deinem Rezept Becherkuchen: Müsste ich das Rezept für eine 26cm Springform anpassen? Kann leider zeitlich nicht mehr probebacken. Oh je, ich hoffe, das waren nicht zu viele Fragen für einen Beitrag :-/. Vielen Dank!!! Fiona


Birgit Neumann

Birgit Neumann

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Hallo Fiona123 mit der von dir einfachen Nummerierung der Fragen, antworte ich dir auf genau diese Weise ganz pragmatisch :-) 1. Nitratreiche Gemüsesorten sollte dein Kind möglichst frisch gekocht verzehren. Zu den nitratreichen Sorten zählen vor allem Spinat, Rote Bete, Fenchel, Kohlrabi. Diese Gemüsesorten sollten nicht zu häufig in größeren Mengen auf den Tisch kommen. Ab und zu aber völlig okay und gut. Möglichst auf Produkte aus Bioanbau achten, TK-Spinat bevorzugen etcetc, 2.eine geöffnete Packung H-Milch solltest du nach spätestens 3 Tagen entsorgen. Nach dem ersten Öffnen verdirbt sie genauso schnell wie Frischmilch. I.d.R. binnen drei Tagen. Nur merkt man es ihr nicht an. H-Milch ist nur im Moment des ersten Öffnens keimfrei. Alsbald gesellen sich aber Keime hinzu, die einen idealen Nährboden finden. H-Milch wird nicht sauer, wie man es von Frischmilch (nicht ESL-Milch) evtl noch kennt, was sich durch einen sauren Geruch und und zähfliessenden "Klumpen" deutlich bemerkbar macht. Bei der H-Milch fehlt diese Augenscheinlichkeit, denn sie verdirbt auf andere Weise. Sie verändert sich weder durch ihr Aussehen noch durch veränderten Geruch. Evtl ist ein leicht bitterer Geschmack zu vernehmen. Bestimmte kälteliebende Erreger/Bakterien können sich hier ungehindert, gut und schnell vermehren. Die "guten Bakterien" wurden durch das hohe Erhitzen abgetötet und deshalb haben die schlechteren Arten dann leichteres Spiel, um sich zu vermehren. Namentlich Yersinien bspw. Die Haltbarkeit hängt natürlich auch immer davon ab, wie oft die Milch zwischenzeitlich aus dem Kühlschrank genommen wurde, ob im Sommer oder Winter, welche Kühlschranktemperatur herrscht, wie lange die Milch zwischenzeitlich in der Wärme stand (auf dem Frühstückstisch bspw, auf der Terrasse, am Campingtisch in Italien :-) etcetc... Naja und um eben ganz sicher zu gehen gelten die drei Tage bei H-Milch als Richtwert. 3.hin und wieder sind Wurst und Schinken in der Kleinkinderküche geeignet. Nachteil sind die vielen Zusatzstoffe. U.a. auch Natriumnitrit (Pökelsalz). Es wird eingesetzt, um die Farbe der Wurst schön zu erhalten, Fleischwaren (auch Käserinde) zu konservieren, Bakterienwachstum zu hemmen. Pökelsalze sind für Babys ungeeignet, ab dem 2. Lj in kleinen Mengen okay. Babybrei im Gläschen mit der Zutat "Schinken" bspw enthält einen Schinken, der frei von Pökelsalzen ist. Nitrat ist eine Substanz, die die optimale Aufnahme von anderen Nährstoffen wie z.B. Calcium oder Magnesium behindert. Durch Bakterien wird Nitrat ausserdem zu Nitrit umgewandelt. Nitrit ist auch wegen der Umwandlung zu Nitrosaminen, die als krebserregend gelten, weniger optimal. 4. im Rahmen der Familienkost, auch als Probierhappen, okay. Er zählt ansonsten eher weniger zu den Fischsorten, die täglich auf den Speiseplan gehören, wegen einer meist doch höheren Quecksilberbelastung. 5. beides wunderbar und dem Verwendungszweck sowie persönlichen Gusto angepasst - eine wundervolle Bereicherung im Speisenplan. 6.wunderbar 7.ja, kannst du. Eine große Mengen Erbsen wie bspw in Suppe oder Sosse, sind für die Kleinsten besser bekömmlich, wenn die blähenden Häutchen entfernt werden. Kleine Mengen passen meist auch einfach pur und schlicht gekocht. Junge, kleine, knallgrüne TK-Erbsen gelten als am besten bekömmlich. 8.ggf Backzeit anpassen. Das Fassungsvolumen der beiden Back-Formen ist nahezu identisch. Also dann ein frohes Neues Jahr Viele Grüße Birgit Neumann


Mitglied inaktiv

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Vielen Dank schon mal. Leider sind mir noch zwei Fragen eingefallen: Bisher war es sehr einfach die empfohlenen Mengen an Gemüse und Fleisch einzuhalten, aber mit der Familienkost habe ich ja nicht mehr den Überblick, wie viel sie tatsächlich ist. Muss ich denn so streng darauf achten, dass wenn es z. B. Nudeln mit Bolognesesoße gibt, sie nicht zu viel oder zu wenig Fleisch abbekommt? Bei uns gibt es ungefähr 3 mal pro Woche Fleisch. Wenn 300 ml Milch pro Tag Richtwert sind, ist dann ein Becher Joghurt mit 150g mit 150 ml Milch gleichzusetzen. Wie sieht das mit Käse aus? Kann man jetzt alle Milchprodukte geben (außer Frischmilch)? Wie streng muss man sich denn hier an die Richtwerte halten? Danke!!


Birgit Neumann

Birgit Neumann

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Hallo Fiona123 nein, da musst du nicht mehr so exakt darauf achten. In diesem Altersabschnitt geht es vor allem darum, alle Nährstoffgruppen in den ungefähren Mengengrößen im wöchentlichen Plan abzudecken. Milch sollte nicht zu viel dabei sein und der Fokus liegt in der Vielfalt der Speisen - bei Geschmack und neuen Eindrücken, Gemeinsmakeit bei Tisch, Esskultur. Babys wachsen in den ersten Monaten sehr schnell. Nicht nur das Längenwachstum geht rasant, sondern die gesamte Entwicklung, auch das Anlegen von "Fettreserven" zählt dazu und äußert sich in "Hunger". Mit etwa 10 Lm ist diese Phase des schnellen Wachstums in der Regel allmählich nun weitestgehend abgeschlossen, sodass Familienkost plus gewohntes Essen wie Brei und Co ausreicht. Ab diesem Zeitpunkt, dem 10. Lm, sind die meisten Babys soweit und fordern von Mamas Essen. Manche Babys wollen plötzlich überhaupt keinen Brei mehr essen. Manche sind schon nach wenigen Löffeln satt. In Zeiten des Wachstums dagegen, meist phasen- und schubweise, essen sie eine kurze Zeit dagegen sehr viel. Dein Kind kann mitessen ohne dass du kontrollierst wie grammgenau deine Kleine Gemüse oder Fleisch isst. Es geht vielmehr um die Anpassung, den Essgenuss, die Gewöhnung. Biete als Grundlage eine gewöhnliche Mischkost, davon am besten 3 Hauptmahlzeiten und 2 ZMZ. 100ml Milch können durch ca 100g Naturjoghurt oder 15g Schnittkäse bzw 30g Weichkäse ersetzt werden. Miteinberechnet werden auch Milchprodukte, die in Speisen verarbeitet wurden. Die täglich empfohlene Menge von ca 300ml gilt auch "nur" als Richtwert, von dem es "nur" keine all zu große Abweichung über längere Zeiträume geben sollte. Große Abweichungen sind bspw 150 - 200ml +/-. Eine Menge von täglich ca 500ml oder nur 50 ml Kuhmilch wäre auf lange Sicht bspw weniger optimal. Die Mengenempfehlung kann man auf eine Woche hochrechnen. An einem Tag könnte es also einmal etwas mehr und an einem anderen Tag etwas weniger sein. Grüße B.Neumann


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