Mitglied inaktiv
Lieber Dr. Posth, diesmal habe ich eine Frage bzgl. unserer Kleinen. Sie ist 6 1/2 Monate alt und hängt natürlich sehr an mir. Wenn sie wach ist, ist sie auch schonmal ganz gerne bei Papa. Der wird als einziger Mann auch akzeptiert (bei anderen Männern weint sie, wenn diese nur näher kommen). Wenn sie allerdings müde ist, will sie nur zu mir. Jetzt gönn ich mir aber die Freiheit, hin und wieder abends für 2 Stündchen wegzugehen. Sie weint dann fürchterlich bei Papa (weil sie müde ist und ich weggehe) und guckt ständig zur Tür, wo ich raus bin. Irgendwann (meistens so nach 10 Minuten) schläft sie dann in Papa's Armen ein. Und dann auch gut. Können wir das so machen, oder schadet ihr das doch? Vielen Dank für Ihre Antwort, Daniela
Liebe Daniela, das Fremdeln ist ein sensibles Konstrukt zwischen Säugling und primärer oder Haupt-Bezugsperson. Es ist eigentlich der lebende Beweis der vom Kind eingegangenen Bindung. Man sollte ihn nicht leichtfertig aufs Spiel setzen. Das verzweifelte Weinen ist Ausdruck von Angst, die der Vater in diesem Moment nicht beseitigen kann. Der Säugling hört nur auf zu weinen, weil er erschöpft und enttäuscht ist. Zwar ist dann der Vater als 1. Ersatzbezugsperson ein gewisser Trost. Er kann aber den inneren Schmerz nicht komplewtt ausgelichen, sonst würde sich der Säugling schon nach 1-2 Minuten bei ihm beruhigen. Die Gefahr ist das Entstehen einer vermeidenden Bindung. Das heißt der Säugling lernt es, seine Gefühle zu unterdrücken und später nicht mehr richtig wahrzunehmen. Viele Grüße
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