Frage im Expertenforum Entwicklung von Babys und Kindern besser verstehen an Dr. med. Rüdiger Posth:

Vorteil der frühen Fremdbetreuung?

Frage: Vorteil der frühen Fremdbetreuung?

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Sehr geehrter Herr Dr. Posth, mir wurde folgende Meinung dargelegt: Eine sichere Bindung und der Verzicht auf frühe Fremdbetreuung seien nicht das Beste fürs Kind, denn das Kleinkind würde arglos, naiv, gutmütig, vertrauensvoll aufwachsen und eben in Unkenntnis des „wirklichen Lebens“ zu einem vorprogrammierten Opfer für Andere werden wenn es mal nicht die beschützenden Eltern bei sich hat. Durch eine vermeidend-unsichere Bindung würde aber das Kind langfristig zu Zurückhaltung und Selbstkontrolle erzogen; in der Krippe würde das Kleinkind schlagfertig und selbstständig werden und von klein auf lernen, sich selbst zu beschützen – das wäre eine bessere Vorbereitung für das reale Leben, in dem eben nicht alle beste Absichten gegenüber einem hegen. Wie sehen Sie das und was kann man dem entgegenbringen? Herzlichen Dank!


Dr. med. Rüdiger Posth

Dr. med. Rüdiger Posth

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Hallo, für das Verständnis des wirklichen Lebens muss der Mensch ein Mindestmaß an geistigen also kognitiven Fähigkeiten haben, das er erst nach dem geistigen Perspektivwechsel mit 4 bis 5 Jahren langsam erwirbt. Es ist vollkommen widersinnig dieses Verständnis von einem Kleinkind zu erwarten. Ein Kind kann es in diesem Alter auch nicht lernen, weil die geistigen Voraussetzungen dafür noch nicht vorhanden sind. Opfer ist das Kind im Vergleich mit einem Erwachsenen sowieso und dieses Opfersein besiegelt die frühe Fremdbetreuung noch einmal auf klar ersichtliche Weise. Daher braucht es in der sanften Ablösung gerade den Schutz seiner Eltern. In der oben vorgebrachten Interpretation werden die wahren Vehältnisse genau auf den Kopf gestellt. Die vermeidend unsichere Bindung erzieht mitnichten zu einer Zurückhaltung und Selbstkontrolle. Die frühe Verdrängung der Gefühle baut zunehmend innere Spannungen auf (Stresspotenzial), die am Ende genau das Gegenteil hervorrufen. Dadurch wird das Kind schwächer als es sonst wäre und kann sich schlechter beschützen. Dafür sucht es dann Schutz bei anderen älteren oder erwachsenen Personen, die es wiederum missbrauchen können, geistig wie körperlich. Also auch hier ist die Folge genau das Gegenteil dessen, was behauptet wird. Die autoritäre Erziehung in den vergangen Zeiten in diesem Land belegen genau diese von mir kritisierte Entwicklung. Viele Grüße


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