Mitglied inaktiv
Hallo Herr Dr. Posth, mein Sohn ist 3,5 Jahre, noch nicht im Kiga aber in vielen Spielgruppen mit mir. Wenn er mit mir alleine ist, verhält er sich sehr vernüftig und trotzt dann sehr wenig und nicht intensiv. Das gleiche Verhalten zeigt er, wenn er jeden Tag seine 2 bis 3 Stunden mit Papa verbringt. Er redet ganzen Tag lang, liebt Rollenspiele und ist sehr bestimmend und dominant. Er ist nicht schüchtern, sehr offen und steht gerne im Mittelpunkt und gerne als Spielführer (z.B. Spielgruppe). Das Problem entsteht, wenn wir die Zeit zu dritt teilen. Es fängt schon beim Mittagessen an, da plappert er ständig dazwischen, obwohl wir ihm erklären, daß nicht zwei auf einmal reden können, weil man nichts versteht und wir nur im Wechsel kommunizieren können. Wenn wir ein paar Studen (was eher selten vorkommt) gemeinsam verbringen (z.B. Einkaufen, im Garten was machen) versucht er uns ständig abzulenken und nur mit einem von uns zu kommunizieren und zu spielen. Das gleiche Verhalten zeigt er auch, wenn mein Mann mit mir in seiner Gegenwart etwas besprechen möchte. Er fängt an Sachen zu machen, die für ihn nicht erlaubt sind und er diese Verbote sonst immer akzeptiert. Dazu redet er meinen Mann oder mich ständig an und wird immer lauter, wenn man nicht reagiert. Wenn wir ihn fragen, warum er das macht, sagt er, daß er doch nur mit mir reden will. Mein Mann empfindet diese Situation sehr stressig und daß unser Sohn uns auseinander bringen möchte. Für mich ist dieses Verhalten auch sehr stessig, daß ich oft auch lauter werde und letztentlich ihn anschreie oder manchmal mit meinem Mann in Steit gerate. Wie sollen wir uns verhalten?
Stichwort: erste Erziehungsschritte Hallo, was Sie hier ansprechen, ist zunächst einmal eine reine Erziehungsfrage. Das bedeutet, dass Ihr Sohn sich eigentlich völlig normal verhält und versucht, sein Ansinnen und seine Vorstellungen von Eltern-Kind-Beziehung durchzusetzen. Dass ein Kind von 3 1/2 Jahren dabei nur seine eigenen Wünsche und Bedürfnisse im Auge hat, liegt an seiner beschränkten Vorstellungskraft, dass er mit seinem Verhalten andere Menschen stören könnte. Für ein kleines Kind steht immer nur es selbst im Mittelpunkt. Entweder man ist jetzt so tolerant und lässt das Kind gewähren, wobei meistens nur eine kurze Zuwendung zum ihm genügt, um es zufrieden zu stellen, und man sich dann weiter als Erwachsene unterhalten kann. Oder man führt klare Regeln ein, wer wann und wieviel sprechen darf. Solche Regeln werden natürlich nicht gleich beim erstenmal beachtet und müssen immer wieder angemahnt werden. Da muss man dann schon auf freundliche Weise bestimmend sein. Schimpfen und Anschreien untergraben das Selbstbewusstsein. Ab etwa 4 Jahre setzt dann beim Kind ein Erkenntnisprozess ein, dass es seine eigenen Vorstellungen auf die anderer Menschen einstellen muss. Kommt dieser Prozess aber nicht richtig in Gang, wäre man bei dem Problem der aggressiv-oppositionellen Haltung. Aber das ist hier nicht das Thema. Viele Grüße
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