Frage im Expertenforum Entwicklung von Babys und Kindern besser verstehen an Dr. med. Rüdiger Posth:

Primäre Bindung

Frage: Primäre Bindung

juschi

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Guten Morgen. Mich interessiert wie sich die Beziehung zur primären Bezugsperson Ihrer Ansicht nach im Lauf des Aufwachsend und im Erwachsenwerden entwickelt wenn alles gut läuft. Was bleibt daran das Besondere, bzw. bleibt überhaupt etwas besonderes, wenn der Vater im Zuge der Loslösung gleichwichtig wird? Was ist Ihrer Ansicht nach wichtig um das Verhältnis zur primären Bezugsperson in der späten Kindheit, Pubertät und im Erwachsenenalter gelingen zu lassen (falls sich das überhaupt pauschalisieren lässt)? Danke und viele Grüße


Dr. med. Rüdiger Posth

Dr. med. Rüdiger Posth

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Hallo, beim Bindungsparadigma geht man davon aus, dass die primäre Bezugsperson als Repräsentation, so heißt es, im Gehirn des Kindes für immer gespeichert wird und als "einverleibte" Person in ihm weiter lebt. Die Mutter, oder wer es vielleicht sonst ist, braucht dann eines Tages nicht mehr anwesend zu sein. Sie ist Bestandteil des kindlichen Denk- und Empfindungsapparats und zwar mehr als eine einfache Erinnerung. Denn im besten Fall sind die Repräsentationen der Bindungspersonen, der Vater zieht durch die "Loslösung" diesbezüglich nach, mit guten Gefühlen verbunden, die dem so genannten Belohnungssystem entspringen (positive emotionale Integration). Schlechter ist es, wenn die Bindungspersonen sich mit schlechten Gefühlen verbinden im so genannten Bestrafungssystem. Beide Systeme sind im Gehirn seit langen nachgewiesen. In Bezug auf Bewertungen durch Personen ist diese Verbindung zu beiden Systemen viel stärker und wirkungsvoller als ein gemachtes Erlebnis. Das Kind bezieht aus dem Verhältnis dieser Erfahrungen seine ersten Selbstwertgefühle. Gleichzeitig baut es sie weiter aus durch die vielen Erfahrungen mit seinen Bindungs- und dann auch Bezugspersonen (also alle Miterzieher) und konstruiert daraus sein Selbst. Diese vielen neuen Erfahrungen erzeugen im Kind wiederum positive Gefühle als Stolz und negative Gefühle als Scham. Demzufolge kann das Selbst von Stolz erfüllt und ausgewogen sein oder von Scham erfüllt und je nach Größenordnung mehr oder weniger unausgewogen. Ein Zuviel an Stolz kann sich auch ungünstig auswirken. Das, was sich in diesen frühen Jahren in dieser Form ausbildet, hat lebenslange Bedeutung und ist viel stabiler als alles, was später an Einfluss dazu kommt. Das ist der Grund, warum alle Menschen so stark an ihren Eltern hängen und diese Beziehungen nie kaputt gehen, solange keine massive Störung mit Gewalt, Kränkung oder Missbrauch darauf einwirken. Ich hoffe, ich konnte in der gebotenen Kürze Ihr Frage beantworten. Viele Grüße


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