Frage im Expertenforum Entwicklung von Babys und Kindern besser verstehen an Dr. med. Rüdiger Posth:

Primäre Bindung, Geschwisterchen

Frage: Primäre Bindung, Geschwisterchen

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Guten Morgen! Durch Ihre Antworten und Ihr Forum überhaupt verstehe ich das Verhalten unseres 2,5jährigen mit 5mon. Geschwisterchen inzwischen so: Er ist / war so extrem Mama-anhänglich und massiv trotzend sowie aggressiv nach Geburt d. Bruders (zu der Zeit war er noch bei TaMu, die ihn damals seit 1 Jahr schon betreut hatte), weil er sich der primären Bindung zu mir versichern wollte/ will. Jetzt, wo ich mich verstärkt um ihn kümmere ist auch Papa wieder gefragter. Sehe ich das so richtig? Habe inzw. das Gefühl, ihn irgendwie"betrogen" zu haben als er zur TaMu "mußte" nach der Geburt. Er war so dermaßen schwierig in dieser Zeit, trotzte massiv, bekam SChlafprobleme (jetzt ist alles schon besser). Meine Frage ist, ob er diese schwierige Zeit emotional eann überwinden wird oder ob da etwas von zurückbleibt? Wird er quasi jetzt immer wieder Probleme bekommen oder kann man sowas durch unser jetztiges Verhalten wieder "ausbügeln"? Herzl. Dank und schöne Weihnachten ihnen + Familie


Dr. med. Rüdiger Posth

Dr. med. Rüdiger Posth

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Hallo, das mit der Rückversicherung der Bindung verstehen Sie bei Ihrem Sohn vollkommen richtig. Die Ankunft eines Geschwisterchens stellt regelmäßig die Bindungssicherheit des älteren Kindes auf eine Probe (sog. Entthronungstrauma). Die Tagesmutter war zu diesem Zeitpunkt Ersatzbezugsperson, aber nicht Loslösungsvorbild. Daher kam mit dem Brüderchen der Vater auf einmal stark ins Spiel, der jetzt für die Loslösung da zu sein hatte. Das sind ganz normale zwischenmenschliche Vorgänge im Kleinkindalter. Da der Vater vermutlich aber seine Rolle nicht vollständig ausfüllen konnte, gab es heftige Reaktionen in der Mutter-Kind-Bindung. Ob solche Geschehnisse, wenn sie sich denn einigermaßen günstig auflösen lassen, Auswirkungen auf die Emotionalität im späteren Leben haben, ist heutzutage weder gesichert noch ausgeschlossen. Aber die Forschung arbeitet daran unter dem Stichwort Psychotraumatologie. Aber eins ist sicher, je mehr Sie in Zukunft die Bedürfnisse Ihrer Kinder be-achten, desto mehr wird automatisch von allen vorangegangenen Belastungen "ausgebügelt". Sie und die anderen Eltern darin zu beraten und Ihnen Wege aufzuzeigen, wie das gelingen könnte, darum bemühe ich mich in diesem Forum. Viele Grüße


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