Frage im Expertenforum Entwicklung von Babys und Kindern besser verstehen an Dr. med. Rüdiger Posth:

ADHS

Frage: ADHS

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Ich lese gerade Ihre Texte über die Säuglingsentwicklung und bin über ADHS und die Synapsenbildung beim Säugling gestolpert. Verstehe ich Sie da richtig, dass Sie die Meinung vertreten, dass ADHS durch eine Vernachlässigung bzw. ein Fehlverhalten der Betreuungsperson im Säuglingsalter verursacht wird? Die Entstehung der Synapsen und die "Kappung" der überflüssigen liest sich durchaus nachvollziehbar und verständlich. Allerdings erwähnen Sie in diesem Zusammenhang noch ADHS. Bei ADHS ist aber doch mehr der Transmitterhaushalt gestört (zu schnell, und Ritalin verlangsamt diesen, damit Informationen aufgenommen werden könnten) - das hat doch mit der Synapsenbildung selbst nichts zu tun? Befasse mich sehr intensiv mit diesem Thema und wüsste da vor allem als Mutter eines autistischen und eines ADHS-Kindes mit Autismus und einem gesunden Baby gerne Näheres dazu. Alle 3 Kinder habe ich im übrigen nie "Schreienlassen", was ich -ebenso wie Sie- als schwere Kindesmisshandlung ansehen würde.


Dr. med. Rüdiger Posth

Dr. med. Rüdiger Posth

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Stichwort: ADHS Hallo, Sie haben Recht mit Ihrer Anmerkung, daß man beim ADHS von einer Störung im Dopamin(3)-Tranportersystem ausgeht. Wie sich diese Störung allerdings im Detail im synaptischen Spalt auswirkt, ist derzeit noch Forschungsgegenstand. Methylphenidat erhöht nachweislich die Verfügbarkeit von Dopamin am postsynaptischen Spalt und verbessert damit die Signalübertragungsfrequenz. D.h. Mph "ersetzt" sozusagen den defekten Dopamintransporter und wirkt deshalb. So stellt man sich das jedenfalls neurophysiologisch vor. Und es scheint ja auch zu funktionieren. Die entscheidende Frage ist aber etwas anders gelagert. Ist die DOP-Transporterstörung einzig das angeborene Phänomen einer gestörten Gen-Sequenz oder vielleicht doch (auch?) eine Folge mangelnder inhibitorischer Synapsen im Rahmen der unbedingt notwendigen Synapsen-Reduktion. Oder addiert sich beides einfach. Daß die negative Streßreaktion im Säuglingsalter bzw. bei fehlgeprägten Jungtieren solche Störungen in der Synapsenreduktion hervorrufen, ist hinlänglich bewiesen. Dazu kommt, daß bei extremem Streß auch die Gedächtnisfunktionen in der Amydala und dem Hippocampus beschädigt werden. Beide Strukturen sind im Gehirn von deprivierten Kindern verkleinert (fMRT-Untersuchungen). Aber eines ist doch einfach nur logisch: Ein Säugling mit schwierigem Temperament und damit wahrscheinlich ADHS-gefährdet wird zusätzlich Schaden nehmen, wenn er im Säuglingsalter permanent gestreßt wird. Er wird wahrscheinlich noch viel leichter Schaden nehmen, als ein völlig unauffälliger Säugling, weil bei ihm ja das entsprechende System im Gehirn von Geburt an viel verletzlicher ist (erhöhte Vulnerabilität). Das müßte eigentlich dazu führen, daß mit Säuglingen, die ein schwieriges Temperment aufweisen, eher noch umsichtiger und einfühlsamer umgegegangen werden muß, als mit den Anderen. Das jedenfalls gebietet die Primärprävention. Genau das Gegenteil passiert aber meistens, und die Konditionierungsprogramme, die gerade für solche Säuglinge aufglegt werden und auch von vielen kinderpsychologisch tätigen Fachleuten vehement vertreten werden, sind streng genommen kontraindiziert. Viele Grüße


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