Sylvia Ubbens

Verlustängste?

Antwort von Sylvia Ubbens

Frage:

Hallo Frau Ubbens,

Sie haben mir schon sehr oft geholfen was Fragen in Bezug auf meine Tochter ( gerade 3 geworden) und die Trennung von ihrem Vater und mir angeht und die Umstände der großen Entfernung unser beider Wohnorte.

Unsere Tochter war nun schon zum 3 mal für 1 Woche bzw 9 Tage bei ihrem Vater im alten Wohnort/alte Wohnung. Zwischendrin war er 2 mal für ein WE bei uns.

Ich möchte am Liebsten natürlich, dass sie so unbeschadet wie möglich ihre Kindheit verlebt und das Vater und Tochter sich so oft es geht sehen.

Nun ist es so, dass meine Tochter seit einiger Zeit auffallend oft "Mama, ich hab dich so lieb" zu mir sagt und mich ganz oft drückt.

Bevor jetzt Kommentare kommen von anderen,, dass es ganz normal ist und ich mich freuen soll - Es war ganz extrem in der Nacht bevor sie zu ihrem Vater fuhr. Sie ist nachts aufgewacht und hat geweint, wollte zu mir mit ins große Bett und war dann über eine halbe Stunde wach und hat mir immer und immer wieder gesagt, dass sie mich lieb hat.

In der Woche wo sie bei ihrem Vater war, hatte sie augenscheinlich eine tolle Woche mit vielen schönen Aktivitäten und als wir mal skypen wollten, war sie ganz komisch und abweisend und hat mich kaum angesehen und immer nur gesagt, sie will aber nicht mit mir skypen. Was wir dann auch beendet haben, indem ich ihr gesagt habe, dass es okay ist, wenn sie nicht mag und dass ich sie lieb habe.

Bei der Rückkehr hat sie sich wieder sichtlich gefreut und sobald ging es wieder los mit "Mama, ich hab dich lieb"

Kann es daran liegen, dass sie denkt ich bin traurig, wenn sie weg ist und sie mir desshalb es so oft sagt?
Oder tut sie es, um die Bestätigung von mir zu bekommen, dass ich sie noch lieb habe?
Sie fragte auch nach der Rückkehr, wo ich war. Ich sagte ihr zu Hause, dass weisst du doch.

Ich habe ein wenig Angst, dass die langen Aufenthalte bei ihrem Papa, die ja eigentlich wichtig sind, sie etwas überfordetn und eine Trennungsangst mir gegenüber schüren.
Evtl, weil sie ja nur noch mich als "Hauptbezugsperson" hat.
Hat sie evtl Angst, mich zu verlieren?

Und warum ist sie dann gegenteilig so distanziert zu mir, wenn sie bei ihrem Vater gerade ist?
Es ist schwer für mich zu verstehen.

Im August soll sie sogar 2 Wochen wieder zu ihrem Papa. 1 Woche fährt er mit ihr in den Urlaub und 1 Woche noch am alten Wohnort.
Meinen Sie das ist okay oder wird es die Bindung zu mir schädigen, wenn Sie Sehnsucht nach mir hat und ich nicht present bin dann? Sie sagte jetzt schon, dass ich dann mitkommen soll....
Sind diese langen Umgangswochen in ihrem Alter überhaupt schon okay?
Viele kurze in kurzen Abständen sind bei uns ja leider nicht möglich, da 800 Km dazwischen liegen und Schichtdienst am WE.

Eine letzte Frage: Ihr Vater schläft neuerdingsbei uns mit in der Wohnung, wenn er mal ein WE kommt oder bevor er sie abholt (aufgrund der langen Anreise).
Es läuft alles friedlich ab, auch wenn et im Grunde nicht gut auf mich zu sprechen ist und ich immer noch an der Trennung zu knappsen habe.
Er macht es für unsere Tochter, damit sie uns auch mal zusammen hat und sieht, dass wir ordentlich miteinander umgehen.

Kann es sein, dass aber genau dieses sie eventuell verwirrt?
Sie sagt seit Kurzem Sätze wie Mama und Papa und ich sollen zusammen wohnen im alten zu Hause. Aber Papa hat dich ja nicht mehr lieb und du Papa auch nicht.

Wenn er allerdings anwesend ist in unserer Wohnung und er mal mit ihr schimpft und seine Erziehungsmethoden anwendet, kommt sie heulend zu mir gelaufen (ohne das ich etwas gesagt hätte) und sagt, Papa soll nicht hier sein. Papa soll gehen.

Was hat das alles zu bedeuten?
Was könnten wir besser oder anders machen?

Entschuldigen Sie den sehr langen Text.

Ich danke Ihnen im Voraus

Lummerland

von Lummerland1998 am 19.06.2017, 21:46 Uhr

 

Antwort auf:

Verlustängste?

Liebe Lummerland,

Ihrer Tochter geht es gut. Viele Kinder fangen mit drei Jahren an, zu verstehen, dass Menschen auch mal weg gehen. Die natürliche Verlustangst entsteht. Ebenso lernen Kinder in dem Alter die Bedeutung von "ich hab dich lieb" verstehen. Sie wollen es, so wie sie es bekommen, gerne auch zurückgeben. Auch dies ist bei jedem Kind so. Bei Ihrer Tochter scheint es Ihnen auffälliger, da Sie in der Trennungssituation stecken.

Natürlich ist es für ein so kleines Kind noch schwierig, mit den Trennungen von Mama umzugehen und sie "fürchten" sich im Vorfeld ein wenig. Sie wissen aber ja, dass es Ihrer Tochter beim Papa gut geht und von daher ist alles in Ordnung, so wie Sie es mit den Besuchen handhaben.

Mit drei Jahren und auch noch später, sind Kinder verunsichert, was die Kommunikation über Telefon oder per Skype angeht. Mama ist nicht neben mir und trotzdem spricht sie und bewegt sich. Dies wirft in den kleinen Kinderköpfen Rätsel auf und oft möchten sie aus dem Grund gar nicht oder nur kurz telefonieren. Dies hat nichts mit Ablehnung, Schutz oder Sehnsucht zu tun.

Der Traum eines jeden Kindes ist, dass Mama und Papa zusammen wohnen. So sind sie es gewohnt, so soll es sein. Aus dem Grund wird es immer wieder geäußert, auch in ein paar Jahren noch. Auch, wenn die Kinder schon so alt sind, dass sie verstehen, dass dies nicht geht. Ein Traum ist es trotzdem und diesen sollten Kinder immer offen aussprechen dürfen und als Eltern sollten Sie immer wieder liebevoll erklären, warum dies nicht geht.

Viele Grüße Sylvia

von Sylvia Ubbens am 21.06.2017

Antwort auf:

Verlustängste?

Nachtrag:

Was vielleicht auch damit in Zusammenhang stehen könnte.

Wir haben neulich in eine Zeichentrickfolge von "Heidi" hereingeschaut. Sie kennt Heidi von ihren Büchern, TV sieht sie sehr selten, außer manchmal Sandmännchen und ab und zu Biene Maja eigentlich garnicht.

In der Folge ging es nun ausgerechnet geradr darum, dass Heidi von der Tante beim Opa abgegeben wurde, weil sie sich nicht mehr kümmern konnte und Heidis Mutter tod ist.

Meine Kleine brach mittmal komplett in Tränen aus und fragte, was Heidi denn jetzt machen soll und wo ihre Mama sei? Sie war total aufgelöst und ich habe sofort ausgemacht.

Jetzt als sie vom Papa wieder kam, hatten sie wohl "Peter Pan" gelesen.
Nun sprach sie bei mir an, warum Peter Pan keine Mama hat. Und er solle doch auch Mama und Papa haben.

Mich beschäftigt das alles sehr.

von Lummerland1998 am 19.06.2017

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