Christiane Schuster

Hyperaktivität

Antwort von Christiane Schuster

Frage:

Hallo Frau Schuster !

Ich stecke zur Zeit mal wieder in einer mittleren bis schweren Krise. Unser Sohn ist 3 1/4 Jahre alt, und ein sehr aktives und anstrengendes Kind. Vor knapp vier Monaten ist eine Hyperaktivität auf Grund von Unterforderung seitens meiner Kinderärztin festgestellt worden. Ich wußte und weiß immer noch nicht wie ich damit umgehen soll. Wir haben jetzt eine Therapie bei einer Kinder- und Jugendpsychologin begonnen, in der wir einmal mit Kind und zweimal ohne waren. Mit Yannick war es eine reine katastrophe da wir kein Wort miteinander sprechen konnten, da sich die "Symtome" unter anderem in sehr lautes und anhaltendes Gieren bemerkbar machen. In den zwei folgenden einzel Gesprächen wurde unser Familienleben wieder gefestigt. Gleichzeitig erhält Yannick zweimal die Woche bei einer Krankengymnastin Behandlungen, da diese eine SI-Störung vermutet. Dies alles hängt damit zusammen, das er "Hoch"-Begabt sein soll. Die Psychologin wird in cirka zwei Monaten einen IQ-Test mit Ihm machen. Das ist noch eine lange Zeit hin...
Fakt ist allerdings schon, das von der Krankengymnastin (Sie arbeitet mit Kindern unterschiedlicher Defizite u.a. Hochbegabung und Hyperaktivität) festgestellt wurde, das sein Handlungsplan die eines Fünfjährigen bis fünf einhalb Jährigen ist. Wir kommen da nicht mehr mit.Wie kann ich ihn hier altersgerecht erziehen. Soll ich die Methoden für einen dreijährigen anwenden oder die für einen fünfjährigen. Gibt es irgendwelche "Haustest", an denen ich feststellen kann wie weit er ist. Vielleicht erwarte ich ja auch zuviel von Ihm, und er kann die Sanktionen noch nicht verstehen, oder aber er ignoriert sie halt wie ein "großer" und er muß anders behandelt werden ??? Ich weiß echt nicht mehr weiter. Ich brauch jemanden der mich auf diesem Weg begleitet, der mir sagt: So und so mußt Du das in der und der Situation jetzt machen.
Ich hoffe, das sie durch diesen ganzen Wust verstehen was ich Sie frage und verbleibe mit

freundlichen Grüßen

Marlene

N.S.: Wir haben auch noch eine Tochter, die ende Januar zwei wird. Sie steht Ihrem Brunder im Vergleich mit Ihrer Entwicklung in nichts nach, nur Sie nimmt alles gelassener und nimmt die Welt in leise Tönen wahr.

von Marlene am 04.01.2000, 15:26 Uhr

 

Antwort auf:

Hyperaktivität

Hallo Marlene
Sehen Sie die Entwicklung Ihres Sohnes doch mal von der positiven Seite! Es ist doch schön, dass er schnell begreift und sehr aufgeschlossen ist! Für Sie bedeutet das natürlich auch, dass Sie sehr aktiv und schnell sein müssen. Das artet sicherlich manchmal richtig in Stress aus?! Versuchen Sie doch mal nur auf die Bedürfnisse des Kindes und auf seine Fragen einzugehen, statt irgendwelche Tests in den Vordergrund zu stellen. Fragt Ihr Sohn wie ein 5-jähriger, antworten Sie ihm entsprechend. Verhält er sich wie ein Kind mit 31/4 Jahren, versuchen Sie ebenfalls auf seine Bedürfnisse einzugehen. Wenn er unterfordert und sehr aktiv ist, besuchen Sie doch mal mit ihm ein Mutter-Kind-Turnen. Dort könnte er seine überschüssigen Kräfte loswerden, und Sie hätten Gelegenheit sich mit Müttern in ähnlichen Situationen auszutauschen. Das laute und anhaltende Gieren bei der Psychologin war meiner Meinung nach Yannicks Art, seine Unsicherheit zu überspielen. Ihr Sohn scheint, auch, wenn er es nicht direkt äußert, sehr viele Schmuseeinheiten zu brauchen. Geben Sie sie ihm, wann immer Sie können. Dann wird Yannick bestimmt bald genauso zufrieden sein wie seine Schwester. Halten Sie mit viel Geduld durch und fragen Sie, wenn Sie nicht mehr weiterwissen! Nicht verzweifeln!
Bis bald?

von Christiane Schuster am 05.01.2000

Antwort auf:

Hyperaktivität

Hallo Frau Schuster,

das Gieren hatte er nicht nur bei der Psychologin, sondern ist eine dauernde Belastung wärend des Tages. Mal mehr und mal weniger ausgeprägt. In unserer Gegend werden diese sogenannten Mutter und Kind Turnen nur als "Kaffeeklatsch" für die Mütter abgehalten. Ausgepowert wird Yannick dort auf gar keinen Fall. Da mein Mann und ich beide berufstätig sind, haben wir für die restliche Zeit andere Betreuungspersonen wie meine Elterm (leben im Haus) sowie "teile" ich mir zusammen mit einer anderen berufstätigen Mutter eine Kinderbetreuung, die dann unsere zusammen vier Kinder betreut (=Erzieherin). Zusätzlich werden wir in absehbarer Zeit auch wieder ein Au-Pair zu uns nehmen. Nur mit diesen Hilfen, schaffen wir es Yannick den Input zu geben, den er von uns fordert. Vorher wäre ich alleine ( und vor allem unsere Ehe) an der Aufgabe zerbrochen. In den Frühjarhr- und Sommermonaten war Yannick von morgens bis abend fast ununterbrochen an der frischen Luft und konnte sich austoben bis zum geht nicht mehr, aber es ist wahnsinnig schwierig ihn "müde" zu bekommen. Die Schlafenszeiten die wir jetzt haben, haben wir einem absolut verlässlichen Tagesablauf zu verdanken. Dies hat uns ein Jahr Arbeit und alle Freunde gekostet. Dank der Krankengymnastin sind wir seit kurzem soweit, das Ihm schmusen nicht mehr unangenehm ist, er war nie ein Kuschel oder Schmusekind, sondern nur immer in Aktion um immer weiter zu wollen (mit acht Monaten ging er schon an der Hand Ostereier suchen, seit seinem vierzehnten Lebensmonat braucht er keinen Mittagsschlaf etc.). Wir versuchen Ihn seinem "Alter" entsprechend zu behandeln, was an einem Tag galt, ist am nächsten aber schon wieder durch irgendetwas getoppt. Das macht es für uns immer wieder schwierig zu reagieren.
Diese Test´s sind für mich nur ein persönlicher Schutz gegen Äußerungen Wie :
Schlecht erzogen... Typisch Mutter ist schließlich berufstätig....Der braucht nur eine strengere Hand... mach mal erst eine Psychorunde mit in denen Deine Erziehung analysiert wird und zu guter letzt: natürlich braucht Ihr Kind eine Festhaltetherapie !!
Ich habe heute durch Zufall erfahren, das in der Zeitung ein Bericht über eine Selbsthilfe Gruppe in unserer Nähe stand, und dies durch eine indirekte Bekannte, die ein jetzt diagnostiziertes Hyperaktives Kind hat. Dieses Gespräch von Angesicht zu Angesicht, hat mir schon wieder mehr Mut gemacht, und ich werde weiter alles versuchen, um Yannick all das zu geben was er benötigt. Vor allem seine Schmuseanfänge auskosten, denn endlich kann er ein paar Berührungen "vertragen".......
Ich werde sicherlich noch des öfteren auf Sie zurück kommen und Sie um Ihren Rat beten.

Mit freundlichem Gruß

Marlene

von Marlene am 05.01.2000

Antwort auf:

Hyperaktivität

Hallo Marlene,
hast Du Dich denn schon über Hochbegabung informiert?Das halte ich für sehr wichtig, denn man versteht sein Kind doch um einiges besser, wenn man die möglichen Zusammenhänge weiss.
Ich habe auch einen Sohn, der möglicherweise hochbegabt ist(Test steht bald an), er ist zwar wohl nicht hyperaktiv, aber manchmal nicht weit davon entfernt.
Ich beschäftige mich schon fast ein Jahr mit dem Thema, und es gibt noch viele Unsicherheiten, aber es hat mir auch sehr geholfen, Bücher zum Thema zu lesen, oder im Internet entsprechende Seiten zu besuchen.
Ausserdem bin ich Mitglied in einer Mailingliste betroffener Eltern.
Man glaubt gar nicht, wieviele Eltern unsicher sind, was die Entwicklung ihrer Kinder angeht.
Wenn Du Interesse hast, kannst Du mir privat schreiben, und ich gebe Dir ein paar Buchtips etc.

Liebe Grüsse
Katrin

von Katrin am 06.01.2000

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