Gewitter im Sommer - was jetzt zu beachten ist

Gewitter im Sommer - was jetzt zu beachten ist

In der Ferne hört man ein dumpfes Grollen, ein heller Blitz zuckt durch den Himmel - im Sommer bildet sich bei schwülwarmen Temperaturen meist im späteren Tagesverlauf oft mal ein Gewitter. Nicht selten wird man davon beim Wandern, bei einer Radtour, einem Bootsausflug oder beim Baden überrascht. Doch was ist im Wald, auf der Wiese oder am See bei Blitz und Donner zu tun?

Wichtig ist: Sind die Kinder in einem Alter, in dem sie alleine losziehen, sollten Eltern mit ihnen sprechen, um sie aufzuklären und vor der Gefahr zu warnen. Damit die Sprösslinge sich umsichtig verhalten und die Verhaltensregeln beachten.

Entfernung bestimmen: Wie weit ist das Gewitter entfernt?

Eben noch war das Gewitter weit entfernt, doch plötzlich scheint es ganz nah. Mit einer Faustregel lässt sich berechnen, wie viel Zeit noch bleibt, bevor es direkt über einem ist. Man zählt einfach von einem Blitz die Sekunden bis der nächste Donner ertönt, selbst wenn dieser nur leise zu hören ist. Die Zahl wird durch 3 geteilt, das Ergebnis sind die Kilometer, die das Gewitter entfernt ist. Auf diese Weise kann man zudem auch feststellen, ob sich das Gewitter entfernt oder näher kommt. Vergehen zwischen Blitz und Donner weniger als drei Sekunden, ist es direkt über einem, ein Blitz kann jederzeit niedergehen. Übrigens erwärmt ein Blitz die Luft auf 20.000 Grad Celsius.

Schutz suchen: Gebäude mit Blitzableiter und Autos sind sicher

Richtig sicher ist ein Haus mit Blitzableiter oder ein Auto. Viele öffentliche Gebäude sind mit Blitzableiter gesichert. Im Auto bildet der Metallrahmen einen Faradayschen Käfig. Der Rahmen sollte natürlich nicht berührt werden, das sollten im Falle eines Falles auch die Kinder auf dem Rücksitz beachten. Das Fenster kann man dagegen aber ruhig geöffnet lassen. Aber bei einem starken Gewitter empfiehlt es sich in aller Regel, dass man eine Fahrt unterbricht und am besten unter einer Betonbrücke oder dem Standstreifen anhält. Übrigens kann der Blitz trotzdem ins Auto einschlagen, dann kann das Dach eingedrückt werden, die Elektronik verschmoren oder die Reifen Feuer fangen - aber die Insassen bleiben unversehrt. Dieselbe Sicherheit eines Faradayschen Käfigs hat man genauso in einer Seilbahngondel, in einem Bahnwaggon und in einem Wohnwagen bzw. Wohnmobil bei unterbrochenem Stromnetz und mit geschlossenem Fenster.

Bei einer Wanderung im Wald, auf einer weiten Wiese oder einem Berg suchen Sie bei einem Gewitter Unterschlupf in einer Schutzhütte. Diese haben generell keinen Blitzableiter, deshalb nimmt man hier ebenso die Schutzhaltung ein. Findet man eine Höhle, sollte man mehrere Meter hineingehen. Jedoch sollte nicht die Gefahr bestehen, dass man von steigendem Wasser eingeschlossen wird.

Schutzhaltung: hinhocken, Füße eng zusammenstellen, nicht abstützen

Ist kein Haus und das eigene Auto nicht in der Nähe, sollte man möglichst einen Graben oder eine Mulde aufsuchen und sich hier hineinhocken. Bestenfalls steht man dabei auf einem Rucksack oder einer Isomatte. Denn die Isolierung nach unten minimiert den eventuellen Schaden einer Schrittspannung rund um die Einschlagstelle. Die Füße werden ganz eng aneinander gestellt, damit auch dazwischen keine lebensgefährliche Spannung entsteht, die Arme eng anlegen und die Beine damit umgreifen. Die Hände werden keinesfalls auf den Boden abgestützt. Falls das Hocken nicht möglich ist, sollte man zumindest stehen bleiben. Blitz breiten sich kreisförmig aus und bei einem Schritt wird der Körper zu einem Stromkreislauf. Rennen ist also, wenn das Gewitter über einem tobt, absolut tabu.

Nicht zu vergessen: Die Spannung wird auch zwischen verschiedenen Personen übertragen. Also selbst wenn ein Kind Angst hat, besser ist es, wenn man nicht dicht beieinander steht und sich vor allem nicht berührt.

Besser nicht: Wenn es plötzlich blitzt und donnert ...

  • Ein Regenschirm wird bei Gewitter prinzipiell aus der Hand gelegt.
  • Zum Fahrrad oder Motorrad sollte man einen Abstand von drei Metern einlegen.
  • Ein Unterstand aus Metall, wie es ihn etwa auf Sportplätzen gibt, ist kein guter Platz bei einem Gewitter. Auch die Nähe von Strommasten oder Weidezäune sollten ebenfalls gemieden werden, sonst besteht die Gefahr, dass der Blitz überspringt.
  • Raus aus dem Wasser: Bei Gewitter verlässt man umgehen das Schwimmbecken im Freibad oder den See.
  • In einem Kanu, Paddel-, Ruder- oder Segelboot mitten auf dem See: Hier besteht genauso hohe Gefahr. Nur in einem metallenen Boot, das wie ein Faradayscher Käfig wirkt, ist man sicher.
  • Zu allen höheren Objekten, wie Masten und frei stehenden Bäumen hält man Abstand. Denn Blitze schlagen in den höchsten Punkt ein, der Strom wird in den Boden geleitet und kommt da an, wo man steht. Zudem können Äste herabfallen oder sogar der ganze Baum umfallen.
  • "Buchen sollst Du suchen, Eichen sollst Du weichen" - dieses Sprichwort ist Quatsch. Dem Blitz ist es egal, wie der Baum heißt, die Höhe ist ausschlaggebend. Ragt die Buche über die kleine Eiche hinaus, dann schlägt der Blitz in die Buche ein. Grundsätzlich gilt: Stellen Sie sich bei einem Gewitter keinesfalls unter einen Baum und lehnen Sie sich auch nicht dagegen. Lieber wird man klitschnass.
  • Ist man gerade in einem Wald mit gleichmäßig hohen Bäumen unterwegs, wenn das Gewitter plötzlich losbricht, ist man dagegen relativ sicher. Jedoch sollte man stehen bleiben und mindestens fünf Meter Abstand zum nächsten Baum einhalten.
  • Hände weg von den Drahtseilen eines Klettersteigs: Das Metall kann den Blitz vom Gipfel bis ins Tal leiten, auch nasse Kletterseile und feuchte Felswände sind eine Gefahr.
  • Nachts im Zelt auf dem Campingplatz: Weckt ein Gewitter die Familie aus dem Schlaf, sollte sie sich zur Sicherheit ins Auto setzen bis das Unwetter vorübergezogen ist. Falls das Auto nicht direkt daneben geparkt ist, sollte man wenigstens auf dicken Isomatten hocken - aber ohne die Zeltwand oder das Metall-Gestänge zu berühren. Besser achtet man aber schon vorher, dass man sein Zelt nicht an einer exponierten Stelle oder neben einem einzelnen Baum aufstellt.

Lieber nicht: Verhaltenstipps für drinnen

Bitte verzichten Sie bei einem Gewitter darauf, den Aufzug zu nehmen. Es kann zu einem Kurzschluss kommen, dann stecken Sie fest. Auch Duschen oder Baden sollte man in einem Haus ohne Blitzableiter besser auf später verschieben, denn Wasser leitet Strom. Wasserrohre und andere Leitungen aus Metall greift man bei einem Gewitter nicht an und insgesamt sollte man keine elektrischen Geräte bedienen, also Fön, Mixer oder elektrisches Messer bleiben bei Gewitter aus. Manche raten sogar davon ab, ein schnurgebundenes Festnetztelefon zu bedienen. Auf jeden Fall sollten aber elektronische Geräte, Fernseher, Stereoanlagen und Laptop vom Stromnetz getrennt werden. Natürlich fährt man bei einem nahenden Gewitter die Markisen ein, sichert alle Gegenstände, die ums Haus und im Garten lose liegen und herumfliegen könnten und schließt alle Fenster und Türen, auch im Untergeschoss.

Bei Schaden am Haus durch einen Blitzeinschlag ist die Wohngebäudeversicherung zuständig, auch Folgeschäden etwa ein Kurzschluss werden normalerweise übernommen. Doch zunehmend mehr Versicherungen bestehen auf einen Blitzschutz, insbesondere bei Häusern, die höher als 20 Meter sind oder in exponierter Lage stehen. Hier unterscheidet man zwischen einer äußeren Blitzschutzanlage und einer inneren Anlage, die vor Überspannungsschäden schützt.

Vorbeugen: Beachten Sie die Wettervorhersage und planen Sie entsprechend

Am besten vermeidet man, von einem Gewitter überrascht zu werden: Also wenn der Wetterbericht im Sommer eine Gewitterneigung vorhersagt, dann plant man Wanderungen, Bade-Ausflüge oder sonstige Aktivitäten am besten für den Vormittag ein, denn Gewitter bilden sich normalerweise erst nachmittags bzw. man wählt Strecken, auf denen sich eine Unterstellmöglichkeit bietet. Aus diesem Grund kann es auch nicht schaden, sich im Ausland über das Wort für Gewitter zu informieren: Auf Englisch heißt es "thunderstorm", auf Französisch "tempête", auf Italienisch "tempesta", im Spanischen "tormenta", auf Niederländisch und Schwedisch "storm", in der polnischen Sprache "burza" und auf Türkisch "fýrtýna".

Im Laufe des Tages ist es auch empfehlenswert, alle Informationen und Apps von Wetterdiensten, vom Alpenverein oder der Bergwacht zu nutzen und den Himmel zu beobachten: Naht ein Gewitter, kann man das an plötzlich fallendem Luftdruck, hoch aufgetürmten, dunklen Wolken und entferntem Donner erkennen. Sobald ein Blitzschlag unmittelbar bevorsteht, liegt Hochspannung in der Luft. Möglicherweise kann man ein Knistern oder Summen vernehmen, Metallteile klingen und vielleicht stellen sich sogar die Härchen an den Armen auf.

Passiert das Unwahrscheinliche und jemand wird vom Blitz getroffen, hat er eine Überlebenschance von 50:50, viele Betroffene überstehen einen Blitzeinschlag aber ohne größere Schäden, denn der Strom geht rasch zu Boden. So wurde der Amerikaner Roy Sullivan bereits unglaubliche siebenmal vom Blitz getroffen - und überlebte. Sofort ist ein Notruf abzusetzen! Gleichzeitig muss man versuchen Erste Hilfe zu leisten, denn der Blitz hat den Körper nach spätestens 2 Sekunden verlassen.

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