Biggi Welter

Biggi Welter

Stillberaterin

Biggi Welter absolvierte ab 1996 ihre Ausbildung zur Stillberaterin bei der La Leche Liga Deutschland e.V., einer Organisation in 78 Ländern in offizieller Beziehung zur Weltgesundheitsorganisation (WHO), die Schwangeren und stillenden Mütter in Fragen rund um das Stillen Beratung anbietet. Danach leitete Biggi Welter viele Jahre lang eigene Stillgruppen mit intensiver Betreuung. Ab 1999 übernahm sie zudem die Online-Stillberatung von Rund-ums-Baby.de, die sie heute noch leitet. Ihre Beratungen bei Rund-ums-Baby.de werden jeden Monat hunderttausendfach weltweit von stillenden Müttern gelesen. Ein achtsamer und wertschätzender Umgang mit Kindern liegt ihr am Herzen.

Biggi Welter

Kleinkind vor Geburt des Geschwisterchens abstillen?

Antwort von Biggi Welter, Stillberaterin

Frage:

Schönen guten Tag,

mein erstes Kind ist zwei Jahre alt und wird noch einmal am Tag gestillt, morgens zum Aufwachen. Nun kommt in sechs Wochen Kind zwei auf die Welt.

Ich frage mich nun, was klüger ist: Den Grossen abstillen, so dass die Brust dann ganz der Kleinen gehört? Oder den Milchfluss quasi in Gang halten und den Grossen abgewöhnen, wenn das Baby dann da ist?

Kann es die erneute "Fähigkeit zu Stillen" positiv oder negativ beeinflussen, wenn ich nun schon verhältnismäßig lange gestillt habe?

Für Ihre Einschätzung: sowohl der Frauenarzt, als auch meine Hebamme raten dazu, abzustillen (aber eigentlich schon, seit ich wieder schwanger bin ;)).

Vielen Dank für Ihre Hilfe und einen schönen Tag noch! Christina

von waswaerewenn85 am 22.04.2020, 14:55 Uhr

 

Antwort auf:

Kleinkind vor Geburt des Geschwisterchens abstillen?

Liebe waswaerewenn85,

wenn es für SIE in Ordnung wäre, würde ich gar nicht abstillen, sondern beide Kinder stillen.

Wenn das ältere Kind nur gelegentlich stillt, muss die Mutter nicht darauf achten, dass das Neugeborene genug Kolostrum bekommt. Sollte das ältere Kind öfter stillen, möchte die Mutter vielleicht sicher sein, dass das Neugeborene auch Vorrecht an der Brust hat. Wenn die Mutter während der ersten Wochen extra Hilfe zuhause hat, kann diese Hilfe oder der Vater vielleicht dem größeren Kind mehr Aufmerksamkeit widmen, so dass es für die Mutter einfacher ist, sich dem Baby zu widmen.

Ein stillendes neues Geschwister kann beim größeren Kind zeitweise den Wunsch vergrößern, auch öfter zu stillen. Für das größere Kind ist es auch mehr, als Ernährung; es ist Gemütlichkeit und Nähe. Wenn es besorgt ist und sich vom neuen Familienzuwachs bedroht fühlt, mag es sich vermehrt dem Stillen zuwenden, um sich rückzuversichern, dass es immer noch geliebt wird und seinen Platz an Mutters Brust hat. Besonders wenn es die tiefer werdende Zuneigung seiner Mutter zum Baby spürt, könnte das größere Kind einen Drang verspüren, seine eigene Bindung durch häufiges Stillen andere Bedürfnisse zu restabilisieren.
Das ältere Kind könnte während der ersten Wochen öfter lockerere Stühle haben, das hängt mit der laxativen Wirkung des Kolostrums zusammen. Es wird sich aber mit dem Wandel zur reifen Muttermilch ändern.

Auch wenn das größere Kind während der Schwangerschaft gestillt hat, kann es nach der Geburt zu Milchstaus kommen, besonders wenn das Neugeborene während der ersten Tage noch nicht so häufig trinkt. Wenn es möchte, kann das ältere Kind beim Vermeiden oder erträglich Machen von Staus sehr hilfreich sein, wenn bei der Mutter sich nach dem dritten bis vierten Tag die Milch ändert. Manche älteren Geschwister verweigern die Brust bis sie sich wieder weicher und gewohnter
anfühlt, andere sind ganz begeistert von der neuen Fülle.

Normale Hygiene ist ausreichend beim Tandemstillen. Regelmäßiges Baden oder Duschen, saubere Kleidung und normale Sauberkeit sind gut genug. Die Drüsen rund um die Brustwarze sondern eine antibakterielle Flüssigkeit ab und Babys sind mit einer Immunität gegen die meisten Haushalts (und Geschwister ) Keime geboren. Muttermilch enthält ebenfalls diese Immunglobuline. Wenn ein Geschwister krank ist, ist es nicht nötig, dass die Mutter jeweils beiden Kindern nur eine bestimmte Seite anbietet, weil die Krankheitserreger, die Erkältungen und andere Infektionen hervorrufen, schon ausgetauscht wurden, bevor die ersten Symptome zu sehen waren. Bis dahin hatten die Kinder denn auch schon einige Tage Gelegenheit, an der Brust die Keime auszutauschen. Ausnahme bei dieser Regel ist Soor, eine Pilzinfektion, die zwischen Mutter und Baby vorkommt, wie auch jede ernst oder extrem ansteckende Krankheit. In diesen Zeiten möchte die Mutter vielleicht jedes Kind auf "seine" Seite begrenzen.

Hören Sie in sich hinein und auf Ihr Herz und wenn Sie möchten können wir auch gerne miteinander telefonieren!

LLLiebe Grüße
Biggi

von Biggi Welter, Stillberaterin am 22.04.2020

Antwort auf:

Kleinkind vor Geburt des Geschwisterchens abstillen?

Was für eine großartige, liebevoll geschriebene Antwort. Ich wünschte ich hätte sie eher gelesen, das hätte mir viel Kummer erspart beim Teilabstillen unserer Großen nach der Geburt ihrer Schwester. Die Große wollte dauerhaft stillen und die Kleine schlief quasi nur, musste zum Stillen geweckt werden und trank kaum. Ich hatte Angst, dass die Große der Kleinen das Kolostrum wegtrinkt. Zudem störte mich das Dauernuckeln der Großen aufeinmal, weil mein Instinkt mir sagte, die Kleine braucht die Milch ganz dringend.
Ich habe es dann drei Tage konsequent so gehandhabt, dass ich ihr tagsüber die Brust verweigert habe mit dem Argument zum Schlafen wird wieder gestillt. So handhaben wir es nun. Tagsüber möchte sie längst nicht mehr stillen. Abends allerdings fordert sie es ein, aber nur bis die Milch kommt, dann dreht sie sich weg :)

von guadeloupe am 23.04.2020

Antwort auf:

Kleinkind vor Geburt des Geschwisterchens abstillen?

Liebe Biggie,

vielen Dank für Ihre schnelle und ausführliche Antwort. Dann werde ich Ihren Rat befolgen und den Großen weiterstillen...

Aber können Sie mir trotzdem noch folgende Frage beantworten: Wenn ich (aus welchem Grund auch immer) damit aufhören sollte, Elias zu stillen... Kann es dann nach der Geburt der Kleinen sein, dass die Milch erst später/schlechter/gar nicht in Fluss kommt, weil ich eben so lange gestillt habe und die kurze Pause eben kontraproduktiv ist? Oder hat das überhaupt keinen Einfluss aufeinander?

Vielen lieben Dank und alles Gute für Sie!

von waswaerewenn85 am 25.04.2020

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