Birgit Neumann

Birgit Neumann

Dipl. Ökotrophologin

Birgit Neumann studierte Ökotrophologie mit dem Schwerpunkt Ausbildung und Beratung und schloss ihr Studium mit dem Titel Diplom Ökotrophologin (Dipl.oec.troph.) ab. Seit dem Studium ist sie als Ernährungs­beraterin und Kursleiterin tätig. Mit regelmäßigen Fortbildungen hält sie ihr Wissen zur Baby- und Kinder­ernährung auf dem aktuellen Stand.

Birgit Neumann

Wie kann ich 1jährige an Familientisch gewöhnen?

Antwort von Birgit Neumann

Frage:

Hier ist ja immer wieder viel zu dem Thema zu lesen, trotzdem muss ich nochmal bisschen was dazu fragen.

Wir hatten heute die U6, alles gut, nur mit der Ernährung war KiA nicht so zufrieden. Sie stillt noch viel (sei mit 1 Jahr nicht mehr nötig laut KiA) und sie soll am Familientisch mitessen. Sie interessiert sich aber noch nicht für unser Essen und mäkelt selbst beim Brei herum. Seit paar Tagen ganz arg sogar....sie hat mehr Spaß dran Breischale und Löffel runterzuschmeissen...ist zwar lustig, aber naja...soll ja eigentlich essen!
Morgens isst sie, wenn überhaupt, 1-3 Brotstückle (sehr kleine Würfelchen) . Mittags noch Brei, aber wenig. Abends eigentlch ganz gut ihren Brei, nur seit paar Tagen streikt sie auch da. KiA meinte, hatte ev. einen Infekt, was auch sein kann....Also normalerweise geht das am Abend soweit gut. Brei ist aber auch noch nicht "Familientisch". Brot isst sie abends auch, aber nur wie in der Früh 1, 2 Stück zum Brei.
Sie würgt noch bei stückiger Konsistenz und schiebt es aus dem Mund (Reis, Nudeln, stückiges Obstmus). Ich weiß auch nicht, wie ich ihr Fleisch geben soll vom Familientisch, wenn sie schon bei einem Reiskorn würgt....
Hast du auch ev. ein paar Fleischrezepte die kindgerecht sind? Gerne mit Soße...
Sie wog vor 4 Wochen noch 8550 gr, , heute 8450 bei 72 cm. Also abgenommen. Das macht mir jetzt Sorge!
Sonst gehts ihr bestens

von Rosenstock am 15.07.2021, 12:12 Uhr

 

Antwort auf:

Wie kann ich 1jährige an Familientisch gewöhnen?

Hallo Rosenstock
stillen ist solange okay, wie es für beide Seiten okay ist - für Mutter und Kind. Vermehrtes Stillen sollte die normale Entwicklung jedoch nicht beeinträchtigen, darf diese wohl aber ergänzen. Je mehr sich euer Kind durch Muttermilch sättigt, desto weniger Anreiz besteht für Beikost und Familienkost. Da Babys/Kleinkinder aber durchaus selbst zeigen, dass sie bereit sind für die Familienkost und mitessen/imitieren wollen, kann man bei gesunden und reif geborenen Kindern eigentlich darauf vertrauen, dass sie mitessen werden, wenn sie entwicklungsbedingt soweit sind und das entsprechende Angebot zum MItessen besteht. Das kann bei manchen Kindern etwas länger dauern. Mit gerade mal einem Jahr besteht noch eine Zeit der Toleranz. Euer KIA hat doch auch keinerlei Auffälligkeiten festgestellt, oder?
Deine Tochter isst immerhin meistens ein paar feste Stückchen. Das ist auf jeden Fall ausbaufähig.
Stillen darfst du noch immer nach Bedarf. Der Bedarf wird kleiner. Der Bedarf ist momentan aber doch noch größer, so wie es aussieht.
Hat deine Tochter noch ein sehr ausgeprägtes Saugbedürfnis? Saugen dient zur Beruhigung. Denn stillen ist viel mehr als nur Nahrungsaufnahme - es spendet auch Geborgenheit, Sicherheit, u.v.m.
Vermehrtes Gestilltwerdenwollen plus Verweigerung von Beikost oder Desinteresse an Beikost/Familienkost (auch im Zusammenhang mit Entwicklungsdefiziten, häufigem Unwohlsein, andere Auffälligkeiten im motorischen Bereich, Größe/Gewicht etc,) könnte allerdings Hinweise geben, dass die Entwicklung evtl nicht ganz optimal verläuft. Das stimmt natürlich schon. Aber besteht ein Grund zur Sorge?
Wenn dein (durchaus kleine Mengen essendes) Kind ansonsten aber durchaus (laut KiA) gut und altersentsprechend entwickelt ist und an sich kein Anlass zur Besorgnis besteht, dann wäre vermutlich alles im Lot und du kannst abwarten und die Bedürfnisse deiner Tochter vielleicht nochmals hinterfragen und beobachten.
Am besten wendest du dich auch noch einmal an Biggi Welter und lässt dich von ihr für eure konkrete Situation in Bezug auf euer momentanes Stillmanagement beraten.
Sie hilft dir bestimmt mit noch mehr und detailllierten Informationen weiter. Wenn sich deine Tochter mit Mumi satt trinken kann, fehlt ihr der Anreiz um größere Mengen bei Tisch routinemäßig mitzuessen. Das bedeutet im Umkehrschluß aber nicht zwangsläufig. dass es sinnvoll oder gar empfehlenswert wäre, weniger zu stillen. Es erklärt dir nur vielleicht, warum deine Tochter bisher noch nicht das große Interesse an der Familienkost zeigt und diese isst. Wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist, um evtl das Stillen zu reduzieren oder zeitlich neu zu lenken, das sollte immer individuell beriteilt werden.
Und siehe auch einmal hier:
https://www.rund-ums-baby.de/experten/kochen-fuer-kinder/Kind-jammert-beim-Essen_49012.htm
Denn auch der perfekte Sitz am Tisch ist nicht unerheblich und wichtig für die eigenen Essversuche. Dein Kind muss wirklich gut und aufrecht und sicher und fest im Hochstuhl sitzen und alles bei Tisch beobachten können. Sieht deine Tochter gut, hört sie gut?
Momentan befindet ihr euch am Übergang vom Baby zum Kleinkind. Diese Phase ist der Übergang hin zu mehr Selbstbestimmung seitens deines Babys. Gib ihr am Esstisch darum ab jetzt immer häufiger Gelegenheit, um geeignete Nahrung durch eigenes Erleben zu erfahren.
Üblicherweise zeigen Babys ab etwa dem 10. Lm die Bereitschaft zu kauen. Sie zeigen auch, dass sie nicht mehr oder zumindest seltener gefüttert werden wollen und stattdessen sich selbständig füttern möchten.
Die Breiphase, sofern ein Baby zuvor Brei gegessen hat, wird allmählich ergänzt oder sogar ganz abgelöst durch das sog. self-feeding.
Kinder lernen essen, indem sie ihre Mitwelt beobachten. Wenn eure Tochter immer wieder zusehen kann und beobachtet, was und wie ihr Eltern esst, wird sie euch imitieren wollen. Das klappt nonverbal und ohne Drängen oder willentliches Vorleben am allerbesten. Nämlich ganz nebenbei.
Wo siehst du selbst die größte Herausforderung oder wobei spürst du große Unsicherheit?
Also dann
Grüße
Birgit Neumann

von Birgit Neumann am 16.07.2021

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