Dr. med. Ludger Nohr

Wenn es nicht nach seinem Willen geht...

Antwort von Dr. med. Ludger Nohr

   

 

Wenn es nicht nach seinem Willen geht...

Liebe Frau Henkes,

ich mache mir Gedanken um meinen Sohn. Er ist 3,5 Jahre alt, sehr aktiv, fröhlich und vielseitig interessiert. Er geht jetzt in den Kindergarten und war vorher zwei Jahre bei einer Tagesmutter.

Aktuell haben wir immer wieder sehr schwierige Situationen - immer dann, wenn etwas nicht nach seinem Kopf läuft. Es sind eigentlich immer Kleinigkeiten. Er will sich nicht die Zähne putzen, er darf kein Video gucken.. Solche Sachen. Er fängt dann an, furchtbar zu brüllen und lässt sich lange nicht beruhigen. Es ist ohrenbetäubend. Manchmal geht das 20 Minuten oder sogar länger. Mein Mann hat sehr empfindliche Ohren und muss dann meist den Raum verlassen. Ich bleibe bei meinem Sohn. Seine kleine Schwester, 1,5 Jahre alt, kennt das schon und bleibt meist ganz cool. Es ist unberechenbar, wann diese Schreiattacken auftreten. Manchmal tut er ohne Probleme alles, worum wir ihn bitten - und manchmal stellt er sich einfach bei allem quer.

Ich frage mich, was wir tun können, damit diese Situationen seltener auftreten und damit sie nicht so heftig ausfallen. Wir sind sehr darauf bedacht, ihn viel selbst entscheiden zu lassen, aber das geht halt nicht immer. Und wir achten sehr viel auf klare Strukturen und regelmäßige Abläufe. Vielleicht haben Sie noch eine andere Idee?

Danke und viele Grüße,
Bärenmama

von Bärenmama2016 am 09.07.2020, 14:06 Uhr

 

Antwort:

Wenn es nicht nach seinem Willen geht...

Hallo,
Ihr Sohn scheint derzeit seine Grenzen austesten zu wollen. Das ist ein notwendiger Entwicklungsschritt, damit ein Kind Grenzen aber auch Möglichkeiten kennen und akzeptieren lernt. Kinder erproben ihren Willen, aber den können sie aus unterschiedlichen Gründen nicht immer durchsetzen.

Ihr Sohn scheint gerade gelernt zu haben, dass ihm eine gute "Waffe" im Kampf um die Grenzen zu Verfügung steht. Nun ist es in dieser Phase wichtig, dass ein Kind mit Unterstützung der Eltern Grenzen ausloten kann. Es sollte sich nicht bloß anpassen müssen, sondern auch das Übertreten von Regeln sollte von den Eltern unterstützend begleitet werden. So machen Sie es ja auch. Sie bleiben bei ihm.
Ich frage mich aber, warum der Vater den Raum verlässt, wenn der Sohn brüllt. Gibt es die Möglichkeit, dass Sie mit ihm ins Kinderzimmer gehen, damit er sich dort beruhigen kann? Dann bekommt das Verhalten Ihres Sohnes auch nicht soviel allgemeine Aufmerksamkeit und in der größeren Intimität des Kinderzimmers - in Ihrer Anwesenheit - fällt ihm das Beruhigen möglicherweise leichter.
Ingrid Henkes

von Dr. med. Ludger Nohr am 10.07.2020

Antwort:

Wenn es nicht nach seinem Willen geht...

Hallo,

mein Sohn ist momentan eine "unberechenbare" Heulsuse ohne Grund, was uns sehr nervt. Tatsächlich hilft gespielt mitzuheulen. Einer von uns sagt "Du hast jetzt genug geheult, ich bin jetzt dran." und heult offensichtlich übertrieben ein paar Sekunden, dann sagt der andere "Jetzt bin ich aber dran." Nach ein paar Sekunden erteilen wir das "Heulrecht" unserem Sohn, der spätestens dann keine Lust mehr darauf hat und aufhört.
Also: Schrei/Ruf kurz übertrieben mit "Aaah, kein Video, wie schlimm, oh nein, wie kann ich das überleben? Jetzt Du wieder." Wiederhol das ruhig, wenn er sich nicht direkt gibt.
Wenn Du das nicht möchtest: Geh aus dem Zimmer. "Du bist mir zu laut, ich gehe kurz raus. Wenn Du ruhig bist, komme ich gerne wieder." Ohne Gegenüber wird Schreien schnell langweilig.

Viele Grüße

von Mamamaike am 10.07.2020

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