Frage im Expertenforum Stillberatung an Kristina Wrede:

Zweitmeinung Zufüttern

Frage: Zweitmeinung Zufüttern

Naoki

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Liebe Frau Wellter, Ich bin Montag Mama geworden und es war eine tolle Schwangerschaft und Geburt. Leider ließ sich der kleine von Anfang an nicht gut anlegen. Ich bin am Tag nach der Entbindung nach Hause. Da ging es besser, aber so richtig festsaugen wollte mein Baby sich nicht. Wir haben es bis gestern Abend so versucht und sind dann doch auf Hütchen gegangen, weil der Kleine zu stark abgenommen hatte. Das klappt eigentlich seht gut. Ich habe mehr Milch als er trinken mag und streiche echt aus, bis das Hütchen voll ist, weil er nicht mehr mag. Natürlich will ich auch wieder vom Hütchen weg. Leider hat er heute weiter abgenommen und meine Hebamme möchte, dass ich nach dem Stillen Pre gebe. Jetzt habe ich natürlich Sorge. Ich möchte eine natürliche Stillbeziehung und habe auch kein Problem damit, anzulegen, sobald der Kleine wach ist. Ich habe genug Milch - natürlich noch keine ganz Reife und möchte das nicht verlieren. Und ich möchte nicht, dass er sich ans Fläschchen gewöhnt. Kann das Klappen? Sollte ich nach ihrer Ansicht wirklich nach jedem Stillen Zufüttern? Ich habe gelesen, dass gerade bei kleinen Babies sehr schnell eine Saugverwirrung entsteht. Kann ich noch anderes machen, um das zu verhindern als immer zuerst die Brust geben (zwischendurch auch nochmal ohne Hütchen, damit die Fixierung bleibt). Eigentlich vertraue ich meiner Hebamme, sie ist eigentlich auch pro natürlicher Geburt und Stillen. Sie meinte auch, dass ich vermutlich trotzdem später normal Stillen kann, wenn das Baby kräftiger ist, aber es deprimiert mich, dass ich nach ihrer Aussage alles richtig mache - und es trotzdem nicht klappt. Nachdem er heute das erste Mal aus der Flasche getrunken hat, konnte ich nicht aufhören zu weinen. Was sagen Sie? Gibt es Fälle, wo diese Art der Fütterung wirklich sinnvoll ist? Und zu einer gesunden Stillbeziehung wird? Oder sollte ich lieber frühzeitig zur Laktationsberaterin zusätzlich?


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Liebe Naoki, habt ihr eine wirklich stillerfahrene Hebamme? (Leider kennen sich nicht alle mit den herausfordernden Situationen aus). Sprich sie doch mal auf Brustkompression (s.u.) und das Füttern von Muttermilchsahne an. Es wäre sinnvoll, das Zungenbändchen und eine mögliche Verspannung der Kiefermuskeln zu kontrollieren, die dazu beitragen könnten, dass das Stillen nicht richtig klappen mag. Auf jeden Fall würde ich dir empfehlen zu schauen, ob es eine Stillberaterin in eurer Nähe gibt. Adressen von Stillberaterinnen findest Du im Internet unter: http://wwwlalecheliga.de (Stillberaterinnen der La Leche Liga), http://www.afs-stillen.de (Stillberaterinnen der Arbeitsgemeinschaft freier Stillgruppen) oder http://www.bdl-stillen.de (Still- und Laktationsberaterinnen IBCLC). Nähe ist übrigens relativ: auch eine Anfahrt von einer Stunde kann es wert sein!!! Fast alle Neugeborenen nehmen erst einmal ab. Solange es nicht 10% des Geburtsgewichts ist, ist das noch "nomal". Ist es mehr, muss wirklich geschaut werden, was die Ursache des Problem ist, und im Zweifelsfall muss zugefüttert werden. Wenn du genug Milch bildest, dann solltest du jedoch nicht gleich zur Pre greifen, sondern eher abpumpen und dann mit einer alternativen Füttermethode, z.B. einem Becherchen, füttern. So vermeidest du, dass es noch mehr Stillprobleme gibt! In diesem Alter ist die ausreichende Gewichtszunahme das allerwichtigste, und manchmal MUSS daher zugefüttert werden, da hat deine Hebamme absolut Recht. Doch es muss eben nicht zwangsläufig eine Flasche sein, und schon gar nicht künstliche Milch. Becherfütterung geht sogar bei Frühchen (siehe https://www.youtube.com/watch?v=4ZCm_MhP39M), dann gibt es noch den Fingerfeeder, das Brusternährungsset, oder einen simplen Löffel! Und es stimmt auch: Mit der richtigen Unterstützung und wenn das Baby etwas kräftiger und koordinierter ist, kann das ausschließliche Stillen durchaus noch klappen. Darum ist es wirklich wichtig, dass du adäquate Stillberatung findest! Ich drück dir die Daumen, Lieben Gruß, Kristina Brustkompression "Der Zweck der Brustkompression ist den Muttermilchfluss zum Baby weiter zu erhalten, auch wenn das Baby selber nicht mehr so produktiv trinkt ("weit geöffneter Mund Pause dann Schliessen des Mundes"). Auf diese Weise wird das Baby länger weiter trinken. Die Brustkompression simuliert einen Milchspendereflex ("Letdown reflex") und oft stimuliert sie sogar tatsächlich das Auftreten eines natürlichen Milchspendereflexes. Diese Technik kann bei schlechter Gewichtszunahme eines Babys hilfreich sein. Die Brustkompression setzt den Milchfluss fort, wenn das Baby nicht mehr richtig von der Brust trinkt, sondern nur noch daran nuckelt, und bewirkt beim Baby folgendes: 1. Es bekommt mehr Muttermilch. 2. Es bekommt mehr fettreiche Milch (Hintermilch). Die Brustkompression Wie funktioniert sie? 1. Halten Sie das Baby mit einem Arm/einer Hand. 2. Halten Sie die Brust mit der anderen Hand, den Daumen auf der einen Seite der Brust (am einfachsten ist es, wenn der Daumen auf der oberen Seite der Brust positioniert ist), die anderen Finger auf der anderen, unteren Seite (C Griff). Alle Finger sollten ziemlich weit weg von der Brustwarze sein. 3. Schauen Sie wie das Baby trinkt (zu Ihrem Verständnis können Sie folgenden Video anschauen unter: www.thebirthden.com/Newman.html). Machen Sie sich keinen Stress, sie brauchen nicht jeden Schluck zu erwischen. Das Baby bekommt eine nahrhafte Menge Muttermilch, wenn es mit der Technik "Weit geöffneter Mund Pause dann Schließen des Mundes" trinkt. 4. Wenn das Baby nur noch an der Brust nuckelt und nicht mehr richtig mit der oben beschriebenen Technik trinkt, dann ist es Zeit, die Brustkompression einzusetzen. Rollen Sie nicht ihre Finger über die Brust zum Kind, sondern drücken sie nur. Aber nicht so sehr, dass es schmerzt und versuchen Sie, die Form des Brustwarzenhofes nicht zu verändern. Mit der Kompression sollte das Baby wieder anfangen effektiv zu saugen und schlucken, d.h. mit dem Typus "Weit geöffneter Mund Pause dann Schließen des Mundes". Benutzen Sie die Brustkompression nur dann, wenn das Kind nuckelt, nicht aber wenn es richtig trinkt! 5. Belassen Sie den Druck so lange, bis das Baby auch mit der Kompression nicht mehr richtig trinkt, dann lösen sie den Druck. Oft hört das Baby ganz auf zu saugen wenn der Druck wegfällt, aber es wird bald wieder damit anfangen, nämlich sobald die Milch wieder fließt. Falls das Baby nicht aufhört zu nuckeln warten Sie einen kurze Zeit, bevor Sie wieder mit der Brustkompression beginnen. 6. Die Gründe, wieso Sie den Druck lösen sollen sind einerseits, dass Sie Ihre Hand etwas ausruhen können und anderseits, damit die Muttermilch wieder zum Kind fließen kann. Das Baby wird, falls es aufgehört hat zu saugen als Sie die Kompression gelöst haben, nun wieder damit beginnen, wenn es die Milch wieder schmeckt. 7. Wenn das Baby wieder zu saugen beginnt kann es sein, dass es effektiv trinkt mit dem Typus "Weit geöffneter Mund Pause dann Schließen des Mundes". Falls dies nicht der Fall ist, d.h. das Kind nur nuckelt, benutzen Sie wieder die Brustkompression wie oben erklärt. 8. Fahren Sie so an der ersten Brust fort bis das Baby auch trotz der Kompression nicht mehr trinkt. Sie sollten dem Baby erlauben, noch eine kurze Weile länger an dieser Seite zu bleiben, da Sie manchmal einen erneuten "Let down" Reflex (Milchspendereflex) bekommen können. Das Baby würde dann von selber wieder zu trinken beginnen. Falls es jedoch nicht mehr trinkt, erlauben Sie ihm sich selbst von der Brust zu lösen oder nehmen sie es von der Brust. 9. Falls das Baby mehr möchte, offerieren Sie ihm die andere Seite und wiederholen den Prozess." (Quelle: Handout Nr. 15. Breast Compression. Revised Januar 2005 Verfasst von Dr. Jack Newman, MD, FRCPC. ©2005; www.BreastfeedingOnLine.com; Übersetzung von: Anke Käppeli Tinnes, IBCLC in Ausbildung, Zollikerberg, April 2006)


Naoki

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Brustkompression und anfüttern mache ich (das klappt auch gut). Leider hatte der Kleine von 3160g Geburtsgewicht gestern nur noch 2780. Wir bieten die Pre auch erst nach dem Stillen an, das eigentlich echt gut funktioniert - ich muss nur extrem helfen. Er schluckt auch oft erst, wenn ich eine gute Menge aus der Brust geholt habe. Zungenbändchen habe ich auch schon gedacht, weil er die Zunge eigentlich nie richtig aus dem Mund nimmt. Den Kiefer locker ich durch sanftes Streicheln von den Schläfen zum Kinn. Kann ich beides irgendwie überprüfen? Die Hebi meinte, der Kleine sei durch die leichte Gelbsucht und den starken Gewichtsve lust einfach saugschwach. seit gestern hat er aber wieder zugenommen, nur noch nicht viel. Bisher bevorzugt er übrigens eindeutig meine Brust - aus der Flasche wird kaum getrunken. Höchstens 10 ml pro Seite. Er bekommt sie auch nicht in den Mund. Es ist quasi Becherfütterung mit Flasche. Wir sollen sie nur anbieten. Erst lasse ich ihn immer nochmal an die Brust. Klappt auch eigentlich immer, wenn er nicht zu ungeduldig ist. Ich rufe aber nochmal die Beratung an. Danke für die Antwort. Hilft auf jeden Fall schonmal, dass ich so doch nicht so viel falsch mache. Die Hütchen möchte ich aber echt langfristig noch loswerden...


Naoki

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Ich meine natürlich 10ml pro Mahlzeit ;) Wir kippen eigentlich jedes Fläschen weg, weil er schon die Milch im Hütchen oft nicht austrinkt. Und jetzt mache ich mir noch einen Tee und lege wieder an.


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Ich drück euch fest die Daumen!!!


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