Mitglied inaktiv
Liebe Frau , ich brauche Ihren Rat. Ich habe eine 20 Monate alten Sohn der immer noch gestillt wird nach Bedarf. Der kleine Mann liebt seinen Bua heiß und ich hab ihn auch nie verweigert. Er hat ihn immer bekommen wann und wo er wollte. Er schläft damit ein und wacht nachts öfters auf und fordert dann nach ihn. Jetzt wird es aber bald zu viel für mich, denn in den letzten Monaten will er immer mehr. Ich habe das Gefühl es körperlich nicht mehr zu schaffen (in diesen Tagen liege ich mit Fieber im Bett und da ist das Gefühl noch stärker). Wenn ich ihm das Essen gebe, will er oft lieber den Bua. Hört auf zu essen um dann 10 Minuten später sich bei mir satt zu trinken. Ich versuche manchmal jemand anderen die Mahlzeiten zu überlassen, damit er sich satt isst, aber sobald er mich dann sieht will er dann trinken. 3 Tage die Woche bin ich im Buero. Er wacht ohne mich auf und spätestens um 5 Uhr bin ich wieder bei ihm. Sobald er mich sieht lässt er mich dann nicht wieder los. Ich glaube wirklich sagen zu können, dass ich eine Mutter bin, die sich mit ihrem Kind sehr viel abgibt. Ich bin voll für ihn da, aber von seinem Verhalten würde ich man denken können, dass es ihm nicht reicht. Jeder Versuch ihn abzulenken ist nutzlos. Er lässt sich nicht abbringen. Er bedient sich selber. Er zieht denn Pullover hoch und packt regelrecht aus. Er zieht mich zu einem Stuhl, zieht mich runter damit ich mich setzte, klettert auf den Schoss, legt sich nieder und fordert Bua. Wenn ich versuch ihm die Brust nicht zu geben, weil Essenszeit ist, weil wir unter Leute sind, weil er schon so viel hatte, dann tobt er. Weint bitterlich. Bettelt und fleht und ehrlich gesagt bekommt er ihn dann auch. Ich weiß nicht mehr wie ich mir helfen kann. Ich glaube es ist die Zeit gekommen, um abzustillen, weil es so nicht weiter geht. Aber wie soll ich das machen? Wie kann ich so ein Buanarr abstillen. Wie soll ich das machen ohne ihn zu traumatisieren? Bitte geben sie mir einen Rat! Vielen Dank Sole
Liebe Sole, für viele von uns ist es sehr ungewohnt zu sehen, wie begeistert und mit wie viel Freude ein Kleinkind stillt. Dein Sohn verhält sich gar nicht so "brustversessen" wir Du glaubst, viele langzeitgestillte Kinder zeigen sehr deutlich wie viel ihnen das Stillen bedeutet. Dein Sohn ist auch nicht abhängiger von dir als ein nicht gestilltes Kind, denn die Abhängigkeit zur Mutter besteht immer, gleich ob gestillt oder nicht, nur zeigt sie sich bei einem nicht gestillten Kind nicht so eindeutig und offen. Auch gibt es bei nicht gestillten Kindern Phasen, in denen der Vater nur eine Nebenrolle spielt und die Mutter eindeutig bevorzugt wird. All diese theoretischen Überlegungen helfen dir jedoch nicht weiter, denn Du fühlst dich in der derzeitigen Situation unwohl. Wenn sich in einer Stillbeziehung ein Partner nicht mehr wohl fühlt, dann ist es an der Zeit zu überlegen, was geändert werden kann. Sicher ist ein 20 Monate altes Kind noch nicht in der Lage alles Gesprochene bis ins letzte Detail zu verstehen, doch ich denke, dass der erste Schritt für dich sein sollte, dass Du mit deinem Sohn darüber sprichst, wie es dir geht und was Du nicht mehr möchtest. Dann könnt ihr als Eltern eine Art Plan machen, wie ihr vorgehen wollt, um das Stillen etwas einzuschränken. Stillen nach Bedarf ist bei einem Kind über einem Jahr nicht mehr ein so eng gefasster Begriff wie bei einem kleinen Baby und liebevoller Konsequenz lassen sich auch bei einem Kind in diesem Alter in einem gewissen Rahmen Regeln aufstellen. Selbstverständlich wird sich nicht von heute auf morgen eine plötzliche Änderung ergeben, das geschieht in kleinen Schritten und selbstverständlich wirst Du mit Rückschritten rechnen müssen, doch mit viel Liebe und Beharrlichkeit, kannst Du einen Weg finden, dass ihr wieder zu einer harmonischen Stillbeziehung finden werdet. Falls Du feststellst, dass das punktuelle Abstillen (also eine Art eingeschränktes Stillen) für dich immer noch nicht der Weg ist, den Du gehen willst, dann solltest Du dich in einem ruhigen Moment mit dir selbst auseinander setzen, was Du willst und dann entsprechend dieser Entscheidung und ohne Zweifel handeln. Wichtig ist dabei, dass Du dir deiner Entscheidung ganz sicher bist, denn jedweden Zweifel wird dein Kind sofort spüren und entsprechend handeln. Ich möchte Dir nun noch ein paar nicht so drastische Methoden ein Kind abzustillen beschreiben. Vielleicht findest Du etwas, was Dir zusagt. Eine Methode, die sich beim allmählichen Abstillen bewährt hat heißt "biete nicht an, lehne nicht ab". Das bedeutet, dass Du Deinem Kind die Brust nicht von Dir aus anbietest, aber auch nicht ablehnst, wenn es danach verlangt. Viele Kinder wurden auf diese Weise abgestillt. Eine weitere Möglichkeit heißt Ablenkung. Durch Ablenkung abzustillen bedeutet, Deine Gewohnheiten von Tag zu Tag erheblich zu verändern. Du musst die vertrauten Stillsituationen vermeiden und neue Betätigungsfelder schaffen. Für das eine Kind kann das bedeuten, dass Ihr viel häufiger Ausflüge zu Orten unternehmt, die Deinem Kind gefallen und wo es viele Menschen und viel Trubel gibt. Für ein anderes Kind bedeutet dies vielleicht, das Leben erheblich ruhiger zu gestalten, um Situationen, die es als bedrohlich empfindet, zu verringern. Es kann auch ablenkend wirken, wenn Du Dein übliches Verhalten in bestimmten Situationen veränderst. Wenn Du zum Beispiel sitzen bleibst anstatt Dich hinzulegen, wenn Du Dein Kind zum einschlafen bringst. Andere Möglichkeiten sind Vorlesen, Singen oder vielleicht ein neues Spielzeug. Manchmal bringt es Dich auch weiter, wenn du das Stillen immer dann, wenn Dein Kind diesen Aufschub verkraften kann, für eine Weile verschiebst. Das kannst Du flexibler handhaben als den Vorsatz eine bestimmte Stillmahlzeit ausfallen zu lassen. Du kannst auch versuchen die Stillzeiten zu verkürzen. Viele Mütter haben festgestellt, dass es wirksam und relativ wenig belastend ist, ein Kind so oft anzulegen, wie es möchte, aber es nicht so lange zu stillen. Du kannst Dein Kind eine kleine Weile anlegen und es dann ablenken oder ihm etwas zu essen anbieten. Außerdem möchte ich dir das Buch "Wir stillen noch über das Leben mit gestillten Kleinkindern" von Norma J. Bumgarner empfehlen. Dort findest Du viele Tipps für das Stillen von älteren Babys und Kleinkindern. Das Buch ist im Buchhandel, bei der La Leche Liga und bei jeder LLL Stillberaterin erhältlich. LLLiebe Grüße Biggi
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