Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

Wie kann ich behutsam abstillen ohne Wutgeschrei?

Frage: Wie kann ich behutsam abstillen ohne Wutgeschrei?

Mitglied inaktiv

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Hallo liebe Experten, ich stille meine Tochter (12 Montae) nun genau ein Jahr. Ich hatte einen schweren Stillstart mit vielen Schmerzen, Brustabzess und Operation. Trotzdem habe ich diese Zeit überwunden und danach eine schöne und intensive Stillzeit erlebt. Allerdings habe ich sehr viel abgenommen und die Nächte sind bis heute sehr unruhig. Ich möchte wieder zu körperlichen Kräften kommen und daher langsam Abstillen. Es schien auch alles sehr gut. Ich konnte meine Kleine mit ca. 9 Monaten am Abend ohne Stillen ins Bett legen und sie schlief neben mir ein. Ich stillte nur noch Nachts zum Wiedereinschlafen. Dann kam ein Infekt und Besuch bei der Oma, von da an klappte das Abendritual nicht mehr ohne Brust. Nachts versuche ich immer wieder mit Schnuller zu beruhigen, klappt oft, aber auch sehr oft nicht. Es kann schon sein, dass sie sich bis zu 10 mal meldet und wenn sie die Brust will, schmeißt sie den Schnuller im hohen Bogen fort. Kriegt sie die Brust nicht sofort, wird sie sehr wütend, windet sich und weint. Ich gebe dann meistens schnell auf, weil ich das kaum ertrage. Das Kind bekommt wirklich sehr viel Nähe, schläft bei uns im Bett, aber in der Wut hilft nur die Brust. Manchmal habe ich fast wieder wunde Warzen vom Dauergenuckel nachts. Wenn sie viel nuckelt, regt sie die Milch manchmal so sehr an, dass ich Milchstau bekomme, den sie dann nicht unbedingt wegtrinkt, weil sie wegpennt. Dadurch habe ich letztlich in der Nacht ein Brustentzündung bekommen. Einerseits versuche ich abzustillen, anderseits muss ich manchmal auch am Abend die Brust geben, wegen dem Stau. Jetzt wollte sie sogar wieder tagsüber an die Brust.Eine Rückentwicklung. Ein Teufelskreis. Momentan überlege ich es einfach laufen zu lassen, vielleicht mache ich mir zu viel Stress? Aber ist es dann später noch schwieriger? Wie lange stille ich dann noch? Tu ich meinem Kind ein Trauma an, wenn ich das Wutgeschrei mal aushalte? Ich hätte noch mehr Fragen, aber belasse es erstmal dabei und bedanke mich schon mal. Danke, LG, Lisemone.


Biggi Welter

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Liebe Lisemone, ich kann dich so gut verstehen, aber ich habe keine Lösung. Es stimmt, dass dein Kind nicht besser schlafen wird, wenn Du weniger oft stillst, denn es wacht nicht nur aus Hunger auf. Stillen ist viel, viel mehr als nur Nahrung für den Körper und deshalb bedeutet Stillen nicht nur, dass das Kind Mahlzeiten an der Brust zu sich nimmt. Es hat seinen Grund, warum stillende Mütter die besten Einschlafhilfen SIND. Beim Saugen an der Brust findet ein Baby das, was es braucht: Trost, Nahrung, Sicherheit. Es liegt vermutlich an einer gewissen neurologischen Unreife, wenn einige Babys das mehr brauchen als andere, und es "verwächst" sich wirklich von alleine!! Deine Tochter braucht also vor allem eines: Zeit zum Reifen. Vielleicht "schenkst" Du ihr einfach noch ein bisschen von dieser Zeit, in der du ihr gestattest, so zu sein, wie sie ist auch wenn das bedeutet, dass sie nicht so schläft, wie du es dir wünschen würdest. Die unruhigen Nächte sind furchtbar anstrengend, daran kann ich mich auch noch gut erinnern. Trotzdem: Sie sind normal und werden garantiert irgendwann vorbei sein. Wann, kann ich leider nicht sagen. Aber sie gehen wirklich vorbei! Bis dahin kannst du probieren, dir den Alltag so einfach wie möglich zu machen, so dass auch du tagsüber mal ein kurzes Nickerchen machen kannst. Um das häufige Aufwachen zu verringern, kann dir vielleicht dieser "Trick" helfen: Wenn deine Kleine an der Brust eingeschlafen ist, ziehst du deine Brustwarze sanft aus ihrem Mund und drückst, wenn sie wieder nach der BW sucht, ebenso sanft ihr Kinn nach oben. Bei vielen Kids wirkt das Wunder und sie schlafen plötzlich auch ohne Brust weiter/wieder ein. Und das gute daran: Es funktioniert auch, wenn die Kleinen im Schlaf wieder ans Nuckeln denken, wenn also der Mund ganz von allein wieder die Nuckelbewegungen macht und das Kind kurz darauf nach der Brust suchen würde. Einfach das Kinn sanft von unten stützen die meisten Kinder schlafen dann weiter, ohne zu stillen. Überlege dir auch einmal zu einem Stillgruppentreffen zu gehen und tausch dich dort mit den anderen Müttern aus. Vielleicht hast Du sogar das Glück so wie ich vor Jahren dass Du dort Mütter oder eine Stillberaterin kennen lernst, die bereits ältere Kinder haben und Du kannst miterleben, dass es sich lohnt noch etwas durchzuhalten. Eine Stillberaterin in deiner Nähe findest Du im Internet unter http://wwwlalecheliga.de (La Leche Liga), http://www.afs stillen.de (Arbeitsgemeinschaft freier Stillgruppen) oder http://www.bdl stillen.de (Still und Laktationsberaterinnen IBCLC). Die Hausarbeit lässt sich optimieren, und wenn du am Rande der Erschöpfung stehst wäre es auch eine Möglichkeit, dass dir euer Hausarzt eine Haushaltshilfe zu verschreiben, die dir dann einige Tage (die Stunden lassen sich schön auf einen längeren Zeitraum verteilen!) im Haushalt hilft. Ich hoffe, der Text war dir jetzt nicht zu lange und wenn Du noch Lust zum Lesen hast, dann schau dir auch den angehängten Text von Dr. Paky an. Ich hoffe, die Antwort hilft dir weiter. LLLiebe Grüße Biggi Die Kunst, sein Kind schlafen zu lassen Prim. Dr. Franz Paky, Leiter der Schreiambulanz (Ambulanz für Schreien und Schlafstörungen) der Kinderabteilung des LKH Mödling Schlafen, Alleinsein, Finsternis Für ein Kind gibt es nichts Schlimmeres, als den Schutz und die elterliche Geborgenheit zu verlieren. Mit der Finsternis der Nacht reißt die Gewißheit ab, dass der elterliche Schutz gegeben ist. Nichts ist leichter verständlich, als dass sowohl das Einschlafen als auch das nächtliche Aufwachen für ein Kind mit Angst verbunden ist. Es ist ebensowenig verwunderlich, dass viele Methoden entwickelt wurden, den Übergang vom Wachzustand in den Schlaf für das Kind zu erleichtern. All diesen Riten ist gemeinsam, dass sie die elterliche Gegenwart in den Schlaf hinein zu erhalten suchen (Wiegenlied, Gute Nacht Geschichte, Gute Nacht Kuß, Kuscheltier als Übergangsobjekt usw.). Schlafen Loslassen Nicht nur für das Kind ist mit dem Einschlafen eine Trennung von den Eltern verbunden. In ähnlicher Weise erleben die Eltern das Einschlafen des Kindes als Trennung. Insgeheim stellt sich die Frage: Wird das Kind ohne unsere Hilfe einschlafen? Wird sich das Kind ohne weiteres (?) von mir trennen? Wird es auch wieder von selbst wach? Zwei Arten von guten Schläfern die echten und die resignativen Nicht alle Kinder, die unkompliziert einschlafen und durchschlafen, sind zu beneiden. Wenn Babys spüren, dass ihr Schreien in der Nacht die Eltern unter keinen Umständen auf den Plan rufen kann, geben sie auf und schlafen den Schlaf der Resignation. Auf diesem Mechanismus beruht der scheinbare Erfolg der älteren Generation, ein Kind beim Einschlafen unbegrenzt schreien zu lassen. Die Entwicklung des Babys und das Schlafproblem Um das sechste Lebensmonat erweitern Babys ihren sozialen Horizont beträchtlich. Sie lernen zwischen ihren vertrauten Eltern und fremden Menschen zu unterscheiden ("Fremdeln"). Die Angst, die damit einhergeht ("Achtmonatsangst"), führt nicht selten zu einer Störung des Schlafes. Kinder, die in den ersten Lebensmonaten zur Freude ihrer Eltern bereits durchgeschlafen haben, beginnen dann nachts mehrmals wach zu werden. Oft brauchen sie nicht mehr als die Versicherung, dass alles in Ordnung ist. Ein kurzes Nuckeln an der Brust oder allein der Zuspruch einer vertrauten Stimme genügen, dass das Kind weiterschläft. Häufig führt aber die Schlafstörung zur Sorge der Mutter, dass das schon größer gewordene Kind mit ihrer Milch nicht mehr genug hat. Dann erhält das Kind an Stelle des Trostes, den es braucht, mehrere Mahlzeiten, die eigentlich überflüssig sind. Welcher Erwachsene, der gut schlafen will, würde sich absichtlich zu diesem Zweck den Bauch voll schlagen? Das Schlafparadoxon Wenn wir den Schlaf dringend herbeisehnen, stellt er sich am zögerndsten ein. Eine ganz ähnliche Erfahrung machen wir mit unseren Kindern. Wenn wir am wenigsten darauf angewiesen sind, schläft unser Kind am leichtesten ein. Brauchen wir dagegen unseren eigenen Schlaf dringend, weil wir am nächsten Tag früh aufstehen müssen oder einen schwierigen Termin haben, dann spielt das Kind nicht mit. Es will und will nicht einschlafen. Und noch weniger gönnt es uns einen ununterbrochenen Schlaf. Man gewinnt fast den Eindruck, als würden wir das Kind mit unserer Aura des Schlafzwanges am Schlaf hindern. Wenn sich ein Vater, der sein Kind mit allergrößten Mühen zum Einschlafen gebracht hat, auf leisesten Sohlen vom Bett fortschleicht, weckt er das Kind mit seiner Angst, dass es wieder wach werden könnte, tatsächlich auf. Dieses Phänomen zwingt uns dazu, über den eigenen Schatten zu springen. Wir müssen uns nach dem Rhythmus des Kindes richten und aufhören, ihm unsere Bedürfnisse aufzuzwingen. Individueller Schlafbedarf Jedes Kind braucht wie übrigens erwachsene Menschen auch eine individuelle Zahl von Schlafstunden. Die Spannbreite liegt bei Kindern im zweiten Lebenshalbjahr bei 9 bis 14 Stunden (Largo Kinderjahre 1999, S. 27). Behinderung der Selbstregulation Groß ist die Gefahr, dass sich Eltern in guter Absicht in Vorgänge einmischen, über deren Ablauf das Kind selbst bestimmen soll. Als Beispiele seien das Essen und das Trinken, die Kleidung und die Kontrolle von Stuhl und Harnausscheidung genannt. Die Selbstregulation über diese Vorgänge wird vom Kind im Lauf seiner normalen Entwicklung übernommen. Greifen die Eltern allerdings in diese Entwicklung ein, wird die Selbständigkeit nicht erreicht. Den Eltern bleibt damit die Bürde der Kontrolle erhalten, und das Kind bleibt in Abhängigkeit. In typischer Weise tritt dieser Mechanismus beim Schlaf auf. In der Meinung, dass die Eltern die volle Verantwortung für die Tiefe und die Dauer des Schlafes ihres Kindes tragen, wird dem Kind seine Selbständigkeit verwehrt und die Eltern zerbrechen an der Bürde der Kontrolle, die sie selbst nicht abgeben können. Die Kunst, sein Kind schlafen zu lassen Auf übermüdete und erschöpfte Eltern wirkt es vermutlich zynisch, wenn ich davon spreche, dass es bei der Kunst, sein Kind schlafen zu lassen, um die eigene Gelassenheit und das Loslassen des Kindes geht. Nach allem, was man schon versucht hat, sollte es gerade mit dem Loslassen funktionieren, wo man doch weiß, dass nichts schwerer ist im Leben als das Loslassen. Vertrauen in die Selbstregulation des Kindes ist der Schlüssel zum Loslassen und damit auch zum Schlafenlassen des Kindes. Wenn man dieses Vertrauen erwirbt, wird man sich vom Kind für die Zeit des Schlafes trennen können, ohne den Kontakt ganz zu verlieren. Das Kind wird auch in einer unruhigen Umgebung und ohne großes Geschrei einschlafen können. Vor allem wird es möglich sein, das Kind im Elternbett schlafen zu lassen und auf diese Weise das Stillen nach dem natürlichen Bedarf von Mutter und Kind beizubehalten. Jedes Kind kann schlafen lernen Weil es schwierig ist, diese Zusammenhänge bewußt zu machen, erfreuen sich Bücher, die sich auf ein Training bzw. auf eine Dressur des kindlichen Verhaltens beschränken, großer Beliebtheit. Am populärsten sind zur Zeit wohl Methoden der dosierten Frustration. Anstatt bei sich selber anzufangen, läßt man das Kind etwas länger schreien, so lange, bis es davon überzeugt ist, dass man als Nachtwächter oder Tröster nicht in Frage kommt. Der Erfolg stellt sich scheinbar ein, indem das Kind den Schlaf der Resignation schläft. Die Chance, dass sowohl die Eltern als auch das Kind aus dem Problem des gestörten Schlafes etwas lernen und auch für sich gewinnen, wird damit aber vertan. Wir sollten die Chance wahrnehmen, die darin liegt, die Kunst zu erwerben, sein Kind schlafen zu lassen.


Sonja-Lady

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Ich kann Dich auch total verstehen.Wenn mein Kleiner,jetzt 9 Monate,ein Jahr wird,möchte ich auch so langsam abstillen.Habe auch die Theorie,umso älter sie sind,umso schwieriger wird es mit dem Abstillen.Du mußt fest entschlossen sein für Dich,das Du abstillen willst,mußt es Deiner Kleinen so sagen,das Du nicht mehr willst und kannst,das Du sie trotzdem ganz doll lieb hast und ganz viel kuscheln am Abend,gaaaanz viel Streicheleinheiten,Buch angucken zusammen,schmusen,etc.Hat sie eine Schmusepüppi? Wenn Du Dich jetzt kaputt machst,damit ist euch beiden nicht geholfen. Denk also auch an Dich! Streich Deine Brust aus,aber versuche nicht immer wieder anzulegen,sei liebevoll konsequent;-) Kannst ja auch mal am Experten Dr.Posth (Psycholge) hier bei rund ums baby schreiben oder in die Suchmaske ''nächtliche Brustentwöhnung'' geben,da stehen viele Tips.Alles Gute,wird schon wieder!


Mitglied inaktiv

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Danke für die Antworten! Habe mich entschlossen die Situation wieder zu entspannen und einfach noch ein bisschen zu warten mit dem Abstillen. So bekommt das Kind was es braucht und die Nächte sind ruhiger. Aber das löst nicht meine Brustprobleme. Lag letzte Nacht mit starken Schmerzen in der Brust da und musste ein Ibuprofen nehmen. Das Problem ist, dass die Maus manche Nächte ganz viel die Milch anregt, ich dann an anderen Abenden manchmal sehr volle Brüste habe oder gestaute Bereiche und in anderen Nächten meldet sie sich nur zweimal (was ja eigentlich traumhaft ist, nur nicht bei Milchstau) und ich liege wach und geplagt neben dem schlafendem Kind. Ausstreichen klappt nicht und ich habe auch Angst zu viel an der Brust zu manipulieren, da ich (glaube ich) damals den Stillabzess damit gefördert habe. Mir kam heute Nacht die Idee wieder eine reglmäßige Stilleinheit nachmittags einzuführen, damit die Brust erstmal leer ist und wenn das Kind zukünftig nachts weniger kommt und irgendwann gar nicht mehr, habe ich noch die Stilleinheit am Nachmittag, um die Brust zu leeren. Macht das Sinn? Diese letzt nachmittägliche Stilleinheit könnte ich auch leichter langsam abschaffen, glaub ich. LG, Lisemone


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