Herbst2021
Hallo, mein Sohn ist etwas über 2 Jahre und wurde bisher voll gestillt. Das nächtliche Dauernuckeln hat mir jegliche Energie geraubt, so dass ich nach einem Kurs zum bedürfnisorientierten Abstillen, das Stillen auf das Einschlafstillen Abends und am Wochenende zum Mittagsschlaf reduziert habe. Die ersten Tage hat das auch prima geklappt, habe ihm auch immer alles erklärt. Jetzt ist es jedoch so, dass er teilweise abends nach zwei/drei Stunden schreiend im Bett liegt und wenn ich ihn beruhigen möchte, um sich schlägt und das auch nach dem Mittagsschlaf so ist. Zum Twil kann ich ihn nicht beruhigen und dachte z.T. er hatte vielleicht Schmerzen. Verarbeitet er da einfach alles? Soll man da bestimmt und "hart" in der Sache bleiben? Ich werde da meist schwach und stille wieder, wobei ihn das dann auch nur kurz beruhigt. Ich bin echt sehr verunsichert. Herzlichen Dank schonmal! Grüsse
Liebe Herbst2021, solange DU nicht ABSOLUT sicher bist, dass du weniger oder gar nicht mehr stillen möchtest, wird dein Kind dies spüren. Ist die Mutter innerlich nicht davon überzeugt, dass sie ihr Kind ab- oder weniger stillen will, dann ist dieser Zweifel für das Kind sehr deutlich fühlbar und es reagiert in fast allen Fällen so, dass es eher noch häufiger gestillt werden mag. Zweifel und Unsicherheit sind für ein Kind unerträglich, Kinder brauchen Klarheit. Nach mehr als zwei Jahren Stillen ist es für deinen Sohn eine große Veränderung, wenn die Brust plötzlich nicht mehr nachts zum Beruhigen und Weiterschlafen zur Verfügung steht. Dass er nach zwei oder drei Stunden plötzlich schreiend im Bett liegt, sich nicht beruhigen lässt und vielleicht sogar um sich schlägt, kann durchaus damit zusammenhängen, dass er mit der neuen Situation und seinen Gefühlen noch nicht gut zurechtkommt. In diesem Alter können Kinder ihre Gefühle noch nicht so regulieren wie wir Erwachsenen. Das kann dann sehr heftig aussehen. Je klarer und sicherer DU nun bist, umso leichter machst du es deinem Kind. Denn unsere Kinder spüren jeden Zweifel in uns und dann fällt es ihnen schwerer, uns zu folgen (im wahrsten Sinne des Wortes). Nimm dir einmal eine ruhige Stunde für dich, in der du wirklich unbeeinflusst von außen nachdenken kannst und mach dir dabei sogar ruhig eine Liste aller Gründe, die für ein Wenigerstillen jetzt sprechen und auch welche dagegen sprechen. Überlege dann, welche der Gründe tatsächlich für DICH Bestand haben. Überdenke deine Beziehung zu deinem Kind. Es ist nicht schlimm, wenn du jetzt deinem Kind noch eine Frist gewährst, wenn es für dich okay ist. Wenn du dir deiner Entscheidung sicher bist, wird es euch beiden besser gehen. Fällt die Entscheidung von deiner Seite für das Wenigerstillen, dann wird dein Kind fühlen „Jetzt hat Mama keinen Zweifel mehr" und wird sich auch weniger stillen lassen, sicher nicht ganz ohne Wehmut, aber ohne riesige Verzweiflung. Vielleicht ist es aber auch so, dass du gar nicht sooo sehr genervt bist und merkst, dass es so noch okay ist für dich. Dein Kind wird diese Phase hinter sich lassen, auch ohne Druck. Und das Abstillen wird auch nicht leichter oder schwieriger. Dein Sohn spürt jetzt deinen Zwiespalt und da er sich nicht hinsetzen und sagen kann „Mama, ich spüre, dass du dir nicht sicher bist, was jetzt das Richtige ist, deshalb werde ich dir jetzt bei deiner Entscheidungsfindung helfen" reagiert er auf deine Zweifel mit Unruhe, Weinen und Verunsicherung. Es hat keine anderen Ausdrucksmöglichkeiten als Weinen und (vermehrte) Anhänglichkeit. Babys sind für „geordnete Verhältnisse", Unsicherheit und Zweifel bringen sie aus dem Gleichgewicht. Wichtig ist nun, dass ihr zum einen wirklich miteinander redet und du deinem Kind klar erklärst und sagst, was du willst und was du nicht mehr willst. Zum anderen muss für dein Kind deutlich erkennbar sein, wo deine Grenzen gesetzt sind. Liebevolle Konsequenz ist das Zaubermittel in der Erziehung. Dein Baby wird vermutlich schreien, toben, treten oder dich schlagen wollen. Ist das schlimm? Nein, es ist völlig normal, denn es ist die einzige Art, wie es in diesem Alter seinen Frust ausdrücken kann. Wie kannst du damit umgehen? Lass es zu. Lass dich nicht verunsichern, denn es geht deinem Kind ja trotzdem gut, es bekommt kein Trauma fürs Leben, wird nicht an deiner Liebe zweifeln. Dein Kleiner ist sauer, und das wird auch wieder vergehen. Bleibe bei ihm und sei du ruhig und klar, so dass er sich an dir orientieren kann. Vielleicht wirst du ihn ein wenig ablenken wollen (falls er sich ablenken lässt), vielleicht bleibst du auch einfach nur in seiner Nähe und versicherst ihm, dass alles ok ist, und dass ihr weiter stillen könnt (oder kuscheln), sobald er sich etwas beruhigt hat. Wenn du konsequent bleibst, wird es klappen. Nur davon hängt es ab: Schaffst DU es... Ich würde mich freuen, wenn du mir in ein paar Tagen noch einmal schreibst, wie es Euch dann geht. Liebe Grüße Biggi
Herbst2021
Guten Morgen liebe Biggi, erstmal herzlichen Dank für die wundervolle Nachricht. Es hat mir wirklich sehr geholfen und mich unterstützt dranzubleiben. Dieses aufwachen und Brüllen hatten wir noch zwei Nächte und ich konnte es aber gut begleiten und wir haben es geschafft ohne Stillen einzuschlafen. Er brauchte wohl in der Tat einfach ein wenig Zeit und Trost. Es hat wirklich sehr geholfen zu wissen, dass er keine Schmerzen hat und das wahrscheinlich einfach nur Wut und ahilflosigkeit war. Glaube und Hoffe, wir sind auf einem ganz guten Weg. Wir stillen nur noch abends zum Einschlafen. Wenn wir es jetzt noch schaffen, länger als 5:15 h zu schlafen, wäre das super... ☺️ denn um diese Zeit hat er immer nochmal ganz gerne getrunken 🙈 Herzlichen Dank nochmal und liebe Grüße
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