Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

Abstillen

Frage: Abstillen

ChristaK

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Hallo Biggi, vor ca. einem Jahr hatte ich bereits eine Frage zum Abstillen gestellt. Ich habe meine Tochter, nun drei Jahre alt, mit zwei Jahren recht abrupt leider abgestillt. Seitdem spielt sie gerne Baby, diese Phase hält immer noch an, insbesondere in Situationen wenn sie überwältigt oder müde ist. Wenn sie meine Brust sieht möchte sie auch immer gerne Baby sein und daran saugen. Ich bereue es sehr abgestillt zu haben und sie dadurch scheinbar so traumatisiert zu haben. Was würdest du empfehlen, wie wir ihr helfen können das zu verarbeiten? Oder ist es normal, dass mehr als ein Jahr nach dem Abstillen ein Kind am liebsten noch an die Brust möchte? Danke und viele Grüße 


Biggi Welter

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Liebe ChristaK, ich würde dir an erster Stelle zunächst gerne das Gefühl der Schuld nehmen: Dass deine Tochter heute, mit drei Jahren, noch so gerne „Baby spielt“ und in müden oder überwältigenden Situationen besonders stark zur Brust möchte, ist kein Beweis dafür, dass du sie durch das Abstillen traumatisiert hast.  Im Gegenteil: Kinder in diesem Alter spielen sehr häufig Situationen nach, die für sie emotional bedeutsam waren oder sind. „Baby sein“ kann dabei eine Möglichkeit sein, Nähe, Geborgenheit und Regression auszuleben, gerade dann, wenn die großen Gefühle noch nicht alleine bewältigt werden können. Dass sie dabei ausgerechnet die Brust mit dem Baby-Sein verbindet, ist nach einer zweijährigen Stillbeziehung sehr nachvollziehbar und überhaupt nicht schlimm. Ich würde deshalb nicht davon ausgehen, dass deine Tochter ein Trauma „aufarbeiten“ muss. Du kannst vielmehr das, was möglicherweise noch ein Bedürfnis nach dieser besonderen Form von Nähe ist, liebevoll aufnehmen, ohne die Vergangenheit reparieren zu müssen. Deine Kleine kann und darf Baby spielen, wenn das für dich okay ist.Dann darf sie auf deinen Arm, sich an dich kuscheln, vielleicht deinen Brustbereich halten oder deine Haut berühren, wenn das für dich angenehm ist. Du kannst sie wie ein Baby wiegen, ihr vorsingen, sie zudecken und ihr erzählen: „Du bist mein Baby. Und gleichzeitig bist du schon meine große Dreijährige.“Damit bekommt sie etwas ganz Wichtiges: Das Bedürfnis wird nicht abgewertet und du bist weiterhin verfügbar. Deine Tochter braucht jedoch keine „Reparatur“. Sie braucht eine Mama, die ihr heute liebevoll begegnet. Und genau das kannst du ihr geben. Wenn sie mit drei Jahren ansonsten altersgerecht entwickelt ist, Beziehungen eingeht, spielt, Freude hat und sich auch wieder aus solchen „Babyphasen“ herausbewegt, würde ich ihr Verhalten zunächst ganz entspannt als eine Form von Spiel und Bedürfnis nach Regression und Nähe betrachten. Eine professionelle Abklärung wäre eher dann sinnvoll, wenn sie insgesamt stark belastet wirkt oder ihr Verhalten sie in ihrem Alltag und ihrer Entwicklung deutlich einschränkt. Wie ist denn deine Tochter so im Alltag? Ich freue mich auf deine Antwort und wünsche eine gute Nacht Biggi


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