Mamski
Hallo Biggi, mein Baby ist 9 Monate alt und tagsüber bereits vollständig abgestillt. Es bekommt tagsüber Beikost und PRE nach Bedarf. Abends zum Einschlafen und nachts wird noch gestillt. Wir schlafen im Familienbett, und nachts dockt sich mein Baby teilweise selbst an. Ich möchte definitiv bis zum 1. Geburtstag vollständig abgestillt sein; PRE werde ich weiterhin nach Bedarf anbieten. Ich habe gestern versucht, das Einschlafstillen wegzulassen. Die gesamte Abendroutine war wie gewohnt, mein Baby hatte vorher sogar noch PRE getrunken. Sobald es aber richtig müde wurde, wollte es ausschließlich die Brust. Es wurde sehr unruhig und schrie schließlich stark, mit Durchstrecken. Ich habe ca. 20 Minuten alles Mögliche versucht (Tragen, Wiegen, Pezziball, Kuscheln, Flasche etc.), aber nichts half. Als ich schließlich stillte, beruhigte es sich sofort und schlief wie gewohnt ein. Mir ist dadurch klar geworden, dass die Brust bei uns offenbar nicht mehr hauptsächlich Nahrung ist, sondern die entscheidende Einschlafhilfe genau im Übergang zum Schlaf. Auch wenn ich vorher stille und danach noch lese/singe: Am Ende möchte mein Baby zum Einschlafen immer die Brust. Wie würdest du in dieser Situation konkret und möglichst bedürfnisorientiert vorgehen, damit ich innerhalb der nächsten drei Monate vollständig abstillen kann, ohne mein Baby schreien lassen zu müssen? Würdest du zuerst nachts Stillzeiten reduzieren oder direkt das Einschlafstillen angehen – und wie genau? Vielen Dank!
Liebe Mamski, in dieser Zeit verarbeiten Kinder vieles in der Nacht, und brauchen die Bestätigung, dass Mama ganz nah ist, und die beruhigende Milch, noch ziemlich. Es ist kein Rückschritt, wie es scheint, sondern zeigt, dass sich dein Kleines weiter entwickelt! Dass es nach 20 Minuten schließlich an der Brust sofort zur Ruhe kam, bedeutet nicht, dass es „nicht ohne Brust schlafen kann“ – sondern dass die Brust momentan sein zuverlässigstes Signal für den Übergang in den Schlaf ist. Das Einschlafstillen ist bei euch offenbar die stärkste Stillverknüpfung. Gleichzeitig ist es eine Situation, die du jeden Abend gezielt begleiten kannst. Wenn dein Ziel ist, innerhalb der nächsten drei Monate abzustillen, hast du dafür ausreichend Zeit. Ich würde deshalb möglichst schrittweise vorgehen. Dein Baby braucht also vor allem eines: Zeit zum Reifen. Vielleicht "schenkst" du ihm einfach noch ein bisschen von dieser Zeit, in der du ihm gestattest, so zu sein, wie es ist. Du machst nichts falsch! Und hast du es schon einmal mit dem Kinn-Trick" probiert? Der ist oft sehr hilfreich bei Babys, die die Brust fast ein wenig aus Gewohnheit im Mund haben wollen beim Schlafen. Dabei legst du, wenn du die Brust dem schlafenden Kind aus dem Mund gezogen hast, einen Finger längs unter die Unterlippe, so dass die Lippe beim "Suchen" einen gewissen Widerstand spürt. Dieser Widerstand wirkt beruhigend auf viele Kleinen, und sie schaffen es sich zu entspannen und eine tiefere Schlaf-Ebene zu erreichen... Das geht auch, wenn das Kind im Schlaf oder Halbschlaf wieder zu "suchen" beginnt: Man drückt ganz sanft sein Kinn nach oben. Bei vielen Babys wirkt das Wunder und sie schlafen plötzlich auch ohne Brust weiter/wieder ein. Wichtig ist jetzt aus meiner Sicht, nicht einfach die Brust plötzlich zu verweigern. Dein gestriger Versuch hat gezeigt, dass dein Baby dafür momentan noch keine andere gleichwertige Einschlafstrategie hat. Ich würde deshalb zunächst ein neues Einschlafritual aufbauen, während die Brust noch vorhanden ist. Wenn es jetzt noch die Brust zum Einschlafen braucht, würde ich sie zunächst noch anbieten. Nach einigen Tagen kannst du versuchen, das Stillen allmählich zu verkürzen. Zum Beispiel lässt du dein Baby stillen, bis es deutlich ruhiger geworden ist, und löst dann vorsichtig. Wenn es protestiert, kannst du wieder anlegen und es nach einer Weile erneut versuchen. Nicht mit dem Ziel, dass es unbedingt ohne Brust einschlafen muss, sondern um ganz langsam eine neue Möglichkeit des Einschlafens aufzubauen. Dabei würde ich mich an deinem Baby orientieren. Wenn es sich nur kurz beschwert, kannst du versuchen, es mit Kuscheln, Tragen, Singen oder Streicheln weiter zu begleiten. Wenn es aber richtig verzweifelt und stark schreit, würde ich nicht minutenlang gegen seinen Widerstand ankämpfen. Dann darf es die Brust bekommen. Bedürfnisorientiertes Abstillen bedeutet nicht, dass dein Kind niemals protestieren darf – aber es bedeutet, dass du seinen Protest ernst nimmst und es nicht allein damit lässt. Eine gute Möglichkeit heißt auch Ablenkung. Durch Ablenkung abzustillen bedeutet, deine Gewohnheiten von Tag zu Tag erheblich zu verändern. Du musst die vertrauten Stillsituationen vermeiden und neue Betätigungsfelder schaffen. Für das eine Kind kann das bedeuten, dass du viel häufiger Ausflüge zu Orten unternimmst, die deinem Kind gefallen und wo es viele Menschen und viel Trubel gibt. Für ein anderes Kind bedeutet dies vielleicht, das Leben erheblich ruhiger zu gestalten, um Situationen, die es als bedrohlich empfindet, zu verringern. Es kann auch ablenkend wirken, wenn du dein übliches Verhalten in bestimmten Situationen veränderst. Wenn du zum Beispiel sitzen bleibst, anstatt dich hinzulegen, wenn du dein Kind zum Einschlafen bringst. Andere Möglichkeiten sind Vorlesen, Singen oder vielleicht ein neues Spielzeug. Manchmal ist es sinnvoll, wenn der Vater das abendliche Zubettbringen übernimmt. Beim nächtlichen Abstillen kann es auch hilfreich sein, wenn statt dir dein Partner die Nachtschicht bzw. das Zubettbringen zum Teil übernimmt. Also nicht du wendest dich jedes Mal dem Kind zu, sondern ihr wechselt euch ab. Da ein Mann keine Brust zum Stillen hat, wird er euer Baby auf andere Weise beruhigen müssen. Das Verändern von Ritualen kann dabei helfen. Wenn dein Partner nicht einspringen kann, bleibt es an dir, dein Kind auf andere Weise zu trösten und zu beruhigen und ihm einen Ersatz für die Brust anzubieten. In dieser Situation ist ein Nachthemd bzw. Kleidung, die sich vorne nicht öffnen lässt, oft hilfreich. Wichtig ist, dass dein Kind spürt, dass du ihm zwar die Brust entziehst, nicht aber deine Liebe. Viele Frauen glauben, dass sie sich beim Abstillen vom Kind distanzieren müssen, aber genau das Gegenteil ist der Fall. Ich hoffe, die Tipps helfen dir etwas weiter. Liebe Grüße Biggi
Mamski
Liebe Biggi, vielen Dank für deine ausführliche Antwort! Ich habe das mit dem Kinn und dem früheren Abdocken in den letzten Tagen versucht und mein Baby schafft es jetzt bereits, ohne Brust im Mund einzuschlafen. Es dreht sich dann weg, streichelt die Matratze und schläft dann ein. Gestillt wird zwar noch bis kurz vorher, aber ich glaube mit deinen Tipps können wir das Stillen Schritt für Schritt vom Einschlafen entkoppeln. VIELEN DANK!!
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