Anousch
Hallo Frau Wrede, meine Tochter (8,5 Monate) will nachts fast durchgehend an die Brust. Wir waren schon so weit, dass ich sie nur noch gegen 5 und 9 Uhr morgens gestillt habe. Und das gerne! Sie isst jede Breimahlzeit vollständig auf, wiegt circa 10,5 Kilo. Tagsüber ist sie meistens gut gelaunt und kann sich sogar gut alleine beschäftigen. Seit einer Woche schreit sie abends/nachts wie am Spieß, sobald ich mich von ihr entferne. Wir sind also wieder bei ungefähr 10 Stillmahlzeiten. Sie lässt sich durch nichts anderes beruhigen. Schnuller, Tragen, Singen – es bringt alles nichts. So schreit sie auch nur, wenn sie vorher geschlafen hat. Als sei sie völlig weggetreten. Wie komme ich wieder zu den beiden morgendlichen Stilleinheiten zurück? Haben Sie einen Tipp oder muss ich da jetzt einfach durch? Ich stille eigentlich sehr gerne, aber doch nicht so. Vielen Dank und viele Grüße Anousch
Liebe Anousch, als Eltern glauben und hoffen wir immer auf eine lineare Weiterentwicklung der Fähigkeiten unserer Kinder. Beim Schlafverhalten können wir jedoch nicht davon ausgehen, dass die Entwicklung kontinuierlich verläuft, im Gegenteil, relativ viele Babys schlafen mit zwei Monaten deutlich länger und anhaltender als mit vier oder acht Monaten. Die Kinder beginnen um diesen Zeitraum die Welt sehr konkret zu erleben, sie müssen das am Tag Erlebte in der Nacht verarbeiten, sie lernen neue Fähigkeiten (umdrehen, robben, krabbeln, gezieltes Greifen ...), sie beginnen den Unterschied zwischen fremd und bekannt zu erkennen. All dies ist ungeheuer aufregend und auch anstrengend. Dazu kommt, dass sich die Zähne verstärkt bemerkbar machen, dass vielleicht die erste Erkältung kommt und, und, und ... Der scheinbare Rückschritt im Schlafverhalten ist eigentlich ein Fortschritt, denn er zeigt, dass die Entwicklung des Kindes voranschreitet. Ein Baby muss eine gewisse Reife erreichen, um längere Zeit schlafen zu können. Abgesehen von den umstrittenen Schlaftrainingsprogrammen, die von Stillexperten nahezu einhellig abgelehnt werden, bleibt dir in dieser Zeit nicht viel, als geduldig zu bleiben und sich die Tage und Nächte so einfach wie möglich zu gestalten. Wenn Du gerne liest und ein Buch lesen möchtest, das sich mit dem Thema Schlaf auseinandersetzt und dessen Autor beim Thema Schlaf auch Achtung vor dem Baby zeigt und dessen Bedürfnisse ernst nimmt, kann ich dir wärmstens „Schlafen und Wachen ein Elternbuch für Kindernächte" von Dr. William Sears empfehlen, das Du im Buchhandel, bei der La Leche Liga und jeder LLL Stillberaterin bekommen kannst. Sehr empfehlenswert ist auch von Sibylle Lüpold das Buch: "Ich will bei euch schlafen - Ruhige Nächte für Eltern und Kinder." Von ihr ist auch die Broschüre "Kinder brauchen uns auch nachts", in der 20 namhafte Experten wie Dr. William Sears, Prof. Dr. Gerald Hüther und Prof. Dr. Remo Largo gute Argumente liefern , weshalb von der Anwendung eines Schlaftrainings, wie zum Beispiel der Ferber-Methode, abzuraten ist. http://www.fuerkinder.org/files/broschre_kinder_brauchen_uns_auch_nachts_de.pdf LLLiebe Grüße Biggi
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