Marli16
Hallo, Ich würde gern meine 11 Monate alten Sohn abstillen. Wir waren bei der U6 und unsere Kinderärztin ist der Meinung es wäre an der Zeit und ich könnte es nun ruhig einfach sein lassen und er wäre groß genug. Ich jin nicht zu 100% ihrer Meinung, schlage mich jedoch schon lange mit dem Gedanken rum und möchte es jetzt gern angehen. "Einfach sein lassen" möchte ich es nicht, möchte aber auch keinen festgefahrenen Plan verfolgen sondern es mit reduzieren probieren und ablenken. Das klappt schon seit 2-3 Wochen, allerdings eher unbewusst. Mir fällt abends einfach manchmal auf, dass ich am Tag kaum gestillt habe. Nachts stille ich jedoch weiter sobald er halb wach ist. Wie auch immer, ich habe nun viel gelesen und stoße immer wieder auf den Tipp sich Hilfe vom Papa zu holen, insbesondere für das Zubettgehen. Nun ist mein Mann leider im Ausland und kann mir daher nicht helfen. Was kann ich noch machen, damit es meinem Baby leichter fällt abends einzuschlafen und nicht vom Milchgeruch "verführt" zu werden. Wir haben ein super Ritual was meist gut klappt, woran ich ungern was ändern möchte. Essen, baden, massieren, spielen, singen, stillen, schlafen. Natürlich nicht immer total reibungslos, aber immer gleichbleibend. Was kann ich also tun um es ihm einfacher zu machen auf "seine" Milch verzichten zu müssen. Vollmilch trinkt er kaum, Flasche mag er nicht, Tee gibts aus der Tasse aber nicht in den "Einschlafmengen". Er ist ein Daumennuckler und lässt sich (bisher) leider keinen Nuckel unterschieben. Macht es Sinn, das langsame abstillen oder ist die abrupte Variante mit viel kuscheln evtl doch effektiver? Die Meinungen gehen so auseinander, das kann sehr verwirrend sein. Die Kinderärztin verfolgt eher den Gedanken, dass es Zeit ist das ein Kind Regeln lernt und das sanftes abstillen dem Kind nur suggeriert "so lange ich schreie bekomme ich was ich will". Das möchte ich natürlich auch nicht. Also wäre es sinnvoller das abstillen konsequent durchzuziehen, aber aber aber...puuh. Ein verwirrendes Thema. Ich bedanke mich schon jetzt für die Zeit meine Fragen zu lesen und zu beantworten.
Liebe Marli16, Du Machst NICHTS falsch, sondern Du zeigst deinem Kind, dass es sicher bei dir ist – immer und immer wieder! Lass dich nicht verunsichern, die MEISTEN Kinder wachen in diesem Alter oft auf! Es ist eine Sache der Einstellung, ob ich mein Kind als „Feind", der mich „drangsalieren" will ansehe und so schnell wie möglich diesem Kind klar machen will, dass ich am längeren Hebel sitze und in der Lage bin, es zu etwas zu zwingen, was dann für mich vielleicht von Vorteil ist, aber die Bedürfnisse und Persönlichkeit des Kindes in keinster Weise berücksichtigt oder ob ich das Kind und mich, ja die ganze Familie, als gleichberechtigtes „Team" sehe, in dem auf das schwächste Glied Rücksicht genommen wird und dem Kind und seinen Bedürfnissen Achtung entgegengebracht wird. Die meisten Mütter haben durchaus noch ein Gefühl dafür, was ihre Kinder brauchen und schaffen es, trotz aller Ratschläge von außen, doch ihrem Gefühl zu folgen. Einige Frauen haben zwar noch das Gefühl, dass ihr Kind Bedürfnisse hat, die gestillt (ist es nicht interessant, dass hier von „stillen" gesprochen wird) werden müssen, sind aber so verunsichert, dass sie gegen ihre innere Stimme handeln. Schenke deinem Kind Zeit und Verständnis, Du verwöhnst es doch nicht und kein Kind weint aus Berechnung in diesem Alter! Wenn DU abstillen möchtest, dann sprich mit deinem Kind darüber, dass eure Stillzeit nun langsam zu Ende geht und zeige ihm, dass Du es selbstverständlich noch genau so lieb hast wie schon immer. Du entziehst ihm die Brust aber nicht dich selbst und deine Liebe. Dazu kannst Du die Stillzeiten immer weiter verkürzen. Viele Mütter haben festgestellt, dass es wirksam und relativ wenig belastend ist, ein Kind so oft anzulegen, wie es möchte, aber es nicht so lange zu stillen. Du kannst dein Kind eine kleine Weile anlegen und es dann ablenken oder ihm etwas zu essen oder zu trinken anbieten. Ihr könnt ein festes Ritual mit Kuscheln und Vorlesen oder Geschichte erzählen einführen. Viele Eltern beginnen auch bereits bei einem wenige Monate alten Baby damit, den Tag am Abend noch einmal Revue passieren zu lassen und so ein Gespräch (das sich im Laufe der Zeit dann entwickeln wird) über die Erlebnisse, Freuden, aber auch Sorgen und Nöte des Kindes zu führen. Durch solch ein Gespräch bleiben Eltern dann auch in engem Kontakt mit ihrem Kind und der leider viel beobachtet Sprachlosigkeit zwischen Eltern und Kind kann entgegengewirkt werden. Wenn dein Partner nicht einspringen kann, bleibt es an dir, Euer Kind auf andere Weise zu trösten und zu beruhigen und ihm einen Ersatz für die Brust anzubieten. In dieser Situation ist ein Nachthemd bzw. Kleidung, die sich vorne nicht öffnen lässt oft hilfreich. Wichtig ist, dass dein Kind weiterhin deine Liebe und Zuneigung spürt und Du nicht gleich die Geduld verlierst, wenn es nicht so schnell klappt mit dem Abstillen. Viele Frauen glauben, dass sie sich beim Abstillen vom Kind distanzieren müssen, aber genau das Gegenteil ist der Fall. Deshalb halte ich auch nicht viel von der Lösung, dass die Mutter einige Tage alleine verreist. Diese plötzliche Trennung kann das Kind in tiefe Trauer und Verzweiflung stürzen und vor allem: Was macht die Mutter, wenn das Kind nach der Rückkehr doch wieder an die Brust will? Probiere es einmal mit immer kürzerem Stillen und viel Kuscheln. LLLiebe Grüße Biggi Welter
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