Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

Tandemstillen Probleme

Biggi Welter

 Biggi Welter
Stillberaterin der La Leche Liga Deutschland e.V.

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Frage: Tandemstillen Probleme

Charlotte10306

Liebe Biggi, vor 7 Wochen wurde unser zweites Kind geboren. Unser erster Sohn ist da 2 Jahre und drei Monate alt gewesen. Wir hatten uns vorgenommen, Tandem zu stillen. Ich war der festen Überzeugung, dass dies die Bindung zwischen meinen Kindern positiv begleitet und ich wollte auch noch nicht abstillen. In der Schwangerschaft schon hat mein Sohn trotz ausbleibender Milch spätestens alle zwei - in der Regel alle 1 1/2 Stunden - gestillt. Auch davor war es so häufig. Ich hatte geglaubt, dass ich dieses Pensum auch mit zwei Stillkindern schaffe und dass sich alles ineinander einfügen wird. Das tut es aber leider überhaupt nicht. Mein Sohn hat nach der Geburt wie gewohnt viel gestillt und durch den erneuten Milcheinschuss sogar noch etwas häufiger, ca. jede Stunde. Er hat in den ersten vier Wochen dann auch gar nichts festes mehr zu sich genommen, sondern sich ausschließlich von Muttermilch ernährt. Das Baby kam anfangs ca. alle drei Stunden. Dazwischen war es eigentlich ausschließlich beim Papa, weil ich mich um den „Großen“ gekümmert habe in Form von Stillen. Er ist ganz liebevoll zu dem Baby und lehnt es nicht ab. Aber durch das extrem häufige Stillen war das Baby eigentlich gar nicht bei mir. Das hat sich so falsch angefühlt! Und nach etwa drei Wochen fing das Baby auch an, dies nicht mehr zu akzeptieren und schläft seitdem nachts auch auf mir und ist „nur“ tagsüber sehr viel beim Papa in der Trage und kommt nur zum Stillen zu mir. Die Folge war aber insgesamt an der Situation, dass ich wirklich nachts GAR NICHT geschlafen habe und durchstillte. Zudem tun meine Brüste weh, wenn ich beide gleichzeitig stille. Es gibt keine Position, in der es angenehm wäre. Deshalb musste mein Grosser nachts häufig warten, bis das Baby gestillt war, weil es sich durch sein häufiges Stillen eigentlich IMMER überschnitten hat. Er hat wochenlang geschrien, an mir gerissen, ist immer nachts aufgesprungen, „Titi, Titi“ geschrien in diesen Situationen - oder dann nach einer Weile hat er sich zwar super geduldet, ist aber nicht mehr eingeschlafen, weil er zu lange wach war dadurch. Alle waren somit wochenlang die ganze Nacht wach und das Baby sehr häufig unterbrochen beim Stillen und Schlafen. Ich habe versucht, mit dem Baby in einem anderen Raum zu Schlafen, was im Chaos endete. Mein Großer wird spätestens nach 15 Minuten wach, wenn ich nachts nicht im Bett liege (Familienbett). Er ist dann schreibend durch die Wohnung gelaufen und hat mich gesucht (all das war auch vor der SSW schon so). Alle Versuche, dass der Papa mit einspringen darf, werden aggressiv und kategorisch abgelehnt. Das war auch schon immer so, ab abends und nachts. Davon unabhängig, haben mein Mann und Sohn ein sehr inniges und gutes Verhältnis und unternehmen extrem viel miteinander. Aber bei der Einschlaf- und Weiterschlafbegleitung scheitern alle einfühlsamen Versuche. Durch diese ganze Situation hat mein Sohn täglich höchstens 7 Stunden geschlafen, da wir mittags beim Schlafen die gleichen Probleme haben. Letztlich habe ich als Ausweg nur noch gesehen, meinen Sohn weniger und zT abzustillen. Somit stille ich ihn noch abends beim Einschlafen und dann habe ich mit ihm verabredet, ihn erst wieder zu stillen, wenn es draußen wieder hell wird. Bis dahin kuscheln wir „ohne Titi“. Mit weinen hat er das sehr gut angenommen und legt sich immer, wenn er wach wird, in meinem Arm und schläft wieder ein. Ab ca. drei Uhr morgens aber will er vehement auch die Brust. Er bekommt natürlich zu trinken und zu essen von uns nachts, wenn er es annimmt. Gekuschelt wird immer, etc. Aber heute Nacht zum Beispiel hat er wieder die ganze Nacht hindurch vehement die Brust verlangt. Dies geht nun seit ca. einer Woche so ohne Veränderung. Ich fühle mich hundeelend bei all dem. Er sieht die ganze Zeit, wie das Baby gestillt wird und wird dann von mir abgelehnt, wenn er auch will. Tagsüber versuche ich auch, die Stilleinheiten zu vergrößern und nicht halbstündlich! (so viel möchte er - auch das war bereits schon vor der SSW oft so). Ich habe so große Angst, dass er sich nicht mehr so wertgeschätzt fühlt, weil seine kleine Schwester immer gestillt wird und er nicht mehr und er natürlich in gewisser Weise abgelehnt wird und auch sonst ja oft ein „nein“ hört, weil es gerade nicht geht. Ich muss nun zwei Kinder begleiten und vorher bin ich extrem auf ihn eingegangen. Und so langsam entwickele ich auch schon eine gewisse Wut ihm gegenüber, auch wenn er natürlich für all das nichts kann. Auch das spürt er natürlich. Auch mit der Begründung des nächtlichen Abstillens und tagsüber „Hinhaltens“ tue ich mich schwer. Wie soll ich es begründen, dass das Baby ständig darf und er auf einmal nicht mehr?! Ich habe ihm gesagt, das Baby ist noch ganz klein und kann noch gar nichts essen und trinken und er ist ja schon ganz groß und braucht die Milch nicht mehr so dringend, sondern vielleicht eher das Kuscheln und wir immer kuscheln, so viel und oft er möchte. Dann habe ich ihm schon erklärt, dass es mir zu viel weh tut, beide gleichzeitig zu stillen. Und auch, dass ich nicht genug Milch für das Baby habe, wenn wir ganz viel Stillen und deshalb nachts eine Pause machen….. Es fühlt sich alles falsch an und als würde ich das Leben meines Großen ruinieren und ihm fürs Leben schaden. Wir hatten ein ganz tolles Verhältnis vor der Geburt und er war ein ganz ausgeglichener, fröhlicher Junge. Jetzt habe ich das Gefühl, er rennt nur noch meiner Liebe und Anerkennung nach und versucht, es mir recht zu machen und erfährt Ablehnung. Er hat mich auch extrem viel weinen gesehen in den letzten 5 Wochen und spürt natürlich, dass es in gewisser Weise „wegen ihm“ ist. Ich weiß, dass das in dem Ausmaß nicht gut ist, das spüre ich. Ich bin ihm kein Halt dann. Ich kann dann einfach auch nicht mehr und bin hilflos. Ich sage ihm dann auch, dass ich nicht wegen ihm traurig bin. Aber trotzdem… (er ist ja nicht „Schuld“ daran, wie es ist, sondern wir haben uns ja für ein weiteres Kind entschieden. Mal davon abgesehen, dass man einem Kind natürlich so oder so keine Schuldzuweisungen macht…). Wir wissen nicht mehr weiter! Ich spiele sogar mit den Gedanken, ihn ganz abzustillen. Aber andererseits denke ich, macht es das alles noch schlimmer. Natürlich denken wir auch an unser Baby. Sie darf nicht auch die ganze Nacht wach sein und immer durch das Schreien und Toben vom Stillen abgehalten, bzw. unterbrochen werden. Und tagsüber kommen wir natürlich auch auf keinen grünen Zweig auf Dauer so. Wir haben auch schon eine Familien- und Stillberaterin zur Rate gezogen. Aber meinen Sohn mit meinem Mann im Schlafzimmer einzusperren, bis er erschöpft das Kuscheln mit meinem Mann akzeptiert und das Baby zu bestimmten Zeiten bei meinem Mann so lange weinen zu lassen, bis ich mit dem Stillen meines Sohnes fertig bin, waren für uns keine Optionen (das Einschlafstillen wird manchmal durch das Baby unterbrochen, wenn es wach wird und die Brust, bzw. mich verlangt. Es fühlt sich falsch an, die Grundbedürfnisse des Babys nicht umgehend zu stillen. Bei meinem Sohn ist das zwar irgendwie auch so, aber ihm kann ich es zumindest schon versuchen zu erklären). Schaden wir mit unserem bisherigen Vorgehen unserem Sohn? Was können wir tun? Wir freuen uns auf Deine Antwort! Viele Grüße, Charlotte


Biggi Welter

Biggi Welter

Liebe Charlotte, ich kann dich so gut verstehen und spüre deine Trauer, Unsicherheit und Angst. Und trotzdem möchte ich dich ermutigen, konsequent zu sein! Solange DU nicht ABSOLUT sicher bist, dass du weniger stillen möchtest, wird dein Kind das spüren.
 Dein Kind spürt jetzt deinen Zwiespalt und da es sich nicht hinsetzen und sagen kann „Mama, ich spüre, dass du dir nicht sicher bist, was jetzt das Richtige ist, deshalb werde ich dir jetzt bei deiner Entscheidungsfindung helfen" reagiert es auf deine Zweifel mit Unruhe, Weinen und Verunsicherung. Es hat keine anderen Ausdrucksmöglichkeiten als Weinen und (vermehrte) Anhänglichkeit. Kinder sind für „geordnete Verhältnisse", Unsicherheit und Zweifel bringen sie aus dem Gleichgewicht.
Wichtig ist nun, dass ihr zum einen wirklich miteinander redet und du deinem Kind klar erklärst und sagst, was du willst und was du nicht mehr willst. Zum anderen muss für dein Kind deutlich erkennbar sein, wo deine Grenzen gesetzt sind. Liebevolle Konsequenz ist das Zaubermittel in der Erziehung.

 Du sollst dein Kind ja auch nicht alleine lassen und kannst es liebevoll begleiten und ihm durch seine Trauer helfen. Dein Kind vermisst das Stillen schmerzlich und ist natürlich verunsichert und traurig. Trotzdem ist dein Sohn sicher gebunden und kann diese erste Enttäuschung verkraften. Wichtig ist jetzt, dass dein Kind weiterhin deine Liebe und Zuneigung spürt und du seine Trauer zulässt und den Kleinen tröstest und ihm beistehst. Sei da für ihn, lenke ihn ab, lass auch seinen Zorn zu, jetzt ist es wichtig, dass dein Sohn merkt, dass du einfach da bist. Dein Kind ist im Moment sicherlich manchmal traurig, aber ein Trauma bekommt es sicher nicht, denn es ist geborgen bei dir und spürt deine Liebe! Das Wichtigste ist jetzt, dass du fest zu deinem Entschluss stehst. Solange hier noch der geringste Zweifel besteht, wird dein Kind diese Zweifel spüren und du wirst weiterhin „schwach" werden. Sicher ist ein Kind in diesem Alter noch nicht in der Lage alles Gesprochene bis ins letzte Detail zu verstehen, doch ich denke, dass der erste Schritt für dich sein sollte, dass Du mit deiner Kleinen darüber sprichst, wie es dir geht und was du nicht mehr möchtest, Auch wäre es evtl. sinnvoll, mit deinem Kind zusammen ein Kuscheltier auszusuchen, am besten mit einem Lutschetuch. Dein Kind scheint ein noch hohes Saugbedürfnis zu haben und das muss sie ausleben dürfen. Ein Kleinkind aus meiner Gruppe war ganz glücklich, wenn es an einem weichen Frotteewaschlappen saugen durfte, ein anderes hate einen Hasen, dessen Ohr aus weichem Stoff war, wo es saugen konnte. Lass die Zeit mit deiner Entscheidung, denn dein Kind muss sich auf deine Worte verlassen können. Ich wünsche dir von Herzen, dass ihr eine gute Lösung finden werdet und würde mich über eine Rückmeldung sehr freuen! Ganz liebe Grüße Biggi


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