Stef90
Liebes Expertemteam, Ich habe am 16.09. meinen zweiten Sohn geboren. Bereits bei meinem ersten Sohn hat es mit dem Stillen nicht funktioniert. Jetzt stehe ich wieder vor den selben Problemen bzw. erhoffe mir das ich es mir nur einbilde. Bei meinem ersten Sohn musste ich bereits nach Tag 4 zufüttern. Trotz Pumpe, Bockshornkleesamenkapseln etc wurde es nicht besser, die Zufüttermenge stieg stetig stark an,sodass die Brut eher nur als Überbrückung diente bis die Flasche fertig war. Beim Pumpen kamen immer nur maximal 15 ml egal wie groß der Abstand war. Nun füttere ich wieder seit Tag 4 zu. Etwa 40ml sind es am Tag, bzw. eine zusätzliche Flasche nach dem Stillen zur Zubettgehenszeit. Heute habe ich abgepumpt um die Menge zu kontrollieren, auf raten meiner Hebamme. Auch hier kamen jeweils nur 10ml zusammen. (1h Abstand zum letzten stillen) Ich habe die Urin Windeln heute mal gewogen und kam auf 175 Gramm ohne Windel. Stuhlgang hatten wir bis auf das Kindspech die ersten Tage noch keinen. Ansonsten schläft der Kleine den ganzen Tag an der Brut. Wird er wach, trinkt er wieder kurz und schläft wieder ein.Das geht den ganzen Tag so, sodass ich ihn nicht ablegen kann. Ist er doch einmal wach und nicht an der Brust schaut er maximal 15 Minuten durch die Gegend und möchte dann wieder an die Brust. Er sucht eigentlich immer, und meckert dann. Ich würde auch nicht sagen,dass er vor Hunger richtig schreit,er ist eher ruhig und verschlafen. Wir sind halt am Dauerstillen sozusagen Nachdem nun nur jeweils 10ml aus der Brust kam, riet mir meine Hebamme dazu, auf PRE umzusteigen und nur noch sporadisch zu stillen, da die Gewichtszunahme eher schleppend verläuft. Da bei meinem ersten Sohn die Milch ebenfalls so wenig war,glaubt sie nicht an eine Steigerung der Milchmenge. Hier mal die Daten: Geburtsgewicht 3690 Gramm / 53cm Tag 2 3665 Tag 3 3490 Tag 4 3400 Tag 5 3390 60ml PRE Tag 6 3450 40ml PRE Tag 7 3460 31ml PRE Tag 8 3480 40ml PRE Auch wenn mir das Gedeihen meines Kleinen am Herzen liegt, würde ich wirklich ungern den Rar meiner Hebamme umsetzen. Ist es wirklich so schlimm,dass er so langsam zunimmt? Ist die Urinmenge akzeptabel? Was noch zu sagen wäre ist, dass der Kleine definitiv richtig anliegt und auch richtig gut saugt. (Ich habe keine wunden Brustwarzen) Der Milchspendereflex wird zwar zeitig ausgelöst,allerdings würde ich sagen, dass die Milch danach nicht soooo lange läuft. Ich hoffe sie können mir einen guten Rat geben. LG Stef90
Kristina Wrede
Liebe Stef90, zu allererst diese Info: Das Pumpen erlaubt keinen Rückschluss auf die verfügbare Milchmenge. Denn wenn du dabei den Milchspendereflex nicht ausgelöst bekommst, gibt es nur ein paar Tropfen - dein Baby aber kann deutlich größere Mengen heraustrinken! Die Frage ist also, wie bekommt man heraus, wie viel Milch man hat? Im Prinzip nur über das Gedeihen des Babys. Oder übers Windeln wiegen. Die Urinmenge, die du gemessen hast, zeigt, dass dein Baby momentan NICHT genug Milch trinkt und ja, es braucht mehr, weil es das für seine gesunde Entwicklung unbedingt erfordert. Hast du denn in der Schwangerschaft beobachten können, dass deine Brust größer wurde? Das wäre ein gutes Zeichen dafür, dass zusätzliches Brustdrüsengewebe gewachsen ist und du theoretisch dein Baby mit Muttermilch versorgen kannst. Sind sie nicht merklich gewachsen, dann könnte es wirklich sein, dass du nicht genug Milch bilden kannst und definitiv zufüttern musst. Das kann ich von hier aus nicht beurteilen, und du solltest vielleicht eine Stillberaterin in eurer Nähe dazu befragen. Wenn der Kleine bisher zu wenig zugenommen hat, braucht er also definitiv mehr. Allerdings empfehlen wir dann NICHT die Flasche, weil dies dazu führt, dass die Babys häufig schnell komplett die Brust verweigern. Erforderliche Milch kann auch mit dem Löffel oder einem kleinen Becherchen gefüttert werden - das geht sogar bei Frühchen! Ich würde dir empfehlen, nach einer Stillberaterin vor Ort zu suchen, die dich telefonisch oder im Rahmen eines Stillgruppentreffens punktgenau unterstützen kann, deine Kleine mit der Brust satt zu bekommen. Adressen von Stillberaterinnen findest Du im Internet unter: http://www.lalecheliga.de (Stillberaterinnen der La Leche Liga), http://www.afs-stillen.de (Stillberaterinnen der Arbeitsgemeinschaft freier Stillgruppen) oder http://www.bdl-stillen.de (Still- und Laktationsberaterinnen IBCLC). Mein Vorschlag lautet also wie folgt: 1. Schau, ob es eine Stillexpertin in deiner Nähe gibt 2. Versuche, statt Flasche zusätzliche Milch mit dem Löffel oder einem Becherchen zu füttern (siehe dazu 3. Sammele weiterhin die Windeln von 24 Stunden und wiege sie, vergleiche ihr Gewicht mit der gleichen Menge frischer Windeln, so dass wir beurteilen können, ob sich seine Milchaufnahme gesteigert hat. 4. Hilf deinem Baby beim Stillen mit Brustkompression und Super-Wechselstillen. Unten findest du die Erklärungen dazu... 5. Du kannst auch probieren abzupumpen, während du an der anderen Seite stillst. Von der so gewonnenen Milch kannst du Muttermilchsahne herstellen, die einen enormen Kalorienkick bedeuten würde. Zum Gewinnen von Muttermilchsahne schau, dass du Milch ausstreichst oder abpumpst, die du in 10 ml Spritzen aufziehst und dann kopfüber in ein Glas stellst (also mit der Spitze nach unten). Lass aber ein bisschen Luft, denn die Schwerkraft wird den Kolben vielleicht etwas weiter in die Spritze drücken... Oben auf der Milch wird sich eine Fettschicht absetzen, der Muttermilchrahm. Nach ca. 2 Stunden kannst du den wässrigen unteren Teil der Milch ausdrücken und deinem Kind die verbleibende Sahne in den Mund träufeln. Statt mit leeren Spritzen kannst du natürlich auch mit einer Tasse arbeiten, in die du die gewonnene Muttermilch gibst. Oben wird sich der fetthaltige Rahm absetzen, du kannst ihn mit einem Löffel abschöpfen und deiner Maus geben. Wenn du das 3-4 Tage lang machst (je mehr, desto besser), wird sie ganz sicher einen Schub machen, und womöglich bessert sich dann auch sein Appetit, so dass er selbst aktiver trinkt an der Brust!! Lieben Gruß, Kristina Brustkompression "Der Zweck der Brustkompression ist den Muttermilchfluss zum Baby weiter zu erhalten, auch wenn das Baby selber nicht mehr so produktiv trinkt ("weit geöffneter Mund Pause dann Schliessen des Mundes"). Auf diese Weise wird das Baby länger weiter trinken. Die Brustkompression simuliert einen Milchspendereflex ("Letdown reflex") und oft stimuliert sie sogar tatsächlich das Auftreten eines natürlichen Milchspendereflexes. Diese Technik kann bei schlechter Gewichtszunahme eines Babys hilfreich sein. Die Brustkompression setzt den Milchfluss fort, wenn das Baby nicht mehr richtig von der Brust trinkt, sondern nur noch daran nuckelt, und bewirkt beim Baby folgendes: 1. Es bekommt mehr Muttermilch. 2. Es bekommt mehr fettreiche Milch (Hintermilch). Die Brustkompression Wie funktioniert sie? 1. Halten Sie das Baby mit einem Arm/einer Hand. 2. Halten Sie die Brust mit der anderen Hand, den Daumen auf der einen Seite der Brust (am einfachsten ist es, wenn der Daumen auf der oberen Seite der Brust positioniert ist), die anderen Finger auf der anderen, unteren Seite (C Griff). Alle Finger sollten ziemlich weit weg von der Brustwarze sein. 3. Schauen Sie wie das Baby trinkt (zu Ihrem Verständnis können Sie folgenden Video anschauen unter: www.thebirthden.com/Newman.html). Machen Sie sich keinen Stress, sie brauchen nicht jeden Schluck zu erwischen. Das Baby bekommt eine nahrhafte Menge Muttermilch, wenn es mit der Technik "Weit geöffneter Mund Pause dann Schließen des Mundes" trinkt. 4. Wenn das Baby nur noch an der Brust nuckelt und nicht mehr richtig mit der oben beschriebenen Technik trinkt, dann ist es Zeit, die Brustkompression einzusetzen. Rollen Sie nicht ihre Finger über die Brust zum Kind, sondern drücken sie nur. Aber nicht so sehr, dass es schmerzt und versuchen Sie, die Form des Brustwarzenhofes nicht zu verändern. Mit der Kompression sollte das Baby wieder anfangen effektiv zu saugen und schlucken, d.h. mit dem Typus "Weit geöffneter Mund Pause dann Schließen des Mundes". Benutzen Sie die Brustkompression nur dann, wenn das Kind nuckelt, nicht aber wenn es richtig trinkt! 5. Belassen Sie den Druck so lange, bis das Baby auch mit der Kompression nicht mehr richtig trinkt, dann lösen sie den Druck. Oft hört das Baby ganz auf zu saugen wenn der Druck wegfällt, aber es wird bald wieder damit anfangen, nämlich sobald die Milch wieder fließt. Falls das Baby nicht aufhört zu nuckeln warten Sie einen kurze Zeit, bevor Sie wieder mit der Brustkompression beginnen. 6. Die Gründe, wieso Sie den Druck lösen sollen sind einerseits, dass Sie Ihre Hand etwas ausruhen können und anderseits, damit die Muttermilch wieder zum Kind fließen kann. Das Baby wird, falls es aufgehört hat zu saugen als Sie die Kompression gelöst haben, nun wieder damit beginnen, wenn es die Milch wieder schmeckt. 7. Wenn das Baby wieder zu saugen beginnt kann es sein, dass es effektiv trinkt mit dem Typus "Weit geöffneter Mund Pause dann Schließen des Mundes". Falls dies nicht der Fall ist, d.h. das Kind nur nuckelt, benutzen Sie wieder die Brustkompression wie oben erklärt. 8. Fahren Sie so an der ersten Brust fort bis das Baby auch trotz der Kompression nicht mehr trinkt. Sie sollten dem Baby erlauben, noch eine kurze Weile länger an dieser Seite zu bleiben, da Sie manchmal einen erneuten "Let down" Reflex (Milchspendereflex) bekommen können. Das Baby würde dann von selber wieder zu trinken beginnen. Falls es jedoch nicht mehr trinkt, erlauben Sie ihm sich selbst von der Brust zu lösen oder nehmen sie es von der Brust. 9. Falls das Baby mehr möchte, offerieren Sie ihm die andere Seite und wiederholen den Prozess." (Quelle: Handout Nr. 15. Breast Compression. Revised Januar 2005 Verfasst von Dr. Jack Newman, MD, FRCPC. ©2005; www.BreastfeedingOnLine.com; Übersetzung von: Anke Käppeli Tinnes, IBCLC in Ausbildung, Zollikerberg, April 2006) Super-Wechselstillen Beim Super-Wechselstillen lässt die Mutter das Baby so lange an der Brust, wie es nach jeder oder jeder zweiten Saugbewegung schluckt. Sobald es seltener schluckt oder beginnt einzuschlafen, wird es von der Brust abgenommen. Die Mutter beugt es einige Male sanft von der Hüfte aus nach vorne, um es aufzuwecken; dann wird es an die andere Brust angelegt und wieder so lange gestillt, wie es regelmäßig schluckt. Erfolgt das Schlucken wieder seltener, lässt die Mutter das Baby aufstoßen oder beugt es in den Hüften, um es aufzuwecken, und legt es wieder an der ersten Brust an. Dieses »Wecken und Wechseln« wird 20 bis 30 Minuten lang durchgeführt, und wenn es darum geht, die Milchmenge zu steigern (etwa weil das Baby nicht gt genug zunimmt) sollte es tagsüber mindestens alle zwei Stunden und nachts alle vier Stunden erfolgen. Bei manchen Babys muss die Mutter möglicherweise schon nach jeweils 30 bis 60 Sekunden wechseln, zumindest in der Anfangsphase.
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