Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

Stillen- und Abstillen

Frage: Stillen- und Abstillen

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Hallo, mein Sohn Nils ist nun neun Monate alt. Ich stille ihn noch, er bekommt aber auch Gläschen bzw. ißt bei mir mit, wenn er mag. Langsam möchte ich abstillen. Ich habe nämlich das Gefühl, dass er mich nur als Schnuller benutzt (er selber nimmt nämlich keinen), außerdem beißt er mich derart, dass ich ihn manchmal eh nicht stillen kann, weil alles weh tut (er hat acht Zähne, vier oben, vier unten). Normalerweise schläft er von 19.30 Uhr bis 04.00 Uhr, dann wird er wach und ruft. Ich lege ihn dann an, dann saugt er 2-3 mal und schläft wieder ein, also bin ich auch nur die Einschlafhilfe. Irgendwie weiß ich nicht mehr weiter. Einerseits möchte ich ihn ja weiter stillen, wenn er das braucht, aber andererseits habe ich eben das Gefühl, dass er es eigentlich nicht mehr braucht. Eine Milchflasche nimmt er auch nicht. Weder von mir noch von Papa. Was allerdings komisch ist, wenn er sie dann doch mal nimmt, haut er auch locker die ganze Pulle weg. Die nächste will er dann aber schon wieder nicht mehr?!?!?! Hilfe :-(((


Biggi Welter

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? Liebe Katja, Ihr Kind zeigt Ihnen doch ganz deutlich, dass es das Stillen noch braucht. Es „missbraucht" Sie auch nicht als Schnuller, sondern umgekehrt: Der Schnuller ist eine Brustattrappe und dient als Ersatz für die Brust. Wohl kaum, denn es ist schlicht und ergreifend von der Natur für ein Baby und Kleinkind nicht vorgesehen, dass es alleine (ein)schläft. Genau so wenig wie es „normal" ist, dass ein Baby oder Kleinkind durchschläft, denn das ist lediglich eine Wunschvorstellung der Eltern. Man muss ein Kind nicht lehren, alleine einzuschlafen und alleine in einem Bett zu schlafen, sondern es genügt, ihm die Nähe zu geben, die es braucht und abzuwarten, bis es von selbst so weit ist, dass es diese Nähe nicht mehr in dem Maße braucht. Es ist vollkommen normal, dass ein Baby an der Brust der Mutter einschlafen will und überhaupt in ihrer Nähe sein mag. Seit Jahrtausenden und in unzähligen Kulturen ist das Stillen und gemeinsame Schlafen eine bewährte Methode Kinder glücklich, gesund und zufrieden aufwachsen zu lassen. Das Saugen wirkt beruhigend und nicht umsonst wurden im Laufe der Zeit die verschiedensten Brustattrappen (z.B. Schnuller s.o.) erfunden. Von der Natur ist es nicht vorgesehen, dass ein Baby oder Kleinkind allein ist und alleine einschläft. Nur passt dieses „natürliche" Verhalten des Babys nicht in unsere derzeitige Zeitströmung und damit haben wir ein (von uns selbst produziertes) Problem: Babys wissen nicht, was zur Zeit „Mode" ist und benehmen sich so, wie sie es seit Anbeginn der Menschheit getan haben. Dazu kommt: Menschenbabys sind Traglinge, die den Kontakt zur Mutter brauchen. Nochmals: Es ist von der Natur nicht vorgesehen, dass sie alleine sind und auch nicht, dass sie alleine schlafen. Das widerspricht dem Bild vom süß in der Wiege schlummernden Baby, das fast alle Frauen (zumindest beim ersten Baby) haben. Das Problem ist der „Denkfehler" vieler Menschen in unserer Gesellschaft, die erwarten, dass ein Baby ab einem bestimmten - möglichst frühen - Alter durchschlafen und alleine schlafen müsse. Babys und Kleinkinder wachen seit Urzeiten nachts immer wieder auf. Da unserer Kinder mit dem gleichen genetischen Programm auf die Welt kommen wie vor Tausenden von Jahren, verhalten sie sich auch so, wie das Babys von Anbeginn der Menschheit getan haben. Das „passt" aber nicht unbedingt in unsere Vorstellung des „modernen Menschens". Deshalb wird das Thema „Durchschlafen" für Eltern mit zu den wichtigsten Themen in unserer Gesellschaft gemacht. In anderen Kulturen, in denen es als normal angesehen wird, dass Babys und Kleinkinder nachts aufwachen, wird überhaupt nicht so ein Aufhebens um dieses Thema gemacht - und den Erwachsenen und Kindern geht es nicht schlechter als bei uns - eher im Gegenteil. Sie müssen jetzt daher klar unterscheiden zwischen „Was braucht mein Kind?" und „Ich mag nicht mehr stillen". Wenn Sie nicht mehr stillen wollen, dann liegt es an Ihnen, einen Ersatz sowohl für die Nahrung, die das Kind an der Brust erhält, als auch für sein Saugbedürfnis und das Nähebedürfnis zu finden. Stillen ist mehr als nur Nahrungsaufnahme, das wird leider oftmals vergessen. Ihr Sohn beißt nicht aus böser Absicht, aber es hat ja keinen Sinn, dass Sie sich solange quälen, denn als Mutter ist frau NICHT automatisch eine Masochistin. Sobald Ihr Baby zubeißt, reißen Sie es bitte nicht von der Brust weg, sondern ziehen Sie es nahe an sich heran. Wenn Sie es nahe an sich heranziehen, muss es los lassen, weil es sonst nicht mehr atmen kann. Es ist besser für Ihre Brust, wenn das Baby loslässt, als wenn Sie es von der Brust wegreissen. Kleine Babys verstehen schon mehr als allgemein angenommen. Es gibt einige Tipps, wie man einem „bissigen" Baby das Beißen an der Brust abgewöhnen kann: - das Baby ohne großes Aufheben von der Brust nehmen, damit es nicht versucht ist zu probieren, ob es die Mutter nochmals zusammenzucken lassen kann. - etwas Angemessenes zum Beißen anbieten. Sobald es zu einem Biss oder einem Beinahe-Biss kommt, bieten Sie dem Baby einen Beißring oder ein Spielzeug an, damit es weiß, wo es seine Zähne einsetzen darf. - das Baby schnell auf den Boden legen. Einige Mütter wollen auf das Beißen strenger reagieren. Nach ein paar Schrecksekunden für das Baby, die dem Ablegen folgen, sollte es beruhigt werden und die Rückmeldung bekommen, dass Beißen unangenehme Folgen hat. - einen Finger in die Nähe des Mundes des Babys legen, um den Saugschluss schnell zu unterbrechen, wenn es seinen Kopf dreht. Manche Babys lieben es, die Brustwarze nicht loszulassen, wenn sie abgelenkt werden und ihren Kopf drehen. Dies kann verhindert werden, wenn die Mutter einen Finger bereit hält, um den Saugschluss zu unterbrechen. Es wird nicht lange dauern, bis das Baby gelernt hat, dass sich wegdrehen bedeutet, die Brustwarze zu verlieren. - mit dem Baby reden und ihm erklären, dass Sie das Beißen nicht lustig finden (klingt vielleicht noch verfrüht bei einem Baby, aber es funktioniert vielfach tatsächlich). Probieren Sie das mal aus. LLLiebe Grüße Biggi Welter


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