Zwilli0711
Hallo, ich habe Zwillinge wurden bei 37+2 geboren und sind jetzt fast 4 Wochen alt. Die erste Woche verbrachten sie komplett auf der Neo, wo sie aufgrund ihrer Trinkschwäche mit der Flasche mit Pre-Nahrung gefüttert wurden. An der Brust tranken sie gar nicht. Ich versuchte von Beginn an abzupumpen und gab Kolostrum, später Muttermilch, ebenfalls per Flasche. Sie trinken inzwischen echt gut und sie nehmen entsprechend zu. Meine Hebamme und ich sind dabei, die beiden an die Brust zu gewöhnen, aktuell mittels Brusternährungsset. Da trinken sie aber auch nahezu nichts, sie nuckeln maximal ein paar Minuten und schlafen dann ein oder quengeln. das Abpumpen schaffe ich im Alltag kaum, bestenfalls 6x, weil mir bei zwei Kindern einfach die Zeit fehlt. Wenn ich pumpe, kommen so 20-50ml, was ehrlich gesagt extrem frustrierend ist. Gibt es denn überhaupt die Hoffnung, dass die zwei nach 4 Wochen noch an der Brust trinken? Und dass sich dadurch die Milchmenge steigern lässt? Ich habe aktuell das Gefühl, durch Schlafmangel und den Stress wird es eher immer weniger Milch... was kann ich tun?
Liebe Zwilli0711, ich kann es gut nachvollziehen, dass du ziemlich am Ende einer Kraft stehst, denn das Abpumpen und dauernde Abpumpen IST anstrengend. Du kannst jetzt weiterhin mit dem Brusternährungsset arbeiten oder aber die Milchmenge steigern und diese dann mit der Flasche geben. Das Saugen an einem künstlichen Sauger unterscheidet sich grundlegend vom Saugen an der Brust. Der künstliche Sauger ist bereits vorgeformt und relativ steif. Die Brust ist weich und nachgiebig. Ein Schnuller kann in den geschlossenen Mund eines Babys gesteckt werden. Um die Brust zu erfassen, muss das Baby den Mund weit öffnen, die Brustwarze reicht dann weit nach hinten in den Mund, wo die Bewegungen des Kiefers und der Zunge nicht stören. Auch die Bewegungsmuster der Muskeln von Mund, Gesicht und Zunge, sind am künstlichen Sauger ganz anderst, als an der Brust. Mit der Saugtechnik, die das Baby beim Trinken an einem Flaschensauger oder beim Nuckeln an einem Beruhigungssauger anwendet, kann es kaum Milch aus der Brust bekommen. Ein Baby, das mit der Flasche gefüttert wurde, hat einen sofort einsetzenden, gleichmäßigen Milchfluss kennengelernt. An der Brust reagiert es dann frustriert, weil nicht der von ihm erwartete, sofortige und stetige Milchfluss einsetzt. Oft ist es dann so, dass ein Baby „stundenlang“ saugt und nicht satt wird. Da hilft es dann auch nicht, viel und oft anzulegen. Gibst du im Moment noch die Flasche oder verwendest du eine alternative Fütterungsmethode? Welche Pumpe verwendest du, wie oft in 24 Stunden pumpst du ab? Abpumpen ist eine Fähigkeit, die gelernt und geübt werden muss. Um erfolgreich abzupumpen, muss die Frau nicht nur die geeignete Pumpe zur Verfügung haben und in der richtigen Pumptechnik unterwiesen werden. Der Schlüssel zum erfolgreichen Abpumpen ist das Auslösen des Milchspendereflexes. Um den Milchspendereflex anzuregen hilft es, wenn die Frau sich in eine angenehme Umgebung zurückziehen kann, in der sie so wenig wie möglich gestört wird und sich entspannen kann. Das Einhalten eines Rituals beim Abpumpen und Konzentration auf die Babys (vor einem Foto der Babys oder neben den Kindern abpumpen) tragen dazu bei, den Milchspendereflex auszulösen. Wärmeanwendungen und Massage der Brust stimulieren den Milchspendereflex ebenfalls. Es hat sich bewährt, nach dem Schema 7 Minuten pumpen unterbrechen zum Massieren der Brust 5 Minuten pumpen massieren der Brust 3 Minuten pumpen, vorzugehen. Eine Brustmassage kann auch dazu beitragen den Fettgehalt der abgepumpten Milch erhöhen. Die besten Erfahrungen habe ich mit vollautomatischen, elektrischen Pumpen mit Doppelpumpset gemacht. Diese Pumpen sind von den Firmen Medela und Ameda erhältlich und können auch in Apotheken und Sanitätshäusern ausgeliehen werden. Da eine Pumpe nicht die gleichen Gefühle auslöst wie ein Baby, musst du wie oben schon erwähnt vor allem anfangs ihren Milchspendereflex anregen. Dazu kannst du einige der folgenden Methoden der physischen und psychischen Stimulation einsetzen: Abpumpen in einer vertrauten und angenehmen Umgebung, vielleicht immer am gleichen Platz, im gleichen bequemen Sessel (ideal wäre ein Stuhl, der deine Arme in einer bequemen Haltung stützt und es dir ermöglicht den ganzen Körper zu entspannen). Störungen so gering wie möglich halten. Du solltest z.B. das Telefon aushängen, etwas entspannende Musik anschalten und alles, was du brauchen kannst bei der Hand haben. Dazu können ein Glas Wasser oder Saft, ein gesunder Imbiss oder etwas zu lesen gehören. Einhalten eines Rituals vor dem Abpumpen. Das Einhalten eines bestimmten Ablaufs vor dem Abpumpen kann deinen Milchspendereflex anregen und auch als psychologischer Auslöser dafür wirken. Einige der folgenden Vorschläge können eventuell auch dir helfen: o Wärmeanwendungen auf den Brüsten, entweder trocken oder feucht. Dazu können feuchte, warme Kompressen oder ein Heizkissen verwendet werden, oder aber du duschst warm. o Da Wärme entspannend wirkt, solltest du dir eine Decke oder eine Jacke über die Schultern legen, oder dich in die Nähe einer Heizquelle setzen. o Sanfte Brustmassage, entweder in der Dusche oder direkt vor dem Abpumpen. Das hilft besonders dann, wenn du angespannt bist. o Brustwarzenstimulation, durch sanftes Reiben oder Rollen der Brustwarzen. o Fünf Minuten Entspannung. Die Anwendung der Atemübungen aus der Geburtsvorbereitung oder einfach nur ruhiges Dasitzen und sich dabei etwas Angenehmes vorstellen (einen warmen Sandstrand mit Wellen, die ans Ufer plätschern, ein Gebirgsbach oder eine tropische Brise). Das Abpumpen mehrmals unterbrechen um die Brust zu massieren. Es sollte möglich sein, den Milchspendereflex mehrfach stimulieren, indem du das Abpumpen nach etwa zehn Minuten unterbrichst, deine Brust massierst und dann wieder pumpst. (Bei der La Leche Liga Deutschland kannst du das Infoblatt "Die Marmet Methode" über das Handausstreichen und Massieren der Brust bestellen) Rhythmische Bewegungen beim Abpumpen um das Saugverhalten des Babys nachzuahmen Gerne gebe ich dir auch Tipps zum Handausstreichen, wenn du das möchtest! Lieben Gruß Biggi
Zwilli0711
Hallo Biggi! vielen Dank für die sehr ausführliche und hilfreiche Nachricht. Inzwischen bekomme ich etwas mehr Milch, weil ich nach dem Schema 7 Minuten pumpen, Pause, Brust massieren, 5 Minuten pumpen usw. arbeite. Ich pumpe übrigens mit der Medela Symphony, also beidseitig, und habe mMn passende Aufsätze, da mir die im Krankenhaus so empfohlen wurden. Aktuell gebe ich den Beiden immer die Flasche, also entweder mit Pre-Nahrung oder etwas abgepumpter Muttermilch. Beide trinken auch gut und relativ schnell. Parallel versuche ich immer wieder (weil es natürlich auch zeitlich aufwendig ist) die beiden anzulegen und über das Brusternährungsset + Stillhütchen zu füttern. Sie nuckeln zwar, aber trinken nicht wirklich - weder aus der Brust, noch aus dem Ernährungsset, weswegen ich sie danach immer noch mit der Flasche füttern muss und anschließend abpumpe. Wenn das mit dem Stillen klappen würde, gibt es denn dann die Hoffnung, dass ich mehr Milch bilde als jetzt? Aktuell komme ich nur auf ca 200-300ml am Tag durchs Abpumpen. Am liebsten würde ich natürlich voll stillen, aber jetzt nach über 4 Wochen ist mein Körper da wahrscheinlich nicht mehr drauf aus, oder?
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