Verena_M
Hallo Frau Welter, ich bräuchte Ihren Rat. Mein Sohn ist zwei Jahre und drei Monate alt. Mittlerweile habe ich ihn, über einen Zeitraum der letzten ca. sechs Wochen (also recht sanft) soweit abgestillt, dass wir nur noch einschlafstillen. Allerdings wacht er nachts ab und an nochmal auf, oder auch am frühen Morgen, und verlangt nach der Brust, was ich aber zu 90 Prozent durch in den Arm nehmen und in den Schlaf wiegen hinbekomme. Nun würde ich allmählich gerne komplett abstillen, da wir ca im September gerne eine weitere künstliche Befruchtung in Angriff nehmen würden - und auch die Zeit etwas drängt, ich bin bereits 39 Jahre alt. Allerdings fällt es mir sehr schwer, das Einschlafstillen abzugewöhnen. Unsere Routine war bislang die, dass wir uns bettfertig machen, dann zusammen ins Bett legen, kuscheln, stillen. Jeglicher Versuch nun davon abzuweichen, misslingt mir. Nehme ich ein Buch um eine Gute Nacht Geschichte anzuschauen, nimmt mein Sohn es mir mit den Worten " kein Buch, Dodo machen( sein Wort für Stillen) aus der Hand und legt es beiseite. Sobald ich mich zu ihm ins Bett lege, ist die Sache sowieso erledigt... Auf dem Arm in den Schlaf wiegen funktioniert leider auch nicht - er quängelt und windet sich, bis ich ihn kaum mehr halten kann und möchte ins Bett liegen.... Und dann natürlich, dass ich mich neben ihn lege. Es widerstrebt mir natürlich, ihn groß weinen zu lassen, obgleich mir auch klar ist, dass es ganz ohne Tränen nicht gehen wird. Haben Sie noch einen Vorschlag oder Tipp, wie ich allmählich das Einschlafstillen sanft auslaufen lassen könnte? Das ganze wird evtl noch etwas erschwert durch die Tatsache, dass mein Sohn weder einen Schnuller noch ein " absolutes Lieblingskuscheltier" hat... Vielleicht können Sie mir helfen... Ich bin etwas ratlos. Vielen Dank und herzliche Grüße, Verena
Liebe Verena_M, sprich mit deinem Kind darüber, dass eure Stillzeit nun langsam zu Ende geht und zeige ihm, dass du es selbstverständlich noch genau so lieb hast wie schon immer. Du entziehst ihm die Brust aber nicht dich selbst und Deine Liebe. Vielleicht versuchst du es damit, die Stillzeiten immer weiter zu verkürzen. Damit meine ich, du stillst dein Kind eine bestimmte Zeit und dann nimmst du es sanft von der Brust und streichelst es, kuschelst mit ihm, bietest ihm zusätzlich weiterhin ein Kuscheltier oder eine Schmusedecke an usw. Im Laufe der Zeit verkürzt du die Zeit an der Brust immer mehr. Ich möchte dir nun noch ein paar nicht so drastische Methoden ein Kind abzustillen beschreiben. Vielleicht findest du etwas, was dir zusagt. Eine Methode, die sich beim allmählichen Abstillen bewährt hat heißt „biete nicht an, lehne nicht ab“. Das bedeutet, dass du deinem Kind die Brust nicht von dir aus anbietest, aber auch nicht ablehnst, wenn es danach verlangt. Viele Kinder wurden auf diese Weise abgestillt. Eine weitere Möglichkeit heißt Ablenkung. Durch Ablenkung abzustillen bedeutet, deine Gewohnheiten von Tag zu Tag erheblich zu verändern. Du musst die vertrauten Stillsituationen vermeiden und neue Betätigungsfelder schaffen. Für das eine Kind kann das bedeuten, dass ihr viel häufiger Ausflüge zu Orten unternehmt, die deinem Kind gefallen und wo es viele Menschen und viel Trubel gibt. Für ein anderes Kind bedeutet dies vielleicht, das Leben erheblich ruhiger zu gestalten, um Situationen, die es als bedrohlich empfindet, zu verringern. Es kann auch ablenkend wirken, wenn du dein übliches Verhalten in bestimmten Situationen veränderst. Wenn Du zum Beispiel sitzen bleibst anstatt dich hinzulegen, wenn du dein Kind zum Einschlafen bringst. Andere Möglichkeiten sind Vorlesen, Singen oder vielleicht ein neues Spielzeug. Manchmal bringt es dich auch weiter, wenn du das Stillen immer dann, wenn dein Kind diesen Aufschub verkraften kann, für eine Weile verschiebst. Das kannst du flexibler handhaben als den Vorsatz eine bestimmte Stillmahlzeit ausfallen zu lassen. Du kannst auch versuchen die Stillzeiten zu verkürzen. Viele Mütter haben festgestellt, dass es wirksam und relativ wenig belastend ist, ein Kind so oft anzulegen, wie es möchte, aber es nicht so lange zu stillen. Du kannst Deinen Sohn eine kleine Weile anlegen und ihn dann ablenken oder ihm etwas zu essen anbieten. Ihr könnt ein festes Ritual mit Kuscheln und Vorlesen oder Geschichte erzählen einführen. Viele Eltern beginnen auch bereits bei einem wenige Monate alten Baby damit, den Tag am Abend noch einmal Revue passieren zu lassen und so ein Gespräch (das sich im Laufe der Zeit dann entwickeln wird) über die Erlebnisse, Freuden, aber auch Sorgen und Nöte des Kindes zu führen. Durch solch ein Gespräch bleiben Eltern dann auch in engem Kontakt mit ihrem Kind und der leider viel beobachtet Sprachlosigkeit zwischen Eltern und Kind kann entgegengewirkt werden. Wenn dein Partner nicht einspringen kann, bleibt es an dir, Euer Kind auf andere Weise zu trösten und zu beruhigen und ihm einen Ersatz für die Brust anzubieten. In dieser Situation ist ein Nachthemd bzw. Kleidung, die sich vorne nicht öffnen lässt oft hilfreich. Wichtig ist, dass dein Kind weiterhin deine Liebe und Zuneigung spürt und du nicht gleich die Geduld verlierst, wenn es nicht so schnell klappt mit dem Abstillen. Viele Frauen glauben, dass sie sich beim Abstillen vom Kind distanzieren müssen, aber genau das Gegenteil ist der Fall. Probiere es einmal mit immer kürzerem Stillen und viel Kuscheln. Liebe Grüße Biggi
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