Kida86
Hallo Biggi, ich würde meine Tochter (23 Monate) gerne tagsüber abstillen. Ich empfinde es längst nicht mehr als erfüllend oder schön- teilweise nervt es mich echt :-( Sie stillt tagsüber sehr unterschiedlich (ca. 5-20x) und Nachts 1-3x - was völlig ok ist. Warum ich tagsüber so genervt bin? Sie zieht regelrecht an mir und meinen Klamotten umher, turnt beim stillen wie ne Weltmeisterin und sobald ich in ihrer Nähe bin, verlangt sie sich es ständig ein. Also es geht nicht, dass ich sie z.B. 15 Minuten stillen lasse und dann ist ne zeitlang Ruhe... Natürlich habe ich das Thema schon mit ihr besprochen, gesagt das Mama weniger stillen möchte usw. Sie hört mir zu, aber das war es auch.... Wenn ich das stillen verweiger, weint sie ganz arg...die Verzweiflung ist ihr anzusehen... Das ganze macht mich so unsicher, obwohl ich weiß, dass Unsicherheit Gift beim abstillen ist... Ich fühle, dass sie das stillen noch braucht bzw. das es ihr sehr wichtig ist...Ich habe Angst, dass unsere Beziehung dadurch einen Riss bekommt...Aber ich möchte auch nicht etwas machen, was negative Gefühle in mir auslöst.... Und schon dreht sich das Gedankenkarusell :-( Kannst du mir weiterhelfen? Egal ob mit Zuspruch, Ideen zum punktuellen abstillen oder sonstigen Anregungen.... Ich brauche jemanden mit Erfahrung, der mir auf diesem Weg etwas Sicherheit gibt... Viel Dank für deine Hilfe :-)
Liebe Kida86, viele Frauen haben irgendwann das Gefühl stillmüde zu sein. Dieses Gefühl ist kein Grund für ein schlechtes Gewissen oder gar Schuldgefühle! Es ist vielmehr ein Anlass, sich in aller Ruhe zu überlegen, wie es weitergehen soll und dann die Entscheidung zu treffen, die für die jeweilige Frau die richtige scheint. Wenn Du für dich zu dem Schluss gekommen bist, dass Du sicher nicht mehr stillen magst, dann ist der erste Schritt, dass Du diese Entscheidung wirklich aus ganzem Herzen triffst und keinerlei Zweifel daran hast, dass es euer Weg ist, jetzt die Stillzeit zu beenden. Vielleicht hilft dir bei deiner Entscheidung, wenn Du in einem ruhigen Moment mal eine Liste machst, auf der Du aufschreibst, was Du dir vom Abstillen erhoffst. Dann gehe jeden dieser Punkte durch und überlege - und sei dabei ganz ehrlich zu dir selbst - was davon wirklich realistisch ist. Stillen ist eine Zweierbeziehung und wenn es dazu kommt, dass sich ein Partner dabei nicht wohl fühlt, dann müssen Lösungswege gefunden werden. Das Wichtigste überhaupt ist allerdings, dass Du fest zu deinem Entschluss stehst. Solange hier noch der geringste Zweifel besteht, wird dein Kind diese Zweifel spüren und Du wirst weiterhin `schwach" werden. Für viele von uns ist es sehr ungewohnt zu sehen, wie begeistert und mit wie viel Freude ein Kleinkind stillt. Deine Tochter verhält sich gar nicht so "brustversessen" wir Du glaubst, viele langzeitgestillte Kinder zeigen sehr deutlich wie viel ihnen das Stillen bedeutet. Wird es dem Kind überlassen, wann es sich selbst abstillt, dann stillen sich die meisten Kinder irgendwann zwischen dem zweiten und dem vierten Geburtstag ab. Ein Abstillen deutlich vor dem zweiten Geburtstag auf Initiative des Kindes hin ist eher unwahrscheinlich. All diese theoretischen Überlegungen helfen dir jedoch nicht weiter, denn Du fühlst dich in der derzeitigen Situation unwohl. Wenn sich in einer Stillbeziehung ein Partner nicht mehr wohl fühlt, dann ist es an der Zeit zu überlegen, was geändert werden kann. Sicher ist ein Kind in diesem Alter noch nicht in der Lage alles Gesprochene bis ins letzte Detail zu verstehen, doch ich denke, dass der erste Schritt für dich sein sollte, dass Du mit deiner Tochter darüber sprichst, wie es dir geht und was Du nicht mehr möchtest. Dann könnt ihr als Eltern eine Art Plan machen, wie ihr vorgehen wollt, um das Stillen etwas einzuschränken. Stillen nach Bedarf ist bei einem Kind über einem Jahr nicht mehr ein so eng gefasster Begriff wie bei einem kleinen Baby und liebevoller Konsequenz lassen sich auch bei einem Kind in diesem Alter in einem gewissen Rahmen Regeln aufstellen. Selbstverständlich wird sich nicht von heute auf morgen eine plötzliche Änderung ergeben, das geschieht in kleinen Schritten und selbstverständlich wirst Du mit Rückschritten rechnen müssen, doch mit viel Liebe und Beharrlichkeit, kannst Du einen Weg finden, dass ihr wieder zu einer harmonischen Stillbeziehung finden werdet. Falls Du feststellst, dass das punktuelle Abstillen (also eine Art eingeschränktes Stillen) für dich immer noch nicht der Weg ist, den Du gehen willst, dann solltest Du dich in einem ruhigen Moment mit dir selbst auseinander setzen, was Du willst und dann entsprechend dieser Entscheidung und ohne Zweifel handeln. Wichtig ist dabei, dass Du dir deiner Entscheidung ganz sicher bist, denn jedweden Zweifel wird dein Kind sofort spüren und entsprechend handeln. Wichtig ist, dass dein Kind weiterhin deine Liebe und Zuneigung spürt und Du allmählich und mit viel Liebe vorgehst und nicht zu schnell die Geduld verlierst. Viele Frauen glauben, dass sie sich beim Abstillen vom Kind distanzieren müssen, aber genau das Gegenteil ist der Fall. Deshalb halte ich auch nicht viel von der Lösung, dass die Mutter einige Tage alleine verreist. Diese plötzliche Trennung kann das Kind in tiefe Trauer und Verzweiflung stürzen und vor allem: Was macht die Mutter, wenn das Kind nach der Rückkehr doch wieder an die Brust will? LLLiebe Grüße, Biggi
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