Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

Nachts besser abstillen?

Frage: Nachts besser abstillen?

Mum2015

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Hallo! Erst einmal vielen Dank für Ihre Arbeit hier! Ich habe irgendwann aufhören müssen mitzuzählen, wie oft Ihre Antworten auf die verschiedensten Fragen hier im Forum mir schon weitergeholfen haben!! Zu meiner Frage: Meine Tochter wird in 3 Wochen 1 Jahr alt und wird nachts noch alle 3 Stunden zum Stillen wach. Tagsüber hat sie sich selber abgestillt, sie verweigert Brust und Flasche dann vollständig. Sie ist sehr aktiv und ständig in Bewegung und wiegt auf ihren 80cm "nur noch" 9,5kg und hat seit Wochen nicht mehr zugenommen. Bis vor kurzem gehörte sie immer zu den kräftigeren Kindern. Laut Arzt ist alles "perfekt" und krank war die Maus noch nicht ein einziges Mal!! Das Problem ist, dass sie kaum isst. Die ersten drei, vier Löffel werden gierig angenommen und hinunter geschlungen, dann wird geschrien und Madame möchte weiter spielen. Eine Stunde später wieder drei Löffel und das selbe Theater. So geht es den ganzen Tag. Und das seit Wochen! Ich versuche sie auch selber essen zu lassen, sie bekommt morgens schon mal Brot mit ganz dünn Quark oder Margarine oder mal nen Vollkorntoast oder Apfelspalten. Das nimmt sie auch gerne - zumindest in Miniportionen. Ich habe das Gefühl, sie trinkt sich nachts satt und muss dann tags nicht viel essen. Nun macht es mir aber zum einen Sorgen, dass sie zwar weiter wächst, aber kein bisschen mehr zunimmt und dass meine Milch immer weniger wird. Heute morgen war ihre Nachtwindel nur noch halb so schwer wie noch vor einigen Wochen und die Zeit, die sie für eine Brust braucht wird auch immer kürzer (früher 7-10 mittlerweile nur noch 3-5 min je Mahlzeit). Ich vermute, dass ich abstillen sollte, damit sie vernünftig isst und ich tagsüber dieses Theater nicht mehr habe. Eigentlich wollte ich damit warten, bis sie es von alleine schafft genug zu essen, dass die Milch dann überflüssig wird, aber die Hoffnung habe ich mittlerweile aufgegeben... Ebenso, dass es "nur eine Phase" ist, wie viele mir sagen. Denn diese "Phase" geht nun schon seit 3 oder 4 Monaten und ich gehe auf dem Zahnfleisch. Tags ständig Miniportionen füttern und nachts immer noch so oft zu stillen. Was halten Sie für sinnvoll? Weiter machen wie es ist oder langsam anfangen auch nachts abzustillen? Und wie mache ich das am besten, wenn sie sich tagsüber nicht genug isst, um satt zu werden? Ich bin etwas ratlos und möchte es für meine kleine so einfach wie möglich zu machen. Achso, Milch aus der Flasche nimmt sie übrigens gar nicht an.... Danke im Voraus für Ihre Antwort


Biggi Welter

Biggi Welter

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Liebe Mum2015, es gibt viele Gründe, warum ein Kind sich weigert zu essen und die Brust bevorzugt. Es kann sein, dass es eine Krankheit ausbrütet, es kann sein, dass die Zähne Probleme machen, es kann sein, dass es gerade eine neue Fertigkeit lernt und all seine Energie darauf verwendet, es kann sein, dass es gerade dabei ist die große weite Welt zu entdecken und dringend den ruhigen Hafen Mutterbrust braucht, es kann sein ... So schwer es auch fällt, versuche die Geduld zu bewahren und mach bitte keinen Kampf ums Essen. Wenn es erst einmal so ist, dass das Essen Machtkampf bedeutet, dann sind wir Eltern sehr schnell die Verlierer und viele Essstörungen haben ihre Ursache in einem krampfhaften Machtkampf ums Essen im Baby und Kleinkindalter. Lass dich leiten von deiner Kleinen, sie WEISS genau, was sie braucht. Wenn sie nichts oder nur wenig essen mag, dann lass sie. Sonst erzeugst du nur einen Stress, der keinem von Euch gut tut. Der beste Weg, ein Kind zu einem "schwierigen Esser" zu machen besteht darin, es zum Essen zu zwingen! Ein Kind darf essen, aber es muss nicht essen und eine sehr bewährte Methode lautet "Die Mutter bietet an, was es gibt, das Kind entscheidet wie viel oder wenige es davon isst". Sei getrost, dass sie solange du weiter stillst bekommt was sie braucht. Vielleicht ist auch für dich das Buch "Mein Kind will nicht essen" von dem spanischen Kinderarzt Dr. Carlos Gonzales eine interessante (und beruhigende) Lektüre. Das Buch ist im Buchhandel (ISBN 3 932022 12 2) bei der La Leche Liga oder auch im Stillshop hier auf der Seite erhältlich. Dr. Gonzales hat eine Aufstellung gemacht, wie viel Muttermilch (MM) ein Baby im Alter zwischen neun und zwölf Monaten benötigt, um den empfohlenen Bedarf an verschiedenen Nährstoffen zu decken: Energie: 830 kcal = 1185 ml MM Eiweiß: 9,6 g = 910 ml MM Vitamin A: 350 µg = 700 ml MM Vitamin B: 0,4 µg = 412 ml MM Vitamin C: 25 mg = 625 ml MM Diese Angaben zeigen, dass Muttermilch den Bedarf des Kindes an vielen Nährstoffen lange zu decken vermag und nicht unbedingt Eile geboten ist, das Kind zum Essen zu zwingen. Ich zitiere dir noch aus einem Artikel, den Denise Both IBCLC geschrieben hat: "Das am heißesten gehandelte Thema, wenn es um Mangelerscheinungen bei gestillten Kindern ist das Eisen. Stillende Frauen dürfen sich immer wieder anhören, dass Muttermilch ja nur wenig Eisen enthält und dass die Eisenspeicher des Kindes nur bis etwa sechs Monate ausreichen und dann sei es unabdingbar Beikost einzuführen, um einen Eisenmangel abzuwenden. Es stimmt, dass Muttermilch im Verhältnis zu Kuhmilch oder künstlicher Säuglingsnahrung nur wenig Eisen enthält, demgegenüber steht jedoch die bessere Bioverfügbarkeit des Muttermilcheisens für das Kind. Dennoch kann es zu einem Eisenmangel bei gestillten Kindern kommen. Besonders gefährdet dafür sind Frühgeborene, Kinder deren Mütter in der Schwangerschaft einen Eisenmangel hatten und Kinder, deutlich länger als sechs Monate jegliche feste Nahrung ablehnen. Man muss zwischen Eisenmangel und einer Eisenmangelanämie unterscheiden. Eisenmangel lässt sich nicht unbedingt an einem niedrigen Hämoglobinwert (Hb) erkennen. Es reicht also nicht, beim Kind regelmäßig den Hb zu bestimmen, um einen Eisenmangel auszuschließen, sondern es muss zusätzlich auch noch der Serum Ferritin Wert bestimmt werden. Ein Eisenmangel im Kindesalter kann wirklich schwer wiegende und vor allem nicht immer wieder behebbare Folgen für die geistige und körperliche Entwicklung haben und sollte deshalb nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Dazu kommt, dass sich ein unguter Kreislauf entwickeln kann, wenn das Kind erst mal in eine Mangelsituation geraten ist: Der Eisenmangel macht das Kind appetitlos, das Kind mag erst recht keine Beikost essen, der Eisenmangel verschärft sich. Deshalb ist es sinnvoll, dass bei einem Kind, das lange jegliche Beikost verweigert, Hämoglobin und Ferritin bestimmt werden, um rechtzeitig eingreifen zu können, falls sich ein Mangel bestätigt. Der Pieks für die Blutuntersuchung ist weniger traumatisch für das Kind, als ein unentdeckter Eisenmangel. Eine vegetarische Ernährung ist übrigens nicht gleichzusetzen mit einer zu geringen Eisenzufuhr. Vegetarisch lebende Familien sollten jedoch unbedingt auf eine bewusste Zusammenstellung ihrer Ernährung achten, denn das Eisen aus pflanzlichen Nahrungsmitteln wird nur zu 3 bis 8 Prozent verwertet, also deutlich weniger als das hämgebundene Eisen aus Fleisch, dessen Verwertbarkeit bei etwa 23 % liegt." Verweigert ein Kind deutlich länger jegliche Beikost, ist es allerdings sicher nicht verkehrt, das Kind genauer anzuschauen und eventuell auch die Eisen und Zinkwerte zu kontrollieren. Es kommt zwar eher selten vor, doch manchmal liegt die Essensverweigerung der Kinder gerade an einem Mangel dieser Spurenelemente und dieser Mangel verschärft sich dann noch weiter, wenn das Kind nicht isst. Bitte also zum einen Geduld bewahren, dem Kind fingergerechte Nahrung und gemeinsames Essen am Familientisch und mit anderen Kindern (Nachahmungseffekt) anbieten und einmal von der Kinderärztin/arzt nachschauen lassen. Versuche wirklich, die Ruhe zu bewahren, es kann gut sein, dass dein Kind von ganz alleine viel besser isst, wenn es dies DARF und nicht MUSS. Und auch wegen der Nacht hilft das Abstillen dir nicht weiter, denn auch Babys, die kugelrund sind und den ganzen Tag futtern, schlafen in diesem Alter nicht besser! LLLiebe Grüße Biggi Welter


Mum2015

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Die Maus schläft bei mir im Bett an mich gekuschelt auch mit Nukki gut ein. Zum Kuscheln braucht sie die Brust also nicht. Wenn ich sie ihr nicht gebe und sie so wieder in den Schlaf kuschel klappt das oft, aber nur kurz, dann wacht sie wieder auf und schreit, wenn sie länger nicht getrunken hat. Daher bin ich mir sehr sicher, dass sie tatsächlich Hunger hat!


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