Tortue80
Ich habe schon mehrere Antworten zu ähnlichen Themen hier im Forum gelesen und finde Ihren Ansatz grundsätzlich sehr schön. Meine Tochter ist knapp 11 Monate alt und wird fast noch voll gestillt. Beikost kommt bei ihr bisher nicht besonders gut an, feste Nahrung findet sie besser, kann aber noch nicht richtig damit umgehen. Unsere Nächte waren die ersten 6 Monate sehr gut, wurden seitdem aber immer schlechter. Im Moment sind wir nachts zwischen 4 und 10 x wach. Sie lässt sich jeweils nur durch die Brust beruhigen und trinkt dabei auch meistens. Einschlafen kann sie auch nur an der Brust, auch tagsüber. Bisher habe ich den Ansatz verfolgt, dass ich ihr das gerne ermöglichen möchte, solange sie das möchte und ich es durchhalte. Gestern wurde mir allerdings von einer Beraterin geraten, nachts abzustillen, da meine Tochter nur deswegen so schlecht schläft, weil ich sie nachts stille. Die Nahrung nachts sei in diesem Alter entgegen der Natur, da der Organismus so nachts nicht zur Ruhe kommt. Sie braucht die Nahrung nicht mehr und ich würde ihr dann auch keinen Gefallen tun, ganz im Gegenteil, ich behindere ihre Entwicklung und halte sie künstlich klein. Auch dass sie tagsüber noch nicht auf beikost anspricht liege daran, dass ich sie nachts abfüttere. Mein Ansatz, dass ich die so lange stillen möchte, wie die das braucht, wurde auch verneint, da es nie aufhören wird, da ihr Organismus sich darauf eingestellt hat, nachts Nahrung zu bekommen. Auch wenn ich grundsätzlich nach wie vor von meinem Weg überzeugt bin, so hat mich das Gespräch doch sehr getroffen und verunsichert.
Liebe Tortue80, diese Behauptung kommt immer wieder auf den Tisch, wird aber nicht wahrer dadurch ;-). Ihr Baby ist im ganzen ersten Jahr ein SÄUGling und braucht Milch und das auch noch in der Nacht. Ihr Kind wird von ganz alleine lernen, alleine einzuschlafen, ohne Druck und ohne Brüllen. Genauso wie Sie es beschreiben, machen es Mütter seit Urzeiten mit ihren Babys und es hat noch nie einem Baby geschadet. Es gibt keinen Grund, dass Sie etwas daran ändern müssen, wenn Sie Ihr Baby bei sich im Bett haben und nach Bedarf stillen und auch in den Schlaf stillen, es sei denn SIE persönlich stört etwas daran. Auch die immer wieder geäußerten Argumente, das Baby würde auf diese Weise verwöhnt oder es würde so nie lernen alleine einzuschlafen bzw. nie wieder aus dem Elternbett ausziehen, sind nicht stichhaltig. Babys in diesem Alter können noch nicht verwöhnt werden. Ich möchte Ihnen zu diesem Thema das Buch „Schlafen und Wachen ein Elternbuch für Kindernächte“ von Dr. William Sears empfehlen. Dr. Sears (Professor für Kinderheilkunde) hat zusammen mit seiner Frau Martha einige Bücher zum Thema Schlaf und Kindererziehung geschrieben, in die nicht nur sein Wissen als Kinderarzt sondern auch die reichhaltige eigene Erfahrung als achtfache Eltern eingeflossen sind. In „Schlafen und Wachen“ beschreibt er nicht nur, warum Kinder so schlafen, wie sie es nun einmal tun und wo sie am besten schlafen, er gibt auch Tipps wie Eltern und Kinder zu ruhigeren Nächten kommen können. Das Buch ist im Buchhandel, bei der La Leche Liga und bei jeder LLL Stillberaterin erhältlich. Sehr empfehlenswert ist auch von Sibylle Lüpold das Buch: "Ich will bei euch schlafen - Ruhige Nächte für Eltern und Kinder." Von ihr ist auch die Broschüre "Kinder brauchen uns auch nachts", in der 20 namhafte Experten wie Dr. William Sears, Prof. Dr. Gerald Hüther und Prof. Dr. Remo Largo gute Argumente liefern , weshalb von der Anwendung eines Schlaftrainings, wie zum Beispiel der Ferber-Methode, abzuraten ist. http://www.fuerkinder.org/files/broschre_kinder_brauchen_uns_auch_nachts_de.pdf Ich wünsche Ihnen weiterhin eine schöne und „einfache“ Zeit mit Ihrem Baby, hören Sie weiter auf Ihr Herz und lassen Sie sich nicht verunsichern! LLLiebe Grüße Biggi Welter
Tortue80
Ich wollte noch ergänzen, dass ich euer Argument mit unterschiedlichen Kulturen, die ihre Babys stillen und es nur nicht in unsere heutige Welt passt, dass Babies nicht durchschlafen...im Gespräch vorgebracht hatte. Hier wurde mir allerdings entgegnet, dass wir aber nicht mehr das Gespür besitzen, wie die Urvölker, die genau spüren, wann die Kinder Nahrung brauchen und wann nicht und daher auch nicht immer stillen und vor allem nachts gar nicht stillen, sondern schlafen.
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