jp_de
Hallo,
seit ein paar Tagen habe ich den Eindruck, dass ich weniger Milch habe. Mein Sohn ist 12 Wochen alt und wird voll gestillt. Bisher hatte ich nie den Eindruck dass er nicht satt wird. Er trinkt zwar stündlich seit der Geburt aber das ist ein anderes Thema. Jetzt merke ich die letzten Tage einen deutlichen Unterschied vor allem zum Abend hin aber seit heute auch schon ab Mittag dass die Brust weniger voll ist und er frustriert wirkt dass nichts kommt. Manuell scheint auch tatsächlich nichts raus zu kommen.
Geändert habe ich in den letzten Tagen nichts. Ich trinke Stilltee 1-2 Mal am Tag sowie alkoholfreies Weissbier und genügend Wasser wie sonst immer. Haferflocken zum Frühstück und sonst gute Ernährung / so wie immer die letzten Wochen. Das Einzige was schon anders ist: ich muss ebenfalls seit ein paar Tagen wirklich ständig aufs Klo. Als würde mein Körper gerade gar keine Flüssigkeit aufnehmen. Könnte das damit was zu tun haben und woran könnte es liegen? Es würde für mich schon Sinn machen, wenn der Körper nicht genügend Flüssigkeit aufnimmt wird die Milchbildung doch negativ beeinflusst?
Ich füttere wirklich ungern zu aber kann nicht zuschauen wenn er vor Hunger schreien muss. Könnte es sein dass ich tatsächlich zu wenig Milch habe wegen mangelnder Flüssigkeit? Ich habe schon versucht noch mehr und gut verteilt über den Tag zu trinken aber dann muss ich nur noch öfter aufs Klo, gefühlt fast direkt im Anschluss
Was könnte das sein?
Vielen Dank im voraus!
Kristina Wrede
Liebe jp_de, hm, ist merkwürdig... in der Regel liegt es an einer akuten Erkrankung oder starkem Stress, wenn die Milch nicht mehr fließen mag. Weiche Brüste sind irgendwann normal und sagen nichts über die verfügbare Milchmenge aus. Ich würde auch nicht übernäßig trinken. Solange du keine Anzeichen einer Exsikkose (Austrocknung) zeigst (deutlichstes Zeichen dafür: eine frisch gezogene Hautfalte auf dem Handrücken bleibt „stehen“), sollte auch die Milchproduktion nicht bedroht sein... Wenn du wirklich denkst, er bekommt zu wenig, dann fütter eher zu als dass er hungern muss. Allerdings wäre es gut, die zusätzliche Milch mit einem Löffel zu geben statt zur Flasche zu greifen. Denn damit könnte noch eine "Saugverwirrung" auftreten, so dass es schlechter an der Brust trinkt und das Problem zunimmt. Wie nimmt er denn bisher zu? Liegt er im "normalen" Bereich mit gut 150 Gramm pro Woche? Bei einem vier bis sechs Monate alten Stillkind beträgt die durchschnittliche Gewichtszunahme pro Woche noch 85 bis 142 Gramm. Wenn du noch ein wenig warten kannst, empfehle ich dir, ab jetzt und für 24 Stunden seine Windeln zu sammeln, dann zu wiegen und das Gewicht mit der gleichen Menge frischer Windeln zu vergleichen. Das erlaubt einen recht guten Rückschluss auf die tatsächlich getrunkene Menge. 400 - 500 Gramm Gewichtsunterschied wäre ok. Gleichzeitig würde ich dir die Brustkompression empfehlen, bei der in gleicher Stillzeit mehr Milch getrunken wird. (s.u.) Wenn du das machen kannst, schreib doch morgen Abend mal die Werte als Antwort. Mit der Brustkompression sollte es eigentlich schon einen deutlichen Unterschied machen.... Und nicht immer ist es Hunger, der die Babys unzufrieden sein lässt. Das kann ich aber von hier aus natürlich nicht beurteilen - daher der Windeltest... Lieben Gruß, Kristina Brustkompression "Der Zweck der Brustkompression ist den Muttermilchfluss zum Baby weiter zu erhalten, auch wenn das Baby selber nicht mehr so produktiv trinkt ("weit geöffneter Mund Pause dann Schliessen des Mundes"). Auf diese Weise wird das Baby länger weiter trinken. Die Brustkompression simuliert einen Milchspendereflex ("Letdown reflex") und oft stimuliert sie sogar tatsächlich das Auftreten eines natürlichen Milchspendereflexes. Diese Technik kann bei schlechter Gewichtszunahme eines Babys hilfreich sein. Die Brustkompression setzt den Milchfluss fort, wenn das Baby nicht mehr richtig von der Brust trinkt, sondern nur noch daran nuckelt, und bewirkt beim Baby folgendes: 1. Es bekommt mehr Muttermilch. 2. Es bekommt mehr fettreiche Milch (Hintermilch). Die Brustkompression Wie funktioniert sie? 1. Halten Sie das Baby mit einem Arm/einer Hand. 2. Halten Sie die Brust mit der anderen Hand, den Daumen auf der einen Seite der Brust (am einfachsten ist es, wenn der Daumen auf der oberen Seite der Brust positioniert ist), die anderen Finger auf der anderen, unteren Seite (C Griff). Alle Finger sollten ziemlich weit weg von der Brustwarze sein. 3. Schauen Sie wie das Baby trinkt (zu Ihrem Verständnis können Sie folgenden Video anschauen unter: www.thebirthden.com/Newman.html). Machen Sie sich keinen Stress, sie brauchen nicht jeden Schluck zu erwischen. Das Baby bekommt eine nahrhafte Menge Muttermilch, wenn es mit der Technik "Weit geöffneter Mund Pause dann Schließen des Mundes" trinkt. 4. Wenn das Baby nur noch an der Brust nuckelt und nicht mehr richtig mit der oben beschriebenen Technik trinkt, dann ist es Zeit, die Brustkompression einzusetzen. Rollen Sie nicht ihre Finger über die Brust zum Kind, sondern drücken sie nur. Aber nicht so sehr, dass es schmerzt und versuchen Sie, die Form des Brustwarzenhofes nicht zu verändern. Mit der Kompression sollte das Baby wieder anfangen effektiv zu saugen und schlucken, d.h. mit dem Typus "Weit geöffneter Mund Pause dann Schließen des Mundes". Benutzen Sie die Brustkompression nur dann, wenn das Kind nuckelt, nicht aber wenn es richtig trinkt! 5. Belassen Sie den Druck so lange, bis das Baby auch mit der Kompression nicht mehr richtig trinkt, dann lösen sie den Druck. Oft hört das Baby ganz auf zu saugen wenn der Druck wegfällt, aber es wird bald wieder damit anfangen, nämlich sobald die Milch wieder fließt. Falls das Baby nicht aufhört zu nuckeln warten Sie einen kurze Zeit, bevor Sie wieder mit der Brustkompression beginnen. 6. Die Gründe, wieso Sie den Druck lösen sollen sind einerseits, dass Sie Ihre Hand etwas ausruhen können und anderseits, damit die Muttermilch wieder zum Kind fließen kann. Das Baby wird, falls es aufgehört hat zu saugen als Sie die Kompression gelöst haben, nun wieder damit beginnen, wenn es die Milch wieder schmeckt. 7. Wenn das Baby wieder zu saugen beginnt kann es sein, dass es effektiv trinkt mit dem Typus "Weit geöffneter Mund Pause dann Schließen des Mundes". Falls dies nicht der Fall ist, d.h. das Kind nur nuckelt, benutzen Sie wieder die Brustkompression wie oben erklärt. 8. Fahren Sie so an der ersten Brust fort bis das Baby auch trotz der Kompression nicht mehr trinkt. Sie sollten dem Baby erlauben, noch eine kurze Weile länger an dieser Seite zu bleiben, da Sie manchmal einen erneuten "Let down" Reflex (Milchspendereflex) bekommen können. Das Baby würde dann von selber wieder zu trinken beginnen. Falls es jedoch nicht mehr trinkt, erlauben Sie ihm sich selbst von der Brust zu lösen oder nehmen sie es von der Brust. 9. Falls das Baby mehr möchte, offerieren Sie ihm die andere Seite und wiederholen den Prozess." (Quelle: Handout Nr. 15. Breast Compression. Revised Januar 2005 Verfasst von Dr. Jack Newman, MD, FRCPC. ©2005; www.BreastfeedingOnLine.com; Übersetzung von: Anke Käppeli Tinnes, IBCLC in Ausbildung, Zollikerberg, April 2006)
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