Feli1221
Hallo liebes Stillberaterinnen-Team, Ich habe eine reine Interessensfrage... ich bin selbst Therapeutin und beschäftige mich viel mit dem Thema Mutter-Kind-Beziehung... Ich lese hier und in anderen Stillforen immer wieder, dass mütterlich indiziertes Abstillen im frühen Kleinkindalter (um den ersten Geburtstag) zu einem schweren Bruch in der kindlichen Bindung zur Mutter führen würde. Gibt es hierzu fundierte wissenschaftliche Daten? Ist eine Mutter-Kind-Bindung nicht viiiiiiiel mehr? Kann das wirklich nur auf die funktionierende Stillbeziehung zurück geführt werden? Ist es nicht möglich, einem Baby/Kleinkind auch andersweitig Vertrauen/Geborgenheit/Nähe zu vermitteln? Bitte nicht falsch verstehen, ich bin absolut für das Stillen! Dennoch erlebe ich oft zu tiefst betrübte Frauen die von ihrem schlechten Gewissen regelrecht zerfressen werden, nur weil sie um die Bindung zu ihrem Baby/Kind fürchten, weil sie Schwierigkeiten mit dem Stillen haben, oder sich nach 1-2 Jahren nicht mehr wohl damit fühlen... Wie ist ihre Meinung dazu? Liebe Grüße
Kristina Wrede
Liebe Feli1221, ich kann mir nicht vorstellen, dass du hier bei uns gelesen hast (von Biggi oder mir geschrieben), dass mütterlich induziertes Abstillen um den ersten Geburtstag heruam zu einem schwerden Bruch der Mutter-Kind-Bindung führt. Du hast natürlich absolut Recht: Das Stillen selbst ist nur ein Element in diesem Bindungsgeflecht. Und natürlich kann eine sichere Bindung auch ganz ohne Stillen entstehen. Was die Bindung bedroht ist, wenn sich die Mutter für das Kind nicht vorhersagbar verhält, wenn bislang zuverlässige Antworten plötzlich nicht mehr kommen, bzw. kindliche Signale, die früher zeitnah und inhaltsorientiert beantwortet wurden ignoriert werden oder gar plötzlich negative Folgen hat (Schreien lassen, allein lassen, schimpfen, schütteln). Also eben so, wie es auch bei jedem anderen Bindungselement ist. Das Stillen ist wie gesagt nur eines davon... Genau aus dem Grund ist es uns hier wichtig, die Mütter daran zu erinnern, dass Stillen zwar gut und wichtig, aber nicht ALLES ist. Und wir trösten gern wie folgt: "Auch eine Mutter, die ihr Kind nicht stillen kann, ist eine gute Mutter. Stillen darf hier nicht überbewertet werden. Márta Guóth-Gumberger, IBCLC in Rosenheim, schreibt in Ihrem Text "Wenn es mit dem Stillen trotz allem nicht klappt": "Die biologische Möglichkeit, Ihr Baby zu stillen, ist manchmal nur theoretisch vorhanden, weil die Hindernisse so groß sind. Mangelnder Rückhalt in Familie und Umgebung, sehr große Anforderungen an die Mutter, Krankheit bei Mutter und/oder Kind, Stress, Angst, Sorge, zuwenig Unterstützung und Information von medizinischem Personal, falsch eingefädelte Verhaltensweisen in der Klinik, fehlende Information zur richtigen Zeit, Temperament und Saugtechnik des Babys, frühere Misserfolgserlebnisse beim Stillen und das gesellschaftliche Klima können einzeln oder in Kombination die Stillbemühungen der Mutter um den Erfolg bringen. Sie erleben dann vielleicht Versagensgefühle, aber halten Sie sich all die erschwerenden Faktoren in Ihrer Situation vor Augen. Denken Sie daran, dass Stillen zum Ziel hat, eine liebevolle Mutter-Kind-Bindung zu ermöglichen. Das Stillen erzwingen zu wollen, würde das Gegenteil bewirken. (...) Vielleicht klappt aber auch das nicht. Sie erleben in jedem Fall Trauer um den Verlust einer komplikationslosen Stillbeziehung bzw. einer Stillbeziehung überhaupt. Lassen Sie diese Gefühle der Trauer zu, aber bleiben Sie nicht bei ihnen stehen. Sie haben die Möglichkeit, auf andere Weise Ihrem Kind die Nähe, Geborgenheit und Bindung zu geben, die beim Stillen entstehen würden." Lieben Gruß, Kristina
Feli1221
Vielen Dank, für die aufschlussreiche Antwort!
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