Manuela O.
Guten morgen Frau Welter, ich muß mal wieder Ihre wertvolle Hilfe, für die ich sehr dankbar bin, in Anspruch nehmen! Gerade kommen wir von der U6. Mein Sohn feiert am 14.02. seinen 1. Geburtstag, läuft seit ca. 4 Wochen frei und wiegt 12.340 Gramm bei einer Größe von 80 cm. Größe und Gewicht passen also zueinander und alles ist zeitgemäß. Aber der Kinderarzt hat mir gesagt, daß ich ihn zu viel stille. Ich soll ihn nach den Beikostmahlzeiten nicht mehr trinken lassen und nachts muß er 12 Stunden ohne Nahrung auskommen können! Ich soll es ihm einfach "verbieten". Das gäbe zwar 2-3 Tage Theater, aber dann wäre es gut und er würde durchschlafen. Er würde nur so oft wach werden und weinen, weil ich ihn an das nächtliche Trinken gewöhnt hätte! Mein Sohn hat bisher noch keine Nacht im klassischen Sinn durchgeschlafen. Er schläft immer noch überwiegend im Familienbett, hat ca. alle 4 Stunden Hunger und bekommt 3 Beikostmahlzeiten (2 Breie und ein Mittagessen) mit anschließendem Stillen und 3x ausschließlich MuMi. Jetzt heißt es, ich würde ihn überfüttern und meine Muttermilch wäre nicht mehr sinnvoll und gut für ihn. Sie wäre voller Schadstoffe, die sich nun mal in allen Menschen ansammeln und die ich ihm somit füttere! Manchmal weiß ich nicht mehr, was richtig und was falsch ist! Ich will natürlich nicht, daß er wegen mir übergewichtig oder gar krank wird!!! Mich stört aber keine der Stillmalhlzeiten - für mich ist es bisher völlig normal gewesen, daß ein Baby auch mit einem Jahr noch Nachts stillt! Für mich wäre es viel schlimmer, mein Kind schreien zu lassen, damit er - vielleicht - irgendwann einfach weiter schläft anstatt essen zu wollen! Auch den "Nachschlag" nach der Beikost fand ich nie bedenklich! Die Breie mag er nämlich gar nicht ganz aufessen, aber satt scheint er ja nicht zu sein, wenn er danach noch trinkt?! Wenn ich ihm die 3x zzgl. der 2 Abend-/Nachtmahlzeiten entziehe, dann wird es doch definitiv zum Abstillen führen, oder nicht?! Es bliebe dann ja nur noch die Mahlzeit am frühen Morgen. Ich wollte aber so früh gar nicht abstillen, sondern mein Kind entscheiden lassen! Der Gedanke macht mich total traurig!!! Ich will weder abstillen und mein Kind durch "schreien lassen" quälen - aber genauso wenig will ich ihn krank machen!!! Was ist denn nun bloß richtig?! Bitte geben Sie mir einen Rat! Liebe Grüße! Manuela O.
Liebe Manuela O., da hat aber jemand das letzte Mal vor mehr als 20 Jahren etwas „Aktuelles" über das Stillen gelesen: ( Dass aufgrund der Schadstoffbelastung früher abgestillt werden soll, wird bereits seit Jahren nicht mehr empfohlen, im Gegenteil! In "Arzneiverordnung in Schwangerschaft und Stillzeit" von Schaefer und Spielmann, steht unter dem Titel "Stillen trotz Umweltbelastung": "Die positiven Wirkungen des Stillens sind erwiesen. Eine Beeinträchtigung des Säuglings über die "normale" Kontamination der Muttermilch wurde bisher nicht festgestellt. Öffentlicher Druck aufgrund der ökologischen Einsichten hat dazu beigetragen, dass die Schadstoffkonzentration in den letzten Jahren tendenziell abnimmt. Dies wird z.B. eindrucksvoll bestätigt durch die Auswertung der jahrelang gesammelten Messergebnisse in der Frauenmilch und Dioxin Humandatenbank des deutschen BgVV Institus (BgVV 2000 A). Es ist nicht mehr gerechtfertigt, die Stilldauer aufgrund der allgemeinen Schadstoffbelastung generell einzuschränken, wie dies noch vor 5 bis 10 Jahren empfohlen wurde." Dies allein sollte deinen Kinderarzt auf den neusten Stand der Wissenschaft bringen. Dr. Schäfer ist Leiter der Embryotox in Berlin, und gilt in der Fachwelt als Koryphäe. Es ist eine erfreuliche Tatsache, dass der Schadstoffgehalt der MuMi in den letzten Jahren kontinuierlich abgenommen hat, so dass Untersuchungen der MuMi schon lange nicht mehr notwendig oder empfohlen sind. Übrigens findet auch schon in der Schwangerschaft ein Schadstofftransfer zum Kind hin statt (und zwar viel direkter), ohne dass sich Frauen überlegen, ob sie deshalb vielleicht auf ein Kind verzichten sollten... Frau Prof. Przyrembel, Leiterin der Nationalen Stillkommission sagte in einem Artikel der Zeitschrift ELTERN: "...angesichts der stark verbesserten Schadstoffsituation können wir guten Gewissens allen Müttern raten, ihr Kind zu stillen, so oft und so lange sie wollen." Im Übrigen wäre es doch einmal interessant zu erfahren, warum nach 11 Monaten der Schadstoffgehalt deiner Milch zunehmen sollte? Wo kommen die Schadstoffe denn plötzlich her? Wir Mütter fragen viel zu selten nach, und lassen uns viel zu häufig überrumpeln, dabei ist nicht jeder Kinderarzt auch ein Experte in Sachen Muttermilch. Die meisten haben gerade mal irgendwann im Laufe des Studiums ein Seminar dazu belegt.... Die Empfehlung lautet, dass während der gesamten Stillzeit, die mindestens bis zum zweiten Geburtstag des Kindes dauern sollte, weiterhin nach Bedarf gestillt wird – auch in der Nacht! Es gibt keinen Grund, dass Du etwas daran ändern musst. Du kannst dein Baby bei dir im Bett schlafen lassen, und nach Bedarf stillen - und somit auch in den Schlaf stillen, es sei denn DICH persönlich stört etwas daran. Die immer wieder geäußerten Argumente, das Baby würde auf diese Weise verwöhnt oder es würde so nie lernen alleine einzuschlafen bzw. nie wieder aus dem Elternbett ausziehen, sind nicht stichhaltig. Babys in diesem Alter können noch nicht verwöhnt werden und Kinder, die sich den Platz im Elternbett NICHT erkämpfen oder ertrotzen mussten, ziehen von selbst aus dem Elternbett aus, sobald sie reif genug dafür sind. Im Gegensatz dazu wollen viele Kinder, die als Babys alleine schlafen mussten noch lange ins Elternbett, weil ihr Bedürfnis (noch) nicht gestillt wurde. Sobald ein Baby die nötige Reife hat, lernt es alleine (ein)zuschlafen und wird auch längere Schlafphasen haben. Ich möchte dir zu diesem Thema das Buch "Schlafen und Wachen ein Elternbuch für Kindernächte" von Dr. William Sears empfehlen. Dr. Sears (Professor für Kinderheilkunde) hat zusammen mit seiner Frau Martha einige Bücher zum Thema Schlaf und Kindererziehung geschrieben, in die nicht nur sein Wissen als Kinderarzt sondern auch die reichhaltige eigene Erfahrung als achtfache Eltern eingeflossen sind. In "Schlafen und Wachen" beschreibt er nicht nur, warum Kinder so schlafen, wie sie es nun einmal tun und wo sie am besten schlafen, er gibt auch Tipps wie Eltern und Kinder zu ruhigeren Nächten kommen können. Das Buch ist im Buchhandel, bei der La Leche Liga und bei jeder LLL Stillberaterin erhältlich. Auch sehr empfehlenswert ist von Sibylle Lüpold: "Ich will bei euch schlafen - Ruhige Nächte für Eltern und Kinder." LLLiebe Grüße Biggi
Manuela O.
Vielen lieben Dank für Ihre Antwort, Frau Welter! Ich kann mir auch nicht erklären, wie der KiA darauf kommt. Für ihn macht Stillen nach dem 6. Lebensmonat keinen Sinn mehr. :-( Aber wie ist es denn nun: wird mein Sohn tatsächlich überfüttert und dadurch übergewichtig, wenn ich nach der Beikostmahlzeit auch noch stille? Da MuMi ja keine "sinnlosen" Kalorien hat, dachte ich immer, es wäre völlig ok. Der KiA meinte aber heute, daß es mit den Kalorien der Beikost zusammen sehr wohl ein ZUVIEL ist. Wie gesagt: er bekommt noch immer die Menge, die der für Kinder mit 6 Monaten entspricht, weil er sonst gar nicht aufessen würde, also ca. 200g-Portionen. Bei den Breien läßt er sich nach hinten in meinen Arm fallen (ich füttere ihn auf meinem Schoß) und wendet sich der Brust zu, wenn er nicht weiter essen mag. Und dann trinkt er noch. Das würde er doch nicht bloß aus Gewohnheit tun, obwohl er eigentlich satt ist, oder?! Da mein Mann allerdings schon von Kindheit an Gewichtsprobleme hat, will ich da nichts "heraufbeschwören".
Liebe Manuela O, Babys gibt es in verschiedenen Größen und die Bandbreite ist da sehr groß. Wie ein Kind als Baby aussieht, sagt auch nichts darüber aus, wie es später als Erwachsener aussehen wird. Die Statur der Kinder ist genetisch festgelegt und bei einem Kind das nach Bedarf gestillt wird, ist nicht zu befürchten, dass dadurch der Grundstein für ein späteres Problem mit Übergewicht gelegt wird. Im Gegenteil, Stillen schützt vor Übergewicht. Das heißt jedoch nicht, dass nicht auch ein gestilltes Baby zwischendurch wie ein kleiner Buddha aussehen kann. Im Gegensatz zur (industriell) stark weiterverarbeiteten Nahrung enthält Muttermilch keine leeren Kalorien. Es gibt keinen Beweis dafür, dass ein gestilltes Kind, das rasch zunimmt, als Erwachsener Gewichtsprobleme haben wird. Im Gegenteil es gibt mehrere Untersuchungen, die zeigen, dass Stillen eindeutig vor Übergewicht schützt und dass dieser Schutz nicht nur im Kindesalter sondern auch beim Erwachsenen anhält. Das Fett, das sich in der relativ passiven Phase vor dem Krabbelalter möglicherweise ansammelt, stellt einen Vorrat für die sehr aktive Phase dar, in der das quirlige Krabbelkind keine Zeit zum Essen haben will. Im Alter von ein bis zwei Jahren werden die Kinder, die schnell zugenommen haben, gewöhnlich von alleine schlanker. Gerade Kinder, die nach Bedarf gestillt werden, behalten ein gutes Gefühl dafür, wann sie satt sind, denn sie entscheiden ja selbst, wann und wie viel sie trinken. Also keine Sorge, durch das Stillen nach Bedarf wird sicher nicht den Grundstein für spätere Gewichtsprobleme gelegt. LLLiebe Grüße, Biggi
Manuela O.
Vielen Dank nochmal, Frau Welter! Sie haben mir - wie immer - sehr geholfen! Eine schöne Woche wünsche ich Ihnen noch! Liebe Grüße! Manuela O.
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