Claclade
Hallo Frau Welter, wir hatten vor 10 Tagen telefonisch miteinander gesprochen. Meine Tochter, 10 Monate, fast noch voll gestillt, kaum INteresse an anderer Nahrung. Wir haben es mit Fingerfood probiert, wird nur auf den Boden geschmissen. Brei löffelt sie sich selbst 3-max. 10 Löffel selbst in den Mund danach ist aber alles zu viel, wird rumgeschmissen, gemotzt und sie will trinken. Der Kinderarzt hat heute Morgen kein Handlungsbedarf bezüglich Eisen und Zink gesehen. Sie ist topfit! Ich möchte tagsüber abstillen um einfach wieder auch ein Eigenleben haben zu können, wenigstens stundenweise. Und in 10 Wochen gehe ich wieder 2 volle Tage/Woche arbeiten. Abends und nachts stillen kann ich dann erst mal beibehalten damit nicht zu viel Veränderung für sie und wie Sie sagten, etwas Vertrautes für uns beide, wenn ich heim komme. Da ich eine 7-tägige Reise ohne Kinde Ende Nov/Anfang Dez. geplant habe (Vater betreut sie dann) wäre mein Ziel sie bis dort hin auch nachts abzustillen. Kinderarzt riet heute Morgen dazu ihr zu einer bestimmten Mahlzeit nicht die Brust anzubieten sondern Brei und mir etwas einfallen zu lassen um ihr die nötige Nähe anderweitig zukommen zu lassen, denn sie hat wohl noch diesen Stillbedarf weil sie die Nähe benötigt. Wenn sie Hunger hat, wird sie das was ich ihr anbiete, essen. Da ich regelmäßige Termine (auch schon vor der Geburt) haben Vater oder Omas Tochter für die 1-3 Stunden betreut. Klammert sie vielleicht deshalb an mir, vor allem nachts weil sie tagsüber Verlustängste hat? Ich verabschiede mich immer und es gab nie Tränen und wenn ich wieder da bin freut sie sich sehr. Wie sollte ich vorgehen, ohne ein Trauma hervorzurufen? Sie schläft nachts erst im Beistellbett und rollt dann irgendwann zu mir rüber. Das kann auch gerne noch so bleiben. Sie nimmt keinen Schnuller und Flasche nur zum drauf rum kauen und ggf. ein paar Schlucke zu trinken (aber nur Wasser und ggf. etwas MuMi). So wie es aussieht, kommen gerade die 2 Zähne unten durch das Zahnfleisch und oben sie man "weiße Taschen" unter dem Zahnfleisch (keine Spitzen/Wölbungen zu fühlen). Danke für Ihre tolle Arbeit und Unterstützung!!! Viele Grüße Claclade
Liebe Claclade, Stillen ist viel, viel mehr als nur Nahrung für den Körper und deshalb bedeutet Stillen nicht nur, dass das Kind Mahlzeiten an der Brust zu sich nimmt. Das sollte Ihnen absolut bewusst sein, wenn Sie Ihr Kind abstillen: Sie ersetzen nicht einfach nur ein Nahrungsmittel durch etwas anderes. Auch wenn Sie Ihr Kind jetzt hungern lassen, wird es wahrscheinlich erst einmal nicht besser essen und ich habe auch keinen Tipps, wie Sie das schaffen können ohne Kampf und Druck. Wenn Sie jetzt für sich beschlossen haben, dass Sie Ihre Tochter abstillen wollen, so kann ich Ihnen nur davon abraten es auf durch "kalten Entzug" zu tun. Dies kann zu einem schweren Bruch in der Beziehung zwischen Ihnen und Ihrem Kind. Ich werden Ihnen jetzt ein paar weniger drastische Methoden beschreiben, die sich beim Abstillen eines älteren Kindes bewährt haben, vielleicht ist ja etwas dabei, was Ihnen weiterhilft: Eine Methode, die sich beim allmählichen Abstillen bewährt hat heißt "biete nicht an, lehne nicht ab". Das bedeutet, dass Sie Ihrem Kind die Brust nicht von sich aus anbieten, aber auch nicht ablehnen, wenn es danach verlangt. Viele Kinder wurden auf diese Weise abgestillt. Eine weitere Möglichkeit heißt Ablenkung. Durch Ablenkung abzustillen bedeutet, Ihre Gewohnheiten von Tag zu Tag erheblich zu verändern. Sie müssen die vertrauten Stillsituationen vermeiden und neue Betätigungsfelder schaffen. Für das eine Kind kann das bedeuten, dass Sie viel häufiger Ausflüge zu Orten unternehmen, die Ihrem Kind gefallen und wo es viele Menschen und viel Trubel gibt. Für ein anderes Kind bedeutet dies vielleicht, das Leben erheblich ruhiger zu gestalten, um Situationen, die es als bedrohlich empfindet, zu verringern. Es kann auch ablenkend wirken, wenn Sie Ihr übliches Verhalten in bestimmten Situationen verändern. Wenn Sie zum Beispiel sitzen bleiben anstatt sich hinzulegen, wenn Sie Ihr Kind zum einschlafen bringen. Andere Möglichkeiten sind Vorlesen, Singen oder vielleicht ein neues Spielzeug. Manchmal ist es sinnvoll, wenn der Vater das abendliche Zubettbringen übernimmt. Manchmal bringt es das Abstillen auch weiter, wenn Sie das Stillen immer dann, wenn Ihr Kind diesen Aufschub verkraften kann, für eine Weile verschieben. Das können Sie flexibler handhaben als den Vorsatz eine bestimmte Stillmahlzeit ausfallen zu lassen. Sie können auch versuchen die Stillzeiten zu verkürzen. Viele Mütter haben festgestellt, dass es wirksam und relativ wenig belastend ist, ein Kind so oft anzulegen, wie es möchte, aber es nicht so lange zu stillen. Sie können Ihr Kind eine kleine Weile anlegen und ihn dann ablenken oder ihm etwas zu essen anbieten. Womöglich wäre "punktuelles Abstillen" eine Lösung für Sie. Es ist eine Alternative zum vollständigen Abstillen. Damit meine ich, dass zu bestimmten Zeiten nicht mehr gestillt wird oder Sie versuchen Ihr Kind davon zu überzeugen, nach einer ausreichend langen Zeit an der Brust, etwas anderes zu tun. Außerdem möchte ich Ihnen das Buch "Wir stillen noch über das Leben mit gestillten Kleinkindern" von Norma J. Bumgarner empfehlen. Das Buch ist im Buchhandel oder bei der La Leche Liga und bei jeder LLL Stillberaterin oder im Stillshop auf dieser Seite erhältlich. Zum Schluss noch etwas, was unter Umständen paradox klingt: einige Kinder stillen sich von alleine ab, sobald ihre Mutter die Abstillbemühungen aufgibt. LLLiebe Grüße, Biggi
Claclade
Liebe Frau Welter, vielen Dank für die sehr ausführliche Antwort. Im Prinzip ist das alles nichts Neues für mich und eigentlich handele ich auch immer danach. Der Kinderarztbesuch hat mich nur wieder verunsichert. Das geht zurzeit super schnell. Der Kinderarzt hat 3 Kinder, 30 Jahre Erfahrung und die Arzthelferin, eine Bekannte von mir, hat auch 3 Kinder und hat auch gesagt, dass es ganz einfach ist, es funktioniert. Eine andere Bekannte, 2 Kinder, die ich eigentlich von ihrer Einstellung diesem Forum zugeordnet hätte, hat die Aussage des Kinderarztes nur bestätigt, ging sogar weiter mit nachts halt auch mal Schreien lassen. Es funktioniert ja (Anm: nur ihre Tochter kommt mit ihren knapp 5 Jahren heute noch jede Nacht zu ihr ins Bett) Das besagte Buch habe ich von meiner Stillberaterin. Ich versuche auf Durchzug zu schalten und lasse meine Tochter einfach und vertraue drauf, dass sie dann "ganz schnell" von alleine aufhört. Was zurzeit ohne Tränen und Protest machbar ist, ist das punktuelle Abstillen. Die Nebenmahlzeiten lasse ich einfach wegfallen und biete ihr andere Sachen und Wasser an und lenke ab. Die Nebenmahlzeiten sind nicht so üppig ihrerseits. Das könnte ganz gut klappen. Vielen Dank für Ihre Hilfe! Gruß Claclade
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