Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

Freiheit für Mama

Frage: Freiheit für Mama

Lela123

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Liebe Biggi, liebe Kristina, ich lese schon lange Eure hilfreichen Antworten, finde aber zu unserem Thema derzeit nicht die richtigen Informationen. Deshalb hier meine (zugegeben, umfangreiche) Fragestellung: Unsere Tochter ist jetzt 6,5 Monate alt. Wir hatten beim Stillen einen schwierigen Start (mit Zufüttern+Abpumpen), weil ich heftige Rückenbeschwerden hatte, haben uns aber innerhalb 8 Wochen - oft dauerstillend - zum Vollstillen zurückgekämpft. Die Stillabstände waren lange weiterhin sehr kurz, mittlerweile sind es zwei bis drei Stunden, nachts auch mal vier, aber - eben nach Bedarf - unkalkulierbar. Nun ist es so, dass mir mittlerweile oft heftig die Decke auf den Kopf fällt und ich mich in meinem Körper immer unwohler fühle (Ich habe weiterhin 10kg plus und nehme stressbedingt zu statt ab). Ich bin 24 Stunden verfügbar und kann mich um mich selbst so gut wie gar nicht kümmern. Ich habe weiterhin starke Rückenbeschwerden, weil die Kleine viel getragen werden will, und tagsüber auch nur noch entweder in der Trage oder an der Brust im Bett (nur im Dunkeln) einschläft. Länger als 30min schläft sie nicht, also tagsüber keine echte Pause für mich. Federwiege hilft nicht mehr, im Kinderwagen und im Autositz schreit sie, als sei sie allein auf der Welt. Mein Mann kümmert sich super, wenn er da ist, aber er kann sie eben nicht stillen, und zum Schlafen bringen kann er sie nur in der Trage, was ihm auch auf den Rücken geht. Flasche haben wir nach der Rückkehr zum Vollstillen nur noch einmal probiert (mit aufgetauter Muttermilch), da hat sie nichts getrunken und 45min geschrien, bis ich wieder zu Hause war. Schnuller will sie nicht. Brei habe ich im 6. Lebensmonat 3 Wochen lang täglich vergeblich versucht und dann erstmal aufgegeben - sie bekommt jetzt Fingerfood, das sie auch begeistert ausprobiert. Bis sie damit vom Stillen wegkommt, kann es aber ja noch ewig dauern. Mein Problem hört Ihr sicher schon raus: Wie komme ich mal zu Zeit für mich? Ich will Sport machen, meinen Körper wieder positiv fühlen, die Verspannungen loswerden... Dafür reichen die Stillpausen einfach nicht. (Sportkurse mit Baby sind nicht das, was ich brauche.) Ist Abstillen zugunsten der Flasche der einzige Weg? (Würde sie vielleicht Säuglingsnahrung eher aus der Flasche akzeptieren als aufgetaute Muttermilch?) Oder kann ich die Beikostakzeptanz irgendwie beschleunigen? Soll ich trotz Ablehnung immer wieder Brei versuchen, war ich zu früh dran bzw habe ich es nicht lang genug probiert? Meine Vorstellung war irgendwie, dass ich um die Flasche herum komme und sie von der Brust direkt zum (Brei-) Essen übergeht... Dazu kommt, dass wir Mitte August die Kita-Eingewöhnung beginnen. Wie soll das gehen, wenn sie bei diesen Einschlafbedürfnissen bleibt? Und wenn sie noch nicht tagsüber abgestillt ist bis dahin? Es sind noch vier Monate, aber die gehen schnell rum... Und: Wie kann mein Mann mal einen Abend übernehmen? Wenn er bisher versucht hat, sie zum Schlafen zu bringen, hat sie sich innerhalb weniger Minuten regelrecht in Panik geschrien. Dann bin ich schließlich notfallkommandomäßig mit der Brust "dazwischengesprungen". Ist es unrealistisch, dass er sie ins Bett bringt, so lange sie üblicherweise vor dem Einschlafen bzw zum Einschlafen stillt? (Bei mir schläft sie abends nach dem Stillen auch mal ohne Brust ein, allerdings nur mit vollem Körperkontakt, Singen, Schuckeln etc. - d.h. sie "kann" es, theoretisch.) Die Nächte sind verhältnismäßig gut mittlerweile, daran will ich nichts ändern (gerade weil sie tagsüber nur so wenig schläft): Sie schläft ca. von 19 bis 7 Uhr, mit 2-4 Stillunterbrechungen. Etwa zwischen 23 und 5 Uhr schläft sie im Beistellbett, davor und danach bei uns. Dass ich sie immer ins Bett bringe, bedeutet aber auch, dass ich seit mehr als einem halben Jahr nach 18 Uhr die Wohnung nicht mehr verlassen habe. Das halte ich nicht mehr lange aus... Das ist jetzt sehr umfangreich geworden. Ich weiß gerade einfach nicht mehr, wo wir ansetzen sollen. Einerseits will ich meiner Tochter ermöglichen, so zu sein, wie sie ist, und ihren Bedürfnissen folgen, so gut es geht. Andererseits will ich dabei selbst nicht auf der Strecke bleiben. Ich bin weiterhin glücklich und stolz, dass wir es zum Vollstillen zurück geschafft haben. Aber irgendwie hängt seitdem alles an mir allein... Danke für Eure Einschätzung, und jedweden Tipp. Viele Grüße!


Biggi Welter

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Liebe Lela123, ich verstehe es gut, dass Du Dich wieder nach mehr Freiheit sehnst, aber Dein Baby ist gerade sechs Monate alt und selbst das Abstillen wird Dein Baby nicht weniger anhänglich machen. Das Verhalten deines Kindes wird sicher von manchen Menschen als extrem anhänglich oder mutterfixiert bezeichnet, doch es ist ein vollkommen normales Verhalten für ein Baby. Es ist sogar wichtig, dass ein Kind zunächst eine feste und verlässliche Bindung zu einer Person aufbaut (und diese Person ist bei einem gestillten Kind naturgemäß fast immer die Mutter). Aufbauend auf dieser Erfahrung kann das Kind dann später seinen Horizont erweitern und Beziehungen zu anderen Menschen aufbauen. Doch das „Fundament" der engen Beziehung zur ersten Bezugsperson sollte fest sein und so zum Fundament der Beziehungsfähigkeit und Bindungsfähigkeit überhaupt zu werden. Wie schnell oder langsam das Kind dann seine Fühler ausstreckt und Kontakt zu anderen aufnimmt und dort Bindungen knüpft ist ebenso wie das Laufenlernen oder Sprechen von Kind zu Kind verschieden. Jedes Kind hat da seinen eigenen Zeitplan. Deine Sorge um die Kita ist natürlich total nachvollziehbar. Trotzdem möchte ich dich einladen, deiner Maus die verbleibende Zeit einfach zu "schenken". Nimm jeden Druck raus, der momentan zwischen euch steht. Dränge sie nicht zum Essen, nicht zum Schlafen, zu überhaupt nichts. So merkwürdig es klingen mag: Oft hilft genau dieses Verhalten, das "Loslassen und Annehmen" der Mütter den Kindern dabei, das gleiche zu tun. Während sie auf Druck nur mit Verkrampfung reagieren, weil sie sich reflexartig schützen müssen vor dem, was das Außen von ihnen will und was ihnen nicht gut tut. Noch nicht... In der Kita sind andere Regeln und dein Kind wird sich dort eingewöhnen, es muss nicht abgestillt werden! Ich kann dich hoffentlich beruhigen: Unsere Kinder sind super clever, sie spüren genau, was Sache ist und dass die Kita ein anderer Ort ist als Zuhause, mit anderen Abläufen. Und sie schaffen es... Es wäre super, wenn es Euch möglich wäre, die Kita-Eingewöhnung ganz sanft zu machen, so dass sie nicht gleich den ganzen Tag dort ist sondern zunächst einmal nur ein paar Stunden. So kann sie allmählich Vertrauen aufbauen, und das wird es ihr leichter machen, dann auch einzuschlafen. Die anderen Kinder machen es ihr ja auch vor. Zuhause üben bringt nichts, denn sie wird nicht verstehen, was los ist. Wirklich, vertraue darauf: Sie wird es schaffen, und je langsamer die Eingewöhnung sein kann, desto leichter wird es ihr - und dir - fallen! In meiner Gruppe hatte ich eine Mutter, die jeden Abend Sport gemacht hat. Zweimal in der Woche war sie laufen und der Papa ist mit dem Baby im Tragetuch einfach mit, wenn sie im Studio war, ist der Papa auch da mit und hat das Kind dann in den Kinderwagen gelegt, wo es wunderbar geschlafen hat. Wollt Ihr das mal ausprobieren? Es ist wichtig, dass es auch DIR gut geht und Du sollst auf nichts verzichten und mit ein paar Tricks schafft Ihr das auch. Dein Baby wird täglich reifer und größer und es WIRD besser werden, das kann ich Dir versprechen. Ganz liebe Grüße, ich hoffe, Du bist nicht enttäuscht von meiner Antwort Biggi


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