Baby kann Nachts nicht mehr schlafen.

 Biggi Welter Frage an Biggi Welter Stillberaterin der La Leche Liga Deutschland e.V.

Frage: Baby kann Nachts nicht mehr schlafen.

Guten Morgen. Ich habe ein Problem, mein kleiner 7 Monate alt. Schläft nachts sehr unruhig, ist stellenweise lange wach in der Nacht und lässt sich schwer beruhigen. Er schläft bis ich ins Bett gehe in seinem Beistellbett (muss alle 1:20 h zum stillen hoch). Wenn ich dann ins Bett gehe (spätestens nach fünf Minuten wenn ich liege) wacht er auf und ich muss ihn zu mir ins Bett holen und ausgiebig stillen damit er wieder einschläft. Dann bekommt er den Schnuller und schläft wieder ca. 50 min oder auch 1:20h. Dann wird wieder gestillt. Er liegt die ganze Zeit an meiner Seite bei mir im Bett (also hat immer Körperkontakt). Das Problem ist, dass ab ca. 1 Uhr oder 2 Uhr, anfängt zu weinen und eine sehr lange Wachphase hat (können auch mal 2h sein). Ich bekomme ihn auch nicht mehr durch Stillen und Wiegen zum schlafen und somit liegen wir alle die ein zwei Stunden wach im Bett. Er quängelt aber die ganze Zeit und jammert weil er müde ist und nicht mehr schlafen kann und ich weiß nicht wie ich ihm helfen kann, dass macht mich traurig..Wenn er dann endlich wieder eingeschlafen ist dann ist er wieder ab 4:30/5:00 Uhr wach und die Nacht ist vorbei. Ich bekomme ihn nicht mehr zum schlafen obwohl er sichtlich müde erscheint. Um 6:30 Uhr steh ich dann mit ihm auf weil ich davor immer noch die Hoffnung habe das er nochmal einschläft. Vor ein paar Monaten hab ich ihn noch durch das stillen beruhigt bekommen, aber das funktioniert seit ca. 3 Monaten nicht mehr ab dem frühen morgen. Was mache ich falsch? Störe ich ihn vielleicht und er wacht wegen mir auf? Aber alleine in seinem Beistellbett mag er auch nicht schlafen. Ich bin so ratlos... Liebe Grüße Michelle

von Michelle6488 am 14.07.2022, 09:27



Antwort auf: Baby kann Nachts nicht mehr schlafen.

Liebe Michelle, das ist für euch alle gerade ein sehr schwere Situation, Schlafentzug ist Folter…… Als Eltern glauben und hoffen wir immer auf eine lineare Weiterentwicklung der Fähigkeiten unserer Kinder. Beim Schlafverhalten können wir jedoch nicht davon ausgehen, dass die Entwicklung kontinuierlich verläuft, im Gegenteil, relativ viele Babys schlafen mit zwei Monaten deutlich länger und anhaltender als mit vier oder acht Monaten. 

Die Kinder beginnen um diesen Zeitraum die Welt sehr konkret zu erleben, sie müssen das am Tag Erlebte in der Nacht verarbeiten, sie lernen neue Fähigkeiten (umdrehen, robben, krabbeln, gezieltes Greifen ...), sie beginnen den Unterschied zwischen fremd und bekannt zu erkennen. All dies ist ungeheuer aufregend und auch anstrengend. Dazu kommt, dass sich die Zähne verstärkt bemerkbar machen, dass vielleicht die erste Erkältung kommt und, und, und ... 

Der scheinbare Rückschritt im Schlafverhalten ist eigentlich ein Fortschritt, denn er zeigt, dass die Entwicklung des Kindes voranschreitet. 

Ein Baby muss eine gewisse Reife erreichen, um längere Zeit schlafen zu können. Wann dieser Zeitpunkt erreicht wird, ist von Kind zu Kind unterschiedlich.

Ich kann dich natürlich sehr gut verstehen und stimme dir zu, dass das so nicht weitergehen sollte.

Das Verhalten deines Kindes ist nicht unnatürlich oder falsch, doch es belastet dich und darum darfst du was ändern.

Bekommst du tagsüber überhaupt keine Hilfe, damit du dich mal ausruhen und entspannen kannst? Bitte doch den Arzt wegen chronischer Erschöpfung um eine Haushaltshilfe, deine Kasse übernimmt die Kosten, wenn er das attestiert. So könntest du für eine Weile etwas zur Ruhe kommen.

Wenn das alles nicht hilft, solltest du dich nicht scheuen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ich weiß nicht, ob es bei dir in der Umgebung zum Beispiel eine Erziehungsberatungsstelle gibt. Das Wort "Erziehungsberatungsstelle" klingt für dich jetzt möglicherweise erschreckend, muss es aber nicht. Dort arbeiten Fachleute der unterschiedlichsten Disziplinen, die mit dir zusammen nach einem Weg suchen können, wie Du ganz individuell auf dein Kind eingehen kannst und wie ihr euer Zusammenleben möglichst gut gestalten könnt.
Wichtig ist auch, dass du weißt, dass dies zwar eine lange Phase ist, aber sie WIRD vorbei gehen! Bis dahin ist es meist einfacher, das Drumherum zu ändern, als das Baby.

Sehr empfehlenswert ist von Sibylle Lüpold das Buch: "Ich will bei euch schlafen - Ruhige Nächte für Eltern und Kinder.“


Es tut mir leid, wenn ich nicht mehr helfen kann und wünsche dir von Herzen, dass sich die Situation bald entspannt!

Herzlichen Gruß
Biggi

von Biggi Welter am 14.07.2022



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