Frage im Expertenforum Stillberatung an Kristina Wrede:

Abstillen

Frage: Abstillen

Mitglied inaktiv

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Hallo, mein Sohn (bald 10 Monate) kommt zur Zeit nachts alle 2 Stunden, manchmal sogar schon wieder nach 1 Stunde. Er ist es auch gewohnt, an der Brust einzuschlafen. Wenn er gegen 18/18.30 Uhr seinen Abendbrei bekommt, will er gegen 20 Uhr zum Einschlafen wieder gestillt werden. Das kann ja eigentlich kein Hunger sein. Ich hatte mir vorab das Ziel gesetzt, ein Jahr zu stillen. Da ich mittlerweile aber auch ziemlich geschlaucht bin und abends auch mal gern wieder ausgehen würde, möchte ich meinen Sohn nun langsam nachts an die Flasche gewöhnen. Er hat Hautprobleme und ich muss begleitend zu seiner Therapie auf Nahrungsmittel verzichten, die er nicht verträgt. Leider gelingt es mir nicht gut, mein Gewicht zu halten. Da ich sehr schlank bin, ist der Wunsch nach dem Abstillen noch verstärkt. Wie gehe ich nun am besten vor? Wann gebe ich ihm die erste Flasche ? Schon zum Einschlafen? Vielen Dank für Ihre Antwort! Beste Grüße Natascha G.


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Liebe Natascha, Dabei gehst du am besten so vor, dass du dein Kind zunächst anlegst, aber es sich nicht vollständig satt trinken lässt, sondern ihm anschließend noch die Flasche anbietest. Bei manchen Kinder empfiehlt sich auch die umgekehrte Vorgehensweise, zuerst Flasche anbieten und anschließend noch die Brust, das musst du einfach ausprobieren. Allmählich steigerst du die Menge der Flaschennahrung, bis die Mahlzeit vollständig ersetzt ist. Etwa im Abstand von mindestens einer Woche kannst du dann mit dem Ersetzen der nächsten Mahlzeit durch künstliche Säuglingsnahrung beginnen. Mit welcher Mahlzeit du anfängst, bleibt dir überlassen. Nach Möglichkeit sollten nicht zwei unmittelbar aufeinander folgende Stillzeiten direkt nacheinander ersetzt werden. So gewöhnt sich auch deine Brust ganz in Ruhe an die immer weniger werdenden Stillzeiten. Besprich mit deinem Kinderärztin/-arzt, welche künstliche Säuglingsnahrung du verwenden sollten. Pre Nahrung kann wie Muttermilch nach Bedarf gegeben werden und ist als Ersatz für die Muttermilch für das gesamte erste Lebensjahr (bis das Kind an normale Kuhmilch gewöhnt werden kann) geeignet. Wenn dein Kind allerdings allergisch veranlagt ist, verträgt er wahrscheinlich nicht jede beliebige Milch. Für das komplette Abstillen solltest du in etwa sechs bis acht Wochen einrechnen, dieser Zeitraum ist realistisch, wenn du Probleme mit der Brust vermeiden willst, und sie gibt auch dem Kind Zeit, sich an die Umstellung zu gewöhnen. Dein Baby wird den Verlust des Stillens als schmerzlich empfinden. Versuche, ihm möglichst viel Aufmerksamkeit zu geben und halte soviel Körperkontakt wie nur möglich. Bedenke auch, dass ein Baby ein hohes Saugbedürfnis hat und biete ihm daher Ersatz (z.B. durch einen Beruhigungssauger oder den Finger an). Kinder trinken ja nicht nur aus Hunger an der Brust, sondern in diesem Alter auch deshalb, weil sie an Mutters Brust Ruhe und Geborgenheit finden. Also solltest du auch darüber nachdenken, was du mit deinem Sohn machst wenn er aufwacht und deine Nähe sucht. Ganz egal ob mit oder ohne Stillen, dein Kind sucht dich, weil er bei dir Schutz und Sicherheit findet. Es ist ein normaler entwicklungsphysiologischer Verlauf, dass Babys in diesem Alter nachts (wieder) vermehrt aufwachen. Dieses Aufwachen ist entwicklungsbedingt und steht im Zusammenhang mit durchbrechenden Zähnen, Alpträumen und den vielen vielen Eindrücken, die die Kleinen zu verarbeiten haben. Deshalb ist das Abstillen auch keine Garantie für angenehmere Nächte. Und "Jedes Kind kann schlafen lernen" ist nicht die geeignete Lösung in dieser Phase des Lebens eines Kindes. Lieben Gruß, Kristina


Mitglied inaktiv

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Liebe Kristina, vielen, lieben Dank für die Antwort. Wie lange dauert denn in etwa dieser nächtliche entwicklungs-physiologischer Verlauf? Und wann wäre ein besserer Zeitpunkt zum Abstillen? Viele Grüße, Natascha


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Liebe Natascha, das kann ich dir nicht klar beantworten. Bei vielen Kindern dauert er lang, und erst im 2. Lebensjahr wird es ruhiger. Bei anderen geht es schneller. Was nun nicht bedeutet, dass du noch ewig weiter stillen musst, denn du hast IMMER ein Recht darauf zu sagen, es reicht. Du kannst es einfach ausprobieren, in dem du eine "stillfreie Zeit" mit ihm vereinbarst, die dir wenigstens ein wenig "Luft" bzw. "Unabhängigkeit" verschafft. Wenn du so z.B. die Nächte stillfrei bekommen möchtest, erkläre Deinem Kind schon bei Tag, was sich in der Nacht ändern wird, und versuche, Signale zu definieren, die es wieder erkennen kann (z.B. "erst wenn der Radiowecker angeht, dann darfst Du trinken") und die sich eventuell anpassen lassen (den Radiowecker kann man etwa jeden 2. Tag eine viertel Stunde nach hinten programmieren, so dass die Pause immer länger wird). So wird die Nacht allmählich stillfrei. Wenn sich Dein Kleiner dann in der Nacht beschwert, dass es nicht trinken darf (und das kann es natürlich nur durch weinen oder schreien), dann tröste ihn und sprich liebevoll-beruhigend mit ihm, und gestehe es ihm auch wirklich zu, sauer zu sein, aber bleib konsequent beim „Nein“, bis der vereinbarte Zeitpunkt (z.B. der Radiowecker geht an) für das Stillen gekommen ist. Dann jedoch solltest Du auch von Dir aus Deinem Kind die Brust anbieten – so lernt er, dass er sich auf Dein Wort verlassen kann. Gegebenenfalls kannst Du ihm während der Nacht einen Schluck Wasser oder auch einen Schnuller anbieten. Ehrlicherweise muss ich dazu sagen, dass die ersten Nächte zwangsläufig sehr unruhig sein werden. Doch in der Regel akzeptieren Kinder relativ schnell die neuen "Spielregeln", je älter sie sind, desto einfacher. Einen "Knacks" beim Kind brauchst du nicht befürchten, denn du stehst ihm ja bei. Nur wenn sich dein Sohn jedoch über längere Tage hinweg immer weiter dagegen sperrt, oder gar tagsüber extrem anhänglich wird, oder eine stärkere Hautreaktion zeigt, dann weißt du, dass es für ihn noch zu früh ist und du vielleicht einfach noch ein paar Monate warten solltest. Lieben Gruß, Kristina


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