Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

Abstillen

Frage: Abstillen

Mitglied inaktiv

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Liebe Biggi, mein Sohn ist 13 Monate alt und ich stille ihn. Das Stillen hat von Anfang an prima geklappt, aber er isst jetzt auch gut vom Tisch mit. Im Prinzip braucht er das Stillen am Tag nicht mehr, denn da ich wieder arbeite, geht er an drei Tagen in der Woche zu einer Tagesmutter oder zur Oma. Wir waren soweit, dass er nur noch abends, nachts und morgens gestillt hat. In den letzten Wochen hatte er allerdings eine "Mama-Krise", d.h. er hat sehr geweint und an mir geklammert, wenn ich gehen wollte/musste. Da habe ich ihn aus Mitleid/schlechtem Gewissen, weil ich Rabenmutter arbeiten gehe, auch tagsüber an die Brust genommen, wenn er das wollte. Das ist mir aber zu viel geworden, weil er auch wieder an der Brust einschlafen wollte, was wir vorher erfolgreich abgewöhnt hatten. Er schläft aber deutlich besser, wenn er nicht an der Brust, sondern alleine im Bettchen einschläft. Jetzt habe ich doch langsam das Bedürfnis, ihn abzustillen, möchte dies aber sanft nach und nach angehen. Erstmal möchte ich wieder zum Ausgangspunkt, d.h. tagsüber nicht stillen und abends alleine einschlafen. Das haben wir heute auch geschafft, obwohl es nicht einfach war, denn er fordert die Brust inzwischen ziemlich vehement ein. Leider wacht er nachts noch oft auf (ca. 3mal, mal mehr, selten weniger) und es ist einfach sehr bequem, ihm dann einfach die Brust zu geben und ihn dann wieder hin zu legen. Ich bin ziemlich ratlos, weil ich nicht weiß, wie ich das Abstillen ohne allzuviel Tränen hinbekommen soll. Schonmal vielen Dank für eine Antwort. Melanie


Biggi Welter

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Liebe Melanie, Ihr Sohn spürt, dass Sie sich ihm entziehen wollen und das macht ihn unsicher, so dass er noch mehr "klammert", noch stärker Ihre Nähe und die Geborgenheit an der Brust sucht. Das Abstillen jetzt mit aller Macht "durchziehen" zu wollen, wird viel Kraft und Tränen bei allen Beteiligten fordern. Vielleicht können Sie sich noch ein wenig gedulden und erst einmal wieder etwas Ruhe einkehren lassen. Ein paar Tage keinerlei Abstillversuche und einfach nur Stillen nach Bedarf und das Anbieten von Beikost auf der einen Seite und viel Erholung und Entspannung für Sie selbst auf der anderen Seite. Lassen Sie den Stress so gut es geht beiseite und unternehmen Sie etwas, was für Sie, Ihren Partner und Ihr Kind angenehm ist. Ob dies nun ein Ausflug in ein Thermalbad, ein paar gemütliche Stunden auf dem Sofa oder vielleicht auch ein gemeinsamer Ausflug von Vater und Tochter während Sie sich etwas ganz alleine für sich tun ist, können nur Sie wissen. Sobald sich dann die Situation etwas entspannt hat und wenn Sie für sich ehrlich alles Für und Wider des Abstillens abgewogen haben und sich nun sicher sind, dass Sie abstillen wollen (oder vielleicht eben doch nicht: ), überlegen Sie, wie Sie das Abstillen angehen werden. Ich werden Ihnen jetzt ein paar weniger drastische Methoden beschreiben, die sich beim Abstillen eines älteren Kindes bewährt haben, vielleicht ist ja etwas dabei, was Ihnen weiterhilft: Eine Methode, die sich beim allmählichen Abstillen bewährt hat heißt "biete nicht an, lehne nicht ab". Das bedeutet, dass Sie Ihrem Kind die Brust nicht von sich aus anbieten, aber auch nicht ablehnen, wenn es danach verlangt. Viele Kinder wurden auf diese Weise abgestillt. Eine weitere Möglichkeit heißt Ablenkung. Durch Ablenkung abzustillen bedeutet, Ihre Gewohnheiten von Tag zu Tag erheblich zu verändern. Sie müssen die vertrauten Stillsituationen vermeiden und neue Betätigungsfelder schaffen. Für das eine Kind kann das bedeuten, dass Sie viel häufiger Ausflüge zu Orten unternehmen, die Ihrem Kind gefallen und wo es viele Menschen und viel Trubel gibt. Für ein anderes Kind bedeutet dies vielleicht, das Leben erheblich ruhiger zu gestalten, um Situationen, die es als bedrohlich empfindet, zu verringern. Es kann auch ablenkend wirken, wenn Sie Ihr übliches Verhalten in bestimmten Situationen verändern. Wenn Sie zum Beispiel sitzen bleiben anstatt sich hinzulegen, wenn Sie Ihr Kind zum einschlafen bringen. Andere Möglichkeiten sind Vorlesen, Singen oder vielleicht ein neues Spielzeug. Manchmal ist es sinnvoll, wenn der Vater das abendliche Zubettbringen übernimmt. Manchmal bringt es das Abstillen auch weiter, wenn Sie das Stillen immer dann, wenn Ihr Kind diesen Aufschub verkraften kann, für eine Weile verschieben. Das können Sie flexibler handhaben als den Vorsatz eine bestimmte Stillmahlzeit ausfallen zu lassen. Sie können auch versuchen die Stillzeiten zu verkürzen. Viele Mütter haben festgestellt, dass es wirksam und relativ wenig belastend ist, ein Kind so oft anzulegen, wie es möchte, aber es nicht so lange zu stillen. Sie können Ihr Kind eine kleine Weile anlegen und ihn dann ablenken oder ihm etwas zu essen anbieten. Womöglich wäre "punktuelles Abstillen" eine Lösung für Sie. Es ist eine Alternative zum vollständigen Abstillen. Damit meine ich, dass zu bestimmten Zeiten nicht mehr gestillt wird oder Sie versuchen Ihr Kind davon zu überzeugen, nach einer ausreichend langen Zeit an der Brust, etwas anderes zu tun. Außerdem möchte ich Ihnen das Buch "Wir stillen noch über das Leben mit gestillten Kleinkindern" von Norma J. Bumgarner empfehlen. Das Buch ist im Buchhandel oder bei der La Leche Liga und bei jeder LLL Stillberaterin oder im Stillshop auf dieser Seite erhältlich. Zum Schluss noch etwas, was unter Umständen paradox klingt: einige Kinder stillen sich von alleine ab, sobald ihre Mutter die Abstillbemühungen aufgibt. LLLiebe Grüße Biggi


Mitglied inaktiv

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Liebe Biggi, vielen Dank, mit einigen Tipps konnte ich schon etwas anfangen. Mein Sohn lässt sich ganz gut ablenken. Wir unternehmen viel oder spielen, das hat heute funktioniert. Vielleicht gewöhnt er sich daran, dass das Stillen zunächst erstmal nur zum Abend und zur Nacht gehört. So weit waren wir ja schonmal. Ich hätte aber noch folgende Frage: Kann ich darauf hoffen, dass die Nächte besser werden, wenn ich nicht mehr stille, bzw. ihn nachts nicht mehr stille, sondern nur Wasser anbiete? Meine Hebamme sagte, "Ja, wahrscheinlich" Das ist nämlich das Einzige, was mich nach den letzten 13 Monaten belastet, vor allem, da ich wieder arbeite und morgens fit sein muss. Meinem Mann gegenüber habe ich da auch ein schlechtes Gewissen, denn er leidet mehr als ich unter den nächtlichen Störungen und ich habe irgendwo ein schlechtes Gewissen, quasi: wenn du nicht mehr stillen würdest, könnte ich endlich wieder schlafen (er würde es niemals sagen, aber ich lese es zwischen den Zeilen) Wenn der Kleine durchschlafen würde, würde ich noch liebend gerne weiterstillen, denn sonst macht es mir nichts aus. Vielen Dank. Melanie


Biggi Welter

Biggi Welter

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Liebe Melanie, das Gefühl der totalen Erschöpfung kennen viele Mütter und zwar ganz gleich, ob sie stillen oder nicht. Diese Erschöpfung rührt nicht vom Stillen, sondern von der Tatsache, dass ein Baby zu versorgen einer der anstrengendsten Jobs ist, den es auf dieser Welt gibt. Und zu allem hören die Arbeit und die Verantwortung für das Kind nie auf: eine Mutter ist 24 Stunden am Tag, sieben Tage dies Woche und 52 Wochen im Jahr im Dienst. Es ist ein weit verbreiteter Trugschluss, dass eine Flasche am Abend das Durchschlafen fördere. ob ein Baby durchschläft oder nicht, hängt nicht davon ab, ob sein Bauch "voll" ist. Wenn es so wäre, dürfte KEIN Stillkind länger als 60 bis 90 Minuten schlafen, denn Muttermilch ist innerhalb von dieser Zeitspanne verdaut und somit der Magen des Stillkindes leer. Doch auch gestillte Kinder schlafen "durch", ebenso wie es Flaschenkinder gibt, die alle zwei Stunden aufwachen. Die Fähigkeit länger zu schlafen, hängt nicht von der Art der Nahrung und auch nicht von der Menge der Nahrung ab. Das wurde inzwischen in Studien hinlänglich festgestellt und haben auch schon viele Eltern erkennen und erleben müssen. Es ist ein Reifungsprozess beim Kind, der von Kind zu Kind unterschiedlich schnell verläuft. Wenn Du jetzt abstillst, wird dein Kind nicht besser schlafen und Du wirst es auf andere Weise beruhigen müssen, was mit Sicherheit noch stressiger ist :-). Dein Kind braucht deine Nähe und wahrscheinlich auch das geborgene Gefühl an der Brust. Das ist sicher nicht immer einfach für die Mutter, die auch mal gerne was anderes tun würde, aber letztlich kostet es nicht mehr Nerven und Zeit, als sich ständig neue Methoden auszudenken und das Baby weinen zu lassen. Sobald das Kind die nötige Reife hat, wird es von selbst alleine (ein)schlafen. Wenn Du gerne liest und ein Buch lesen möchtest, das sich mit dem Thema Schlaf auseinandersetzt und dessen Autor beim Thema Schlaf auch Achtung vor dem Baby zeigt und dessen Bedürfnisse ernst nimmt, kann ich dir wärmstens "Schlafen und Wachen ein Elternbuch für Kindernächte" von Dr. William Sears empfehlen, das im Buchhandel, bei der La Leche Liga und jeder LLL Stillberaterin erhältlich ist. Dr. Sears ist nicht nur Kinderarzt, sondern auch achtfacher Vater und aus seinen Büchern spricht nicht die graue Theorie, sondern auch eine ganze Menge Lebenserfahrung im Zusammenleben mit Kindern. LLLiebe Grüße Biggi


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