Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

Abstillen

Frage: Abstillen

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Hallo Frau Welter, mein Sohn ist jetzt fast 15 Monate alt. Ich stille ihn noch morgens, mittags, abends und in der Nacht. Und in der Nacht manchmal sicherlich 8 Mal. Natürlich bekommt er Essen vom Tisch, aber er "braucht" einfach noch Mamams Brust. Mit 10, 11 Monaten hatte ich ihn westentlich weniger gestillt, aber dann war er krank und hat gezahnt, und jetzt finde ich es einfach zu viel. Er trinkt an der Brust, er nuckelt nicht nur, aber mir ist schon klar, dass er die Brust auch als Sicherheit und Trost braucht. z. B. wenn wir irgendwo sind und es hat viele Leute, dann will er ein paar Mal trinken, dann ist er irgendwie beruhigt. Mein erstes Ziel wäre, ihn mittags nicht mehr zu stillen. Ich lege mich normalerweise mit ihm hin und dann will er gestillt werden. Mit 15 Monaten ist er ja auch schon so clever, dass er mir das T-Shirt hochhebt und sagt : Bu trink (Busen trinken). Und ihn dann nach und nach abzustillen. Alle Ratschläge, die ich bekommen habe, waren, ich solle 1 Woche in Urlaub gehen und ihn bei meinem Mann lassen. Danach sei er abgestillt. Er ist aber auch richtig auf mich fixiert. Z. B. er schreit bei meinem Mann 15 min, dann komme ich ins Zimmer, er streckt die Hände nach mir aus und lächelt. Wenn ich also nicht da bin, schreit er wie am Spieß. Ich habe einfach bedenken, dass er da einen "Knax" fürs Leben abgekommt,wenn ich ihn so schreien lasse. Aber lange kann und will ich auch nicht mehr so häufig stillen. Oder ist es auch eine Lösung, ihn in sein Bett zu legen und nicht mehr mit zu mir ins Bett nehmen? Vielen Dank im voraus Petra


Biggi Welter

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Liebe Petra, jede Familie muss für sich selbst ausprobieren, was am besten funktioniert, doch nach meiner Erfahrung ist es wenig sinnvoll zuerst das nächtliche Stillen ausfallen zu lassen. Günstiger ist es in den meisten Fällen tatsächlich zuerst das mittägliche Stillen einzuschränken und schließlich wegzulassen, dann das abendliche Stillen und zuletzt das Stillen in der Nacht. Wenn Sie nun abstillen wollen, dann sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber, dass eure Stillzeit nun langsam zu Ende geht und zeigen Sie ihm, dass Sie es selbstverständlich noch genau so lieb haben wie schon immer. Sie entziehen ihm die Brust aber nicht Sie selbst und Ihre Liebe. Dazu können Sie die Stillzeiten immer weiter verkürzen. Viele Mütter haben festgestellt, dass es wirksam und relativ wenig belastend ist, ein Kind so oft anzulegen, wie es möchte, aber es nicht so lange zu stillen. Sie können Ihr Kind eine kleine Weile anlegen und es dann ablenken oder ihm etwas zu essen oder zu trinken anbieten. Eine andere Möglichkeit ist es, dass statt Ihnen, Ihr Partner die Nachtschicht bzw. das zu Bett bringen zum Teil übernimmt. Also nicht Sie wenden sich jedesmal Ihrem Kind zu, sondern ihr wechselt euch ab und da ein Mann keine Brust zum Stillen hat, wird er euer Kind auf andere Weise beruhigen müssen. Sie können Ihr Kind ja zuerst (kurz) stillen und dann Ihrem Partner übergeben. Das Verändern von Ritualen kann helfen. Das kann auf verschiedene Art und Weise möglich sein. Ihr könnt ein festes Ritual mit Kuscheln und Vorlesen oder Geschichte erzählen einführen. Viele Eltern beginnen auch bereits bei einem wenige Monate alten Baby damit, den Tag am Abend noch einmal Revue passieren zu lassen und so ein Gespräch (das sich im Laufe der Zeit dann entwickeln wird) über die Erlebnisse, Freuden, aber auch Sorgen und Nöte des Kindes zu führen. Durch solch ein Gespräch bleiben Eltern dann auch in engem Kontakt mit ihrem Kind und der leider viel beobachtet Sprachlosigkeit zwischen Eltern und Kind kann entgegengewirkt werden. Wenn Ihr Partner nicht einspringen kann, bleibt es an Ihnen, Ihr Kind auf andere Weise zu trösten und zu beruhigen und ihm einen Ersatz für die Brust anzubieten. In dieser Situation ist ein Nachthemd bzw. Kleidung, die sich vorne nicht öffnen lässt oft hilfreich. Wichtig ist, dass Ihr Kind weiterhin Ihre Liebe und Zuneigung spürt und Sie nicht gleich die Geduld verlieren, wenn es nicht so schnell klappt mit dem Abstillen. Viele Frauen glauben, dass sie sich beim Abstillen vom Kind distanzieren müssen, aber genau das Gegenteil ist der Fall. Deshalb halte ich auch nicht viel von der Lösung, dass die Mutter einige Tage alleine verreist. Diese plötzliche Trennung kann das Kind in tiefe Trauer und Verzweiflung stürzen und vor allem: Was macht die Mutter, wenn das Kind nach der Rückkehr doch wieder an die Brust will? Probieren Sie es einmal mit immer kürzerem Stillen und viel Kuscheln. LLLiebe Grüße Biggi Welter


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