Mitglied inaktiv
Hallo, ich wollte mal fragen, ob es auch möglich ist, beim Abstillen "das Pferd von hinten aufzuzäumen"? Meine Tochter ist 19 Monate alt und wird noch zu 2/3 gestillt. Ich möchte jetzt aber wirklich nicht mehr lange stillen und nachdem ich schon seit Monaten versuche, sie abzustillen, überlege ich, ob ich Phytolacca nehmen kann und damit die Muttermilchproduktion stoppen kann?
? Liebe Ich, verstehe ich Sie richtig, dass Ihr Kind bereits vier Beikostmahlzeiten bekommt und nicht mehr gestillt wird? Das ist ein bisschen viel für ein sechs Monate altes Kind. Man kann eine Faustregel aufstellen, dass ein Baby mit sieben Monaten eine bis zwei zusätzliche Beikostmahlzeiten ergänzend zur Muttermilch bekommt, mit acht Monaten zwei bis drei, mit neun Monaten zwei bis vier und mit zehn bis zwölf Monaten drei bis fünf. Daneben kann und darf es so oft gestillt werden, wie es möchte. Mit sieben bis neun Monaten braucht das Kind noch mindestens drei Milchmahlzeiten, mit zehn bis zwölf Monaten noch mindestens zwei. Wird das Kind ausreichend häufig gestillt, braucht es keine andere Milchnahrung und auch keinen Milchbrei oder Flaschennahrung. Wird es seltener gestillt, braucht es einen Ersatz für die Muttermilch, der bei einem sechs Monate alten Kind aus Pre-Nahrung bestehen sollte. Besprechen Sie die Ernährung Ihres Babys bitte unbedingt nochmals mit Ihrer Kinderärztin/arzt. LLLiebe Grüße Biggi Welter
? Liebe Janna, das wird vermutlich nicht funktionieren. Da Stillen mehr ist, als nur Ernährung, gibt es viele Kinder, die der Situation, dass die Milchmenge sich verringert einfach weiter „trocken saugen“. Außerdem ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Milchmenge zurückgeht, wenn das Kind weiterhin an der Brust saugt gering. Eine Methode, die sich beim allmählichen Abstillen bewährt hat heißt `biete nicht an, lehne nicht abA. Das bedeutet, dass Sie Ihrem Kind die Brust nicht von sich aus anbieten, aber auch nicht ablehnen, wenn es danach verlangt. Viele Kinder wurden auf diese Weise abgestillt. Eine weitere Möglichkeit heißt Ablenkung. Durch Ablenkung abzustillen bedeutet, Ihre Gewohnheiten von Tag zu Tag erheblich zu verändern. Sie müssen die vertrauten Stillsituationen vermeiden und neue Betätigungsfelder schaffen. Für das eine Kind kann das bedeuten, dass Sie viel häufiger Ausflüge zu Orten unternehmen, die Ihrem Kind gefallen und wo es viele Menschen und viel Trubel gibt. Für ein anderes Kind bedeutet dies vielleicht, das Leben erheblich ruhiger zu gestalten, um Situationen, die es als bedrohlich empfindet, zu verringern. Es kann auch ablenkend wirken, wenn Sie Ihr übliches Verhalten in bestimmten Situationen verändern. Wenn Sie zum Beispiel sitzen bleiben anstatt sich hinzulegen, wenn Sie Ihr Kind zum einschlafen bringen. Andere Möglichkeiten sind Vorlesen, Singen oder vielleicht ein neues Spielzeug. Manchmal ist es sinnvoll, wenn der Vater das abendliche Zubettbringen übernimmt. Manchmal bringt es das Abstillen auch weiter, wenn Sie das Stillen immer dann, wenn Ihr Kind diesen Aufschub verkraften kann, für eine Weile verschieben. Das können Sie flexibler handhaben als den Vorsatz eine bestimmte Stillmahlzeit ausfallen zu lassen. Sie können auch versuchen die Stillzeiten zu verkürzen. Viele Mütter haben festgestellt, dass es wirksam und relativ wenig belastend ist, ein Kind so oft anzulegen, wie es möchte, aber es nicht so lange zu stillen. Sie können Ihr Kind eine kleine Weile anlegen und es dann ablenken oder ihm etwas zu essen anbieten. Außerdem möchte ich Ihnen das Buch `Wir stillen noch - über das Leben mit gestillten KleinkindernA von Norma J. Bumgarner empfehlen. Das Buch ist im Buchhandel, bei der La Leche Liga und bei jeder LLL-Stillberaterin (auch bei uns) erhältlich. Wichtig ist, dass Ihr Kind weiterhin Ihre Liebe und Zuneigung spürt. Sie entziehen Ihm die Brust, aber nicht die Mutter. LLLiebe Grüße Biggi Welter
Mitglied inaktiv
Vielen Dank für die ausführliche Antwort!
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