Mitglied inaktiv
Sehr geehrte Frau Welter, ich habe letzte Woche begonnen, meiner bis dato voll gestillten Tochter( 3 Monate) ein Fläschen am Abend zu füttern, in der Hoffnung, dass sie dann länger als 3 Stunden am Stück schläft. Sie hat die Mahlzeit gut vertragen, doch mittlerweile verweigert sie die Brust. Mir scheint, dass sie keine Lust mehr zum Trinken hat. Mir würde diese Änderung nichts ausmachen. Kann ich nun abstillen? Wie mache ich das am besten? Welche Zeitspanne soll man dafür einplanen? BEsteht bei kürzerer Stillzeit die erhöhte Gefahr von Neurodermitis(weder mein Mann noch ich leiden darunter)? Bitte um Hilfe Danke Birgit
? Liebe Birgit, Ihre Tochter hat nicht „keine Lust mehr" zum Trinken an der Brust, sie weiß höchstwahrscheinlich nicht mehr, wie sie richtig an der Brust trinken muss. Die Techniken zwischen Stillen und Trinken aus der Flasche sind grundverschieden (aber das Trinken aus der Brust ist keineswegs anstrengender, wie immer wieder behauptet wird) und viele Kinder kommen mit dem Wechsel zwischen beiden Techniken nicht zurecht, so dass sie schließlich die Brust ablehnen. Es besteht ein Zusammenhang zwischen einer längeren (Voll)Stillzeit und einem geringeren Risiko für Allergien und auch atopische Erkrankungen (zu denen die Neurodermitis gehört). Allerdings sind das statistische Werte und niemand kann Ihnen mit Gewissheit sagen, dass Ihr Kind sicher Neurodermitis entwickeln wird, wenn Sie jetzt abstillen oder dass es sicher keine Neurodermitis bekommen wird, wenn Sie mindestens sechs Monate (voll) stillen. Die Statistik hat keine exakte Aussagekraft für den Einzelfall, sie gibt eine Wahrscheinlichkeit an. Wenn Sie ihr Kind bis zum Alter jetzt vollständig abgestillen wollen, müssen Sie zunächst zur Flasche hin abstillen, da das Kind noch zu jung für Beikost ist, die ja erst ab etwa einem halben Jahr eingeführt werden sollte. Dabei gehen Sie am besten so vor, dass Sie Ihr Kind zunächst anlegen, aber es sich nicht vollständig satt trinken lassen, sondern anschließend noch die Flasche anbieten. Bei manchen Kinder empfiehlt sich auch die umgekehrte Vorgehensweise, zuerst Flasche anbieten und anschließend noch die Brust, das müssen Sie ausprobieren. Allmählich steigern Sie die Menge der Flaschennahrung, bis die Mahlzeit vollständig ersetzt ist. Etwa im Abstand von mindestens einer Woche können Sie dann mit dem Ersetzen der nächsten Mahlzeit durch künstliche Säuglingsnahrung beginnen. Mit welcher Mahlzeit Sie beginnen, bleibt Ihnen überlassen. Nach Möglichkeit sollten Sie nicht zwei unmittelbar aufeinanderfolgende Stillzeiten direkt nacheinander ersetzen. Falls die Brust dann zu spannen beginnt, pumpen Sie gerade so viel Milch ab oder streichen von Hand aus, dass die unangenehme Spannung nachlässt und Sie sich wieder wohl fühlen. Nicht mehr Milch als unbedingt notwendig entleeren, denn sonst wird die Produktion wieder angeregt. Zusätzlich können Sie die Brust kühlen. Besprechen Sie mit Ihrer Kinderärztin/arzt welche künstliche Säuglingsnahrung Sie verwenden sollten. Pre-Nahrung kann wie Muttermilch nach Bedarf gegeben werden und ist als Ersatz für die Muttermilch für das gesamte erste Lebensjahr geeignet. Pre-Nahrung gibt es auch als HA-Nahrung, falls diese für Ihr Kind erforderlich sein sollte. Für das komplette Abstillen sollten Sie in etwa sechs bis achte Wochen einrechnen, dieser Zeitraum ist realistisch, wenn Sie Probleme mit der Brust vermeiden wollen und gibt auch dem Kind Zeit, sich an die Umstellung zu gewöhnen. Ich hoffe, Ihnen weitergeholfen zu haben. LLLiebe Grüße Biggi Welter
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