Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

Abstillen

Frage: Abstillen

Mimi1312

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Hallo liebes Team,  meine Tochter ist fast 7,5 Monate alt, wird voll gestillt und bekommt Mittags und auch abends Brei. Seit paar Tagen isst sie richtig gut, wir hatten jetzt allerdings auch paar Tage dabei da wollte sie gar nichts an Brei. Nun zu meiner Frage: ich habe vor bzw habe mir Gedanken zum abstillen gemacht, ich würde gerne bis Ende des Jahres abgestillt haben. Ich weiß nur nicht wie ich es angehen soll bzw wie das dann nachts wird. Bisher stille ich sie abends in den Schlaf, da würde schon das erste Problem anfangen, wie bekomme ich sie ohne stillen in den Schlaf und auch nachts kommt sie einfach gerne an meine Brust um einfach zu kuscheln und zum wieder einschlafen wenn sie leicht wach geworden ist.  Könnten Sie mir Tipps geben wie ich es angehen könnte am schonendsten für uns beide abzustillen? Ich möchte noch dazu sagen dass ich absolut nichts dagegen habe zu stillen und es gerne mache, auch nachts stört es mich absolut nicht, ich habe nur Angst dass wenn sie älter wird und dann das abstillen sicher problematischer wird. Ich kenne einige bei denen dann die kleinen ständig am t-Shirt ziehen weil sie immer an die Brust wollen und das möchte ich vermeiden weil so etwas möchte ich mal überhaupt nicht und ich würde gerne wieder etwas flexibler werden wollen, wenn ich denn dann mal Zeit für mich habe, habe auch noch eine 5 jährige Tochter, diese habe ich leider nicht gestillt da sie nicht von der Brust getrunken hat, sie hatte starke Gelbsucht und wollte dann von der Flasche nicht mehr weg.    Vielen lieben Dank und liebe Grüße   


Biggi Welter

Biggi Welter

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Liebe Mimi1312, Du könntest jetzt erst einmal ganz langsam auf die Stillzeiten am Tag verzichten und deine Kleine in der Nacht noch stillen, so wird die Umstellung leichter werden und auch deine Brust hat Zeit, sich an den geringeren Milchbedarf zu gewöhnen. Es ist auch nicht schlimm, und schon gar nicht ein "Versagen" deinerseits, dass deine Kleine noch nicht ein – und durchschlafen mag. Ganz im Gegenteil: DIESES Verhalten ist das normale, will heißen, so hat die Natur es vorgesehen, so entspricht es der Natur eines Menschenjungen. Hast du gewusst dass ein junger Elefant eingeht, wenn er in den ersten 2 Lebensjahren nicht die PERMANENTE Anwesenheit seines Hauptbezugs"tieres" hat (kann auch ein Mensch sein...). Wenn ein Elefantenbaby zum Waisenkind wird bekommt es im Zoo selbstverständlich einen Pfleger zur Seite gestellt, der Tag und Nacht Hautkontakt bietet. Kein Mensch würde die Notwendigkeit dafür in Frage stellen. Nur mit unseren eigenen Babys, die viel unreifer geboren werden, erwarten wir so viel mehr. Das ist ein Punkt, der viele Diskussionen auslöst und bei Mutter und Kind zu vielen Tränen führen kann: Das Kind soll "wach" ins Bett gelegt werden und alleine einschlafen können (was eine enorme neurologische Leistung darstellt). Wenn es aber nur an der Brust oder im Körperkontakt mit der Mutter einschlafen kann, dann verurteilen wir dies als schlechte oder gar schädliche Angewohnheit... Wenn wir uns die Geschichte der Menschheit anschauen, dann wissen wir, dass es sich ein Urmensch und auch heute noch Menschen, die nicht so komfortabel wie wir in einem fest gemauerten Haus in "zivilisierter" Umgebung wohnen, nie leisten konnten und könnten, ihr Kind einfach "wach" irgendwo hinzulegen, damit es alleine schläft. Das Risiko, dann innerhalb von kürzester Zeit den Verlust eines Kindes betrauern zu müssen ist da viel zu groß. Der Punkt ist der, dass Babys und Kleinkinder ganz gleich was alle diesen Bücher und Hochglanzbroschüren sagen nicht dazu gedacht sind, alleine (ein)zuschlafen. Für ein Baby ist es absolut normal, dass es in den Armen und an der Brust der Mutter einschläft. "Emanzipierte" Babys sind in der Evolution noch nicht vorgesehen und da unsere Kinder mit der gleichen genetischen Ausstattung auf die Welt kommen, wie in grauer Vorzeit, funktioniert nicht alles sofort so, wie es in unsere moderne Welt passen würde. Seit Jahrtausenden und in unzähligen Kulturen ist das Stillen und gemeinsame Schlafen eine bewährte Methode Kinder glücklich, gesund und zufrieden aufwachsen zu lassen. Das Saugen wirkt beruhigend und nicht umsonst wurden im Laufe der Zeit die verschiedensten Brustattrappen (z.B. Schnuller s.o.) erfunden. Von der Natur ist es nicht vorgesehen, dass ein Baby oder Kleinkind allein ist und alleine einschläft. Nur passt dieses "natürliche" Verhalten des Babys nicht in unsere derzeitige Zeitströmung und damit haben wir ein (von uns selbst produziertes) Problem: Babys wissen nicht, was zur Zeit "Mode" ist und benehmen sich so, wie sie es seit Anbeginn der Menschheit getan haben. Alleine sein bedeutet für ein Baby oder Kleinkind aus seiner Sicht Lebensgefahr. Sie wissen nicht, dass es heute und in unserer Gesellschaft unwahrscheinlich ist, dass sie von einem wilden Tier gefressen werden, wenn sie alleine sind. Wir können einfach nicht erwarten, dass unsere Babys "begreifen" dass ihnen doch alleine nichts passieren kann und wir können sie auch nicht dazu bringen, dass sie in diesem jungen Alter ein Gefühl dafür entwickeln, dass es doch "nur fünf Minuten" oder welche Zeitspanne auch immer ist, die sie warten müssen bis wieder jemand kommt. Also: Das Einschlafen an der Brust ist nicht wirklich ein Problem, denn es entspricht der Natur der Kinder, die genau dort die Ruhe, Geborgenheit und Zuversicht finden (mal ganz abgesehen von der wertvollen Muttermilch), die es ihnen ermöglicht, sich dem Schlaf hinzugeben. Kleine Kinder haben es sehr schwer, einzuschlafen, das hängt mit ihrem unreifen Nervensystem zusammen und wird ganz von allein, sobald sie reif genug dafür sind, sich auflösen! Es ist eigentlich egal, ob dein Kind aufwacht, weil es Hunger hat oder deine Nähe sucht, es wird NICHT Besser schlafen, wenn du abstillst, du wirst nur noch mehr Stress haben, weil du dein Baby auf andere Weise beruhigen musst oder eine Flasche kochen musst. Abgesehen von den umstrittenen Schlaftrainingsprogrammen, die von Stillexperten nahezu einhellig abgelehnt werden, bleibt in dieser Zeit nicht viel, als geduldig zu bleiben und sich die Tage und Nächte so einfach wie möglich zu gestalten. Sollte es nun für dich trotzdem wichtig sein, dass dein Kind ohne dich in den Schlaf finden kann, dann ist es selbstverständlich akzeptabel, nach Alternativen zu schauen. Papa kann eine solche Alternative sein, denn vermutlich ist er nach dir die Hauptbindungsperson für dein Kind und somit gut geeignet, es zu beruhigen. In diesem Fall kann ich dir das Buch von Elizabeth Pantley empfehlen: "Schlafen statt Schreien: Das liebevolle Einschlafbuch: Das 10 Schritte Progamm für ruhige Nächte". Pantley hat ein Programm entwickelt, mit dem man älteren Babys, auch Stillkinder, dabei helfen kann, auch ohne Brust oder ständiges Stillen die Nacht zu schaffen. Auch wenn man nicht alle ihre Schritte anwendet haben viele Mütter doch gute Erfahrungen mit diesem Buch gemacht. Vielleicht ist es auch wirklich ein guter Anfang, wenn du mit deinem Kind einfach kuschelst, auch wenn es noch nicht dabei einschläft. Wichtig ist, deine Kleine spürt, dass Du ihr zwar die Brust entziehst, nicht aber deine Liebe. Viele Frauen glauben, dass sie sich beim Abstillen vom Kind distanzieren müssen, aber genau das Gegenteil ist der Fall. Deshalb halte ich auch nicht viel von der Lösung, dass die Mutter einige Tage alleine verreist. Diese plötzliche Trennung kann das Kind in tiefe Trauer und Verzweiflung stürzen. Ich hoffe, der Text war dir jetzt nicht zu lange! Lieben Gruß Biggi


Mimi1312

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Vielen Dank für Ihre Antwort.  Das öffnet mir echt die Augen, ich habe auch nie erwartet dass die kleine Maus allein einschlafen soll. Und Sie bringen es auf den Punkt, einzig und allein ist es diese moderne Zeit und die Gesellschaft, die einen dazu bringt den Gedanken zu haben abzustillen. Selbst von den Omas werde ich gefragt wann ich denn nun mal abstillen möchte und es tut echt so weh.  ach und unsere 5 jährige Tochter schläft auch noch immer mit bei uns im Bett, weil sie einfach noch nicht bereit dazu ist allein im Zimmer zu schlafen, und es ist vollkommen in Ordnung.  Vielen Dank für Ihre Worte, es ist echt sehr rührend und absolut nachvollziehbar. Stillen ist ja auch das schönste was es gibt und mein Herz geht auf wenn ich sehe wie zufrieden die kleine dann ist und wie es sie beruhigt.  Vielen Dank!


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