Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

abstillen - rückfall

Frage: abstillen - rückfall

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Guten Morgen Frau Welter, ich habe eine Frage zum Abstillen: Mein Sohn ist nun 13 Monate alt und wir hatten uns schon gut eingespielt, dass er nur mehr morgens/abends und in der nacht gestillt wird. Durch das Zahnen haben wir nun einen "Rückfall" erhalten - mein Sohn hat durch die Zahnschmerzen 2 Tage nichts gegessen, daher habe ihn auch untertags wieder gestillt, da er auch kein Flascherl oder Schnuller akzeptiert und er mir aus dem Glas bzw. Trinklernbecher noch zuwenig trinkt. Die zwei Zähne sind nun herausen - allerdings verlangt mein Kleiner nun dennoch die Brust auch mittags/nachmittags weiter, gestern wollte der sogar auch vormittags an die Brust - ansonsten gibt es mind. 30 min. Geschrei, er steigert sich auch total hinein, sodass er richtig wimmert ... habe nun aber vor, konsequent weiterzumachen, da er mich auch immer häufiger leicht bis mittel in die Brustwarze beist und er ja in seinem Alter schon viel mehr festere Kost zu sich nehmen sollte. Habe heute um 5 Uhr früh das letzte Mal gestillt - und möchte erst am frühen nachmittag das nächste Mal stillen - dazwischen versuche ich mit Tee und Kakao zu überbrücken. Abends habe ich das Problem, dass er mir nur an der Brust einschläft - bei meiner Mutter schläft er auch ohne Brust ein - dh er kann es, allerdings zZ nicht bei mir - da gibt es gleich lauten, stundenlangen Protest! Haben Sie bitte Tipps für mich, wie es für meinen Sohn und für mich einfacher werden könnte? Vielen DANK!! Sabine


Biggi Welter

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Liebe Sabine, lassen Sie Ihrem Baby ein wenig mehr Zeit - das ist mein Rat, auch wenn Sie ihn nicht so gerne hören möchten. Stillen ist viel, viel mehr als reine Nahrungsaufnahme. Es ist Trost, Geborgenheit, sicherer Hafen und ein Weg zur Ruhe zu kommen, wenn die Wellen des Alltags so hoch geschlagen sind, dass das Kind keinen Weg mehr weiß, um mit sich selbst und der Umgebung ins Reine zu kommen. Ihr Kind will Sie nicht ärgern, es braucht Ihre Nähe. In diesem Alter machen viele Kinder gerade einen großen Entwicklungsschub (viele beginnen in dieser Zeit auch mit extremem Fremdeln). All die neuen Eindrücke dieser für Ihren Sohn manchmal doch unheimlichen großen Welt und auch das Zahnen können für unruhige Nächte sorgen. Da ist es gut, wenn nachts und zum Einschlafen die vertraute Mama in der Nähe ist. Ein Kind das sich geborgen fühlt, schläft besser. Die Beschwerden beim Zahnen können nachts tatsächlich unangenehmer sein als tagsüber. Uns Erwachsenen geht es doch genauso: Zahnschmerzen sind nachts, wenn uns sonst nichts ablenkt, viel schlimmer. Wenn Sie nun unbedingt sofort abstillen wollen, dann sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber, dass eure Stillzeit nun langsam zu Ende geht und zeigen Sie ihm, dass Sie es selbstverständlich noch genau so lieb haben wie schon immer. Sie entziehen ihm die Brust aber nicht Sie selbst und Ihre Liebe. Dazu können Sie die Stillzeiten immer weiter verkürzen. Viele Mütter haben festgestellt, dass es wirksam und relativ wenig belastend ist, ein Kind so oft anzulegen, wie es möchte, aber es nicht so lange zu stillen. Sie können Ihr Kind eine kleine Weile anlegen und es dann ablenken oder ihm etwas zu essen oder zu trinken anbieten. Eine andere Möglichkeit ist es, dass statt Ihnen, Ihr Partner die Nachtschicht bzw. das zu Bett bringen zum Teil übernimmt. Also nicht Sie wenden sich jedesmal Ihrem Kind zu, sondern ihr wechselt euch ab und da ein Mann keine Brust zum Stillen hat, wird er euer Kind auf andere Weise beruhigen müssen. Sie können Ihr Kind ja zuerst (kurz) stillen und dann Ihrem Partner übergeben. Das Verändern von Ritualen kann helfen. Das kann auf verschiedene Art und Weise möglich sein. Ihr könnt ein festes Ritual mit Kuscheln und Vorlesen oder Geschichte erzählen einführen. Viele Eltern beginnen auch bereits bei einem wenige Monate alten Baby damit, den Tag am Abend noch einmal Revue passieren zu lassen und so ein Gespräch (das sich im Laufe der Zeit dann entwickeln wird) über die Erlebnisse, Freuden, aber auch Sorgen und Nöte des Kindes zu führen. Durch solch ein Gespräch bleiben Eltern dann auch in engem Kontakt mit ihrem Kind und der leider viel beobachtet Sprachlosigkeit zwischen Eltern und Kind kann entgegengewirkt werden. Wenn Ihr Partner nicht einspringen kann, bleibt es an Ihnen, Ihr Kind auf andere Weise zu trösten und zu beruhigen und ihm einen Ersatz für die Brust anzubieten. In dieser Situation ist ein Nachthemd bzw. Kleidung, die sich vorne nicht öffnen lässt oft hilfreich. Wichtig ist, dass Ihr Kind weiterhin Ihre Liebe und Zuneigung spürt und Sie nicht gleich die Geduld verlieren, wenn es nicht so schnell klappt mit dem Abstillen. Viele Frauen glauben, dass sie sich beim Abstillen vom Kind distanzieren müssen, aber genau das Gegenteil ist der Fall. Deshalb halte ich auch nicht viel von der Lösung, dass die Mutter einige Tage alleine verreist. Diese plötzliche Trennung kann das Kind in tiefe Trauer und Verzweiflung stürzen und vor allem: Was macht die Mutter, wenn das Kind nach der Rückkehr doch wieder an die Brust will? Probieren Sie es einmal mit immer kürzerem Stillen und viel Kuscheln. LLLiebe Grüße Biggi Welter


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