Mitglied inaktiv
liebe stillberaterinnen, nachdem ich unseren sohn (jetzt gut acht monate alt) sechs monate voll gestillt hatte, hat er sich relativ schnell bis auf die morgendliche mahlzeit selbst abgestillt. er "verschlingt" mit begeisterung jede art von brei. nun ist es so, dass er nach einer normalen nacht, in der er von neun bis sechs durchschläft, von mir zwar noch gestillt wird, ich aber auch hier nun das gefühl habe, dass er lieber brei essen möchte. ich merke es wie bei den vorangegangenen mahlzeiten auch am gezappel, der ungeduld, teilweise beisst er mit seinen zähnchen sogar zu, obwohl ich immer noch reichlich milch habe. mir wäre das abstillen auch aus gesundheitlichen gründen sehr recht, nur gibt es da ein problem: wenn der nachtschlaf aus irgendwelchen gründen unterbrochen wird, durch schlechte träume o.ä., was ca zwei-, dreimal in der woche vorkommt, kann ich unseren sohn nicht beruhigen. er möchte dann zu mir ins bett, an die brust und nach dem essen bei mir einschlafen. wir machen das so und er schläft dann auch durch bis morgens, aber zufrieden bin ich damit nicht. einerseits ist es toll, ihm die nähe zu geben, andererseits muss es doch möglichkeiten geben, ihm das abzugewöhnen, ihn anders zu beruhigen. ich glaube also, er braucht das stillen nicht mehr wirklich .. nachts ist es eher eine irritation, weil er nicht weiss, wie spät es ist und er nicht wach ist? .. ich habe nun bedenken, das stillen morgens zu lassen und dann im ernstfall keine milch mehr zu haben .. andererseits drehen wir uns seit wochen damit im kreis. herzlichen dank für ihre antwort und viele grüsse!
Liebe Moca08, mit acht Monaten ist Ihr Baby noch sehr jung und hat auch noch ein großes Saugbedürfnis. Das nächtliche Stillen ist keine Irritation, sondern ein ganz normales Verhalten. Dieses Aufwachen liegt nicht an der Ernährung des Kindes, sondern ist entwicklungsbedingt. Deshalb ist die Einführung von fester Nahrung oder künstlicher Säuglingsnahrung oder eben das Abstillen auch keine Garantie für angenehmere Nächte. Die Kinder beginnen die Welt sehr konkret zu erleben, sie müssen das am Tag Erlebte in der Nacht verarbeiten, sie lernen neue Fähigkeiten (umdrehen, robben, krabbeln, gezieltes Greifen ...), sie beginnen den Unterschied zwischen fremd und bekannt zu erkennen. All dies ist ungeheuer aufregend und auch anstrengend. Dazu kommt, dass sich die Zähne verstärkt bemerkbar machen, dass vielleicht die erste Erkältung kommt und, und, und ... Der scheinbare ückschritt im Schlafverhalten ist eigentlich ein Fortschritt, denn er zeigt, dass die Entwicklung des Kindes voranschreitet. Abgesehen von den umstrittenen Schlaftrainingsprogrammen, die von Stillexperten nahezu einhellig abgelehnt werden, bleibt in dieser Zeit nicht viel, als geduldig zu bleiben und sich die Tage und Nächte so einfach wie möglich zu gestalten. Der immer wieder verbreitete Gedanke, dass ein Baby ab sechs Monaten (oder einer anderen Altersgrenze) nachts nicht mehr aufwachen darf und nachts keine Nahrung mehr braucht entspringt in keinster Weise dem natürlichen Verhalten und den Bedürfnissen eines Babys oder Kleinkindes, sondern er entstammt dem (verständlichen) Wunsch der Erwachsenen, die gerne ihre Nachtruhe hätten. Eine Studie von Jelliffe und Jelliffe ergab, dass Babys im Alter von 10 Monaten mindestens 25 % ihrer Muttermilchaufnahme nachts zu sich nehmen. Das spricht eindeutig dafür, dass Babys auch nach den ersten sechs Monaten nachts noch hungrig sind. Es gibt Kinder, die nachts keine Nahrung mehr brauchen, aber es gibt eben auch sehr viele Kinder, die mit einem halben Jahr noch nicht so weit sind. So wie manche Kinder bereits mit elf Monaten laufen und andere damit erst mit 16 Monaten beginnen, so entwickeln sich auch alle anderen Dinge bei jedem Kind individuell verschieden und diese Entwicklung lässt sich begleiten, aber nicht beschleunigen. Es gibt kein Patentrezept, um ein Kind zu längeren Schlafphasen zu bringen. Hätte ich eines, das das Kind achtet, würde ich ein Buch darüber schreiben und damit einen Bestseller landen, an dem sich gut verdienen ließe. Sie können Ihr Baby ja am Morgen abstillen und nur noch nachts stillen. Es gibt Frauen, die mit einmaligen Stillen innerhalb von 24 Stunden problemlos die Milchmenge weiter bilden, die sie für Ihr Kind benötigen, bei anderen Frauen reicht eine nur mehr ein oder zwei Mal tägliche Stimulation der Brust nicht mehr unbedingt aus, um die Milchproduktion weiterhin auf dem erforderlichen Niveau aufrecht zu erhalten. Wie dies im Speziellen bei Ihnen ist, kann ich nicht beurteilen. Wenn Sie gerne lesen und ein Buch lesen möchten, das sich mit dem Thema Schlaf auseinandersetzt und dessen Autor beim Thema Schlaf auch Achtung vor dem Baby zeigt und dessen Bedürfnisse ernst nimmt, kann ich Ihnen wärmstens `Schlafen und Wachen ein Elternbuch für Kindernächte" von Dr. William Sears empfehlen, das Sie im Buchhandel, bei der La Leche Liga und jeder LLL Stillberaterin bekommen können. LLLiebe Grüße Biggi Welter
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