Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

Abstillen mit nur 5 Monaten o. Stillverwirrung?

Frage: Abstillen mit nur 5 Monaten o. Stillverwirrung?

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Liebe Biggi, mein 5 Monate alter Sohn trinkt seit ca. 5-6 Tagen eher 'schlecht' von der Brust. Zu den Umständen: ich stille ihn voll, seit ca. 2 Monaten bekommt er hin und wieder mal eine Flasche wenn ich unterwegs bin. (Mal mit MuMi, mal mit Hipp - je nach 'Bestand') Die Flasche nimmt er schon immer sehr gerne und auch seinen Schnulli liebt er - genau das Gegenteil von meinem 2,5 Jährigen, der damals nur die Brust und seinen Daumen wollte und ich ihn ganz ohne Probleme 14 Monate lang stillen konnte. Als die Probleme jetzt anfingen, hat sich der Kleine jedesmal beim Anlegen gesträubt, sich nach hinten gestreckt usw. Erst wenn er einen Riesendurst hatte, nahm er die Brust. Und auch jetzt trinkt er immer nur ein wenig, streckt sich wieder durch, dockt an und streckt sich nach 10-20 Zügen wieder durch. Insgesamt trinkt er so vielleicht die Hälfte der 'üblichen' Menge. Gestern abend z.B. war er wieder dem Papa überlassen, ich habe ihn wieder 'halb' gestillt bevor ich wegging und danach trank er zuerst 80 ml aus der Flasche und eine Stunde später nochmal 160ml. Hunger hatte er also offensichtlich. Als diese Geschichte losging, habe ich ihn aus der Flasche trinken lassen, da er einen (leichten) Mundsoor hatte und er auch mit Zähnchen kämpfte und ich dachte, daß es mit dem Nucki vielleicht leichter war. Ich wollte es mit der Brust nicht forcieren. Der Soor ist aber längst weg, zahnen tut er im Moment auch nicht, aber den 'Tick' hat er behalten. Verschiedene Stillpositionen haben auch nicht geholfen. Was kann das jetzt noch sein? Bei einer Saugverwirrung ist doch das Saugen an sich ein Problem, oder? Das ist bei ihm nicht der Fall, er weiß sofort, wo er wie saugen muß. Er wird übermorgen operiert, da wir am 30.12. einen Leistenbruch festgestellt haben - ich will jetzt nicht, daß er bis dahin abnimmt bzw. zu wenig zunimmt und evtl. nicht richtig gestärkt in die OP geht. Danach habe ich aber vor, ihm erstmal ausschließlich nur die Brust zu geben und ihm gar keine Flasche anzubieten. Wie lange kann/soll ich dann warten, bis sich das Problem evtl. gibt? Wie gesagt, er trinkt so wesentlich weniger am Tag. In der Nacht kommt er seit einigen Wochen wieder ca. 3 mal, aber selbst da trinkt er in letzter Zeit kürzer. (Und da er - wie der große Bruder schon - ein Schnelltrinker ist, kann ich behaupten, daß er tatsächlich auch weniger trinkt, denn mehr als sonst bekommt er bei dem Tempo auch jetzt nicht raus.) Es tut mir leid, daß es so lang geworden ist - vielleicht hast Du eine Idee, woran dieser 'Tick' liegen kann. Wie ist es eigentlich, wenn sich ein Baby abstillt? (Meinen damals 14 Monate alten Sohn mußte ich wegen einer OP 'zwangsabstillen', er hätte es gerne länger gemocht.) Oder soll ich doch bald mit Beikost anfangen? Obwohl ich bezweifele, daß das etwas ändern wird. Ach ja, noch etwas, vielleicht doch irgendwie relevant: seit dem wir das Problem haben, fummelt er sich beim Stillen - verstärkt, wenn sein rechter Arm oben ist - am Kopf, Ohr und Schläfe herum, reibt sich das Auge und wird bei dieser Fummelei langsam immer unruhiger, bis er eben abdockt. Es tut ihm aber definitiv nichts weh und Händchen sanft festhalten bringt meistens auch nichts. Mit dem linken Arm fummelt er weniger, dockt aber trotzdem recht bald ab... Danke schonmal fürs lange Lesen! Luisa


Biggi Welter

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Liebe Luisa, das hört sich leider nach einer klassischen Saugverwirrung an. Das Saugen an einem künstlichen Sauger unterscheidet sich grundlegend vom Saugen an der Brust. Der künstliche Sauger ist bereits vorgeformt und relativ steif. Die Brust ist weich und nachgiebig. Ein Schnuller kann in den geschlossenen Mund eines Babys gesteckt werden. Um die Brust zu erfassen, muss das Baby den Mund weit öffnen, die Brustwarze reicht dann weit nach hinten in den Mund, wo die Bewegungen des Kiefers und der Zunge nicht stören. Auch die Bewegungsmuster der Muskeln von Mund, Gesicht und Zunge, sind am künstlichen Sauger ganz anders, als an der Brust. Mit der Saugtechnik, die das Baby beim Trinken an einem Flaschensauger oder beim Nuckeln an einem Beruhigungssauger anwendet, kann es kaum Milch aus der Brust bekommen. Manche Kinder kommen mit dem Wechsel zwischen den beiden Techniken nicht klar und versuchen dann mit der falschen Technik an der Brust zu trinken. Das funktioniert nicht, das Kind bekommt an der Brust keine oder nur wenig Milch, ist frustriert und lehnt die Brust dann im schlimmsten Fall sogar ab. In dieser Situation spricht man dann von einer Saugverwirrung. Nun kann ein verhängnisvoller Kreislauf beginnen: da das Kind mit der falschen Technik an der Brust trinkt, wird es an der Brust hektisch, saugt an, lässt wieder los, dreht den Kopf hin und her schluckt viel Luft (die wiederum führt möglicherweise zu Bauchproblemen) und da es die Brust nicht mehr richtig stimuliert kommt es zu einem Rückgang der Milchmenge und damit zu weiterem Zufüttern, wenn dieser Kreislauf nicht unterbrochen wird. Eine Saugverwirrung ist alles andere als lustig und Stillberaterinnen wissen aus Erfahrung nur zu gut, warum sie künstlichen Saugern wie Schnuller und Flasche kritisch gegenüberstehen, denn beide bescheren uns immer wieder eine Menge "Beschäftigung". Solche so fortgeschrittenen Saugprobleme lassen sich nicht durch eine Fernberatung betreuen, denn ich kann Sie und Ihr Kind nicht sehen und Ihnen nicht direkt etwas zeigen. Deshalb ist es das Beste, wenn Sie sich schnellstmöglich an eine Kollegin vor Ort wenden, die direkt mit Ihnen und dem Kind arbeitet. Ich suche Ihnen gerne die nächstgelegene LLL Stillberaterin heraus, wenn Sie mir Ihren Wohnort mit Postleitzahl angeben. LLLiebe Grüße Biggi Welter


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Danke für die Antwort - ich werde dann jemanden suchen. Ich glaubte nicht an einer Saugverwirrung, weil er mit dem Saugen an sich überhaupt kein Problem hat. Wir leben in Luzern/Schweiz - hast Du da auch Kontakte? Danke schön und liebe Grüße, Luisa


Biggi Welter

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Liebe Luisa, Stillberaterinnen aus der Schweiz findest Du unter : www.stillberatung.ch LLLiebe Grüße, Biggi


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