Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

Abstillen mit 2,5 jahren

Frage: Abstillen mit 2,5 jahren

Rantanplan

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Liebes stillteam Meine Tochter ist nun 2,5 Jahre alt. Sie stillt abends zum Einschlafen und morgens zum Aufwachen. Tagsüber so gut wie gar nie mehr. Das Schlimme ist nachts. Sie will immer an die Brust, um wieder einzuschlafen. Das passiert zwischen 2 und 5 mal pro Nacht. Ich habe immer gern gestillt, aber ich bin mittlerweile so platt. Das geht nun 5 Jahre (inkl der stillzeit meines ersten Sohnes) so. Ich kriege langsam Aggressionen, wenn sie nachts wieder nach der Brust brüllt. Ich habe begonnen, ihr zu erklären, dass es nachts keine Brust mehr geben soll, und wenn dann nur ganz kurz. Sie kann einfach nicht mehr einschlafen. Die Quintessenz ist, dass sie nachts immer noch wach wird und dann teilweise bis zu 2 h braucht, um wieder einzuschlafen. Als ich Antibiotika nehmen musste, haben wir 7 Tage nicht gestillt. Das Argument, dass die Milch von der Medizin schlecht ist, hat sie akzeptiert. Allerdings waren die Nächte da auch katastrophal. Sie wollte dann eine Milchflasche als Ersatz, ist damit aber auch nicht schnell wieder eingeschlafen Kinder, die einen Schnuller abgeben sollen, überzeugt man vielleicht mit der Schnullerfee. Ich frage mich, mit welcher Story man schonend , ein älteres Kind dazu bewegen kann, die Brust "abzugeben". Habt ihr da tips? Das andere Problem, warum ich abstillen will, ist mein körperlicher Zustand. Mir tun all Knochen weh, alle Gelenke knacken, das Hand-und Kniegelenk schmerzt.. meine Ärztin meint, das sei Stillrheuma und dass das Prolaktin Entzündungen fördern kann. Außerdem seien Bänder und Sehnen noch locker. Kann ich hoffen, dass sich der Körper regeneriert? Besten Dank für eure Hilfe! Grüße!!


Biggi Welter

Biggi Welter

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Liebe Rantanplan, bitte lass dich untersuchen, denn deine körperlichen Schwächen kommen sicher nicht vom Stillen! Es gibt zwar einen - selten auftretenden - Zusammenhang zwischen Gelenkschmerzen und dem Stillen, aber die hättest Du von Anfang an gehabt. Es wird angenommen, dass es sich um eine genetisch beeinflusste Autoimmunreaktion handelt, die sich bereits in der Schwangerschaft zeigen kann und nach der Geburt wieder zurückgeht. Betroffene Frauen, die ihr erstes Kind stillen, spüren diese Symptome, insbesondere an Händen und Fingern eventuell untere Extremitäten. Möglicherweise hängt das mit dem erhöhten Prolaktinspiegel zusammen. Beim Stillen weiterer Kinder, so wird berichtet, lassen die Symptome nach. Für die Mutter ist es hilfreich, sich so oft wie möglich auszuruhen, mehr im Liegen zu stillen, Hände, Arme mit Kissen während des Stillens zu stützen. Hattest Du denn die Schmerzen auch bei den anderen Kindern? Da bestimmte gymnastische Übungen - regelmäßig ausgeführt - lindernd wirken können, ist es empfehlenswert, dass Du mit deiner Ärztin/Arzt über die Möglichkeit und über Krankengymnastik sprichst. Eventuell ist auch eine Behandlung mit (stillverträglichen) Medikamenten (so steht es in der Fachliteratur) anzuraten. Trotzdem ist es jetzt dein gutes Recht abzustillen, denn Stillen ist eine Zweierbeziehung und wenn es dazu kommt, dass sich ein Partner dabei nicht wohl fühlt, dann müssen Lösungswege gefunden werden. Eine Möglichkeit ist, dass Du mit deinem Kind darüber sprichst, dass Du das Stillen als unangenehm empfindest und dass Du denkst, dass es nun an der Zeit ist, eure gemeinsame Stillzeit zu beenden oder zumindest das viele Stillen in der Nacht einzuschränken. Überlegt gemeinsam, wie ihr nun zu einem harmonischen Ende finden könnt. Vielleicht indem ihr auf ein bestimmtes Datum hinarbeitet oder aber auch durch ganz klare Regeln, die auch lauten können „Es wird nur noch gestillt, wenn es dunkel ist“ oder „wir stillen nur noch am Morgen“. So lange DU nicht ABSOLUT sicher bist, dass Du weniger stillen möchtest, wird dein Kind das spüren. Ist die Mutter innerlich nicht davon überzeugt, dass sie ihr Kind ab- oder weniger stillen will, dann ist dieser Zweifel für das Kind sehr deutlich fühlbar und es reagiert in fast allen Fällen so, dass es eher noch häufiger gestillt werden mag. Zweifel und Unsicherheit sind für ein Kind unerträglich, Kinder brauchen Klarheit. Dein Kind spürt jetzt deinen Zwiespalt und da es sich nicht hinsetzen und sagen kann „Mama, ich spüre, dass Du dir nicht sicher bist, was jetzt das Richtige ist, deshalb werde ich dir jetzt bei deiner Entscheidungsfindung helfen" reagiert es auf deine Zweifel mit Unruhe, Weinen und Verunsicherung. Es hat keine anderen Ausdrucksmöglichkeiten als Weinen und (vermehrte) Anhänglichkeit. Kinder sind für „geordnete Verhältnisse", Unsicherheit und Zweifel bringen sie aus dem Gleichgewicht. Wichtig ist nun, dass ihr zum einen wirklich miteinander redet und Du deinem Kind klar erklärst und sagst, was Du willst und was Du nicht mehr willst. Zum anderen muss für dein Kind deutlich erkennbar sein, wo deine Grenzen gesetzt sind. Liebevolle Konsequenz ist das Zaubermittel in der Erziehung. Erkläre deinem Kind schon bei Tag, was sich in der Nacht ändern wird, und versuche, Signale zu definieren, die es wieder erkennen kann (z.B. "erst wenn der Radiowecker angeht, dann darfst Du trinken") und die sich eventuell anpassen lassen (den Radiowecker kann man etwa jeden 2. Tag eine viertel Stunde nach hinten programmieren, so dass die Pause immer länger wird). So wird die Nacht allmählich stillfrei. Wenn sich dein Kind dann in der Nacht beschwert, dass es nicht trinken darf (und das kann es natürlich nur durch weinen oder schreien), dann tröste es und sprich liebevoll-beruhigend mit ihm, und gestehe es ihm auch wirklich zu, sauer zu sein, aber bleib konsequent beim "Nein", bis der vereinbarte Zeitpunkt (z.B. der Radiowecker geht an) für das Stillen gekommen ist. Dann jedoch solltest Du auch von dir aus deinem Kind die Brust anbieten - so lernt es, dass es sich auf dein Wort verlassen kann. Natürlich kannst Du während der Nacht einen Schluck Wasser oder auch einen Schnuller anbieten, doch sei nicht allzu überrascht, wenn das anfangs mit Wut abgewiesen wird. Ehrlicherweise muss ich dazu sagen, dass die ersten Nächte zwangsläufig sehr unruhig sein werden. Doch in der Regel akzeptieren Kinder relativ schnell die neuen "Spielregeln", und je älter sie sind, desto einfacher. Einen "Knacks" beim Kind brauchst du nicht befürchten, wenn du ihm wirklich beistehst und ihn nicht "strafst" für seine natürliche Reaktion auf diese Veränderung. Dieser Vorschlag stammt von Elizabeth Pantley, Autorin des Buchs "Schlafen statt Schreien: Das liebevolle Einschlafbuch: Das 10-Schritte-Progamm für ruhige Nächte", das ich wärmstens empfehlen kann. Pantley hat ein Programm entwickelt, mit dem man älteren Babys, auch Stillkinder, dabei helfen kann, auch ohne Brust oder ständiges Stillen die Nacht zu schaffen. Auch wenn man nicht alle ihre Schritte anwendet haben viele Mütter doch gute Erfahrungen mit diesem Buch gemacht. Deine Kleine wird vermutlich schreien, toben, treten oder dich schlagen wollen. Ist das schlimm? Nein, es ist völlig normal, denn es ist die einzige Art, wie sie in diesem zarten Alter ihren Frust ausdrücken kann. Wie kannst du damit umgehen? Lass es zu. Lass dich nicht verunsichern, denn es geht deinem Kind ja trotzdem gut, es bekommt kein Trauma fürs Leben, wird nicht an deiner Liebe zweifeln. Dein Baby ist sauer, und das wird auch wieder vergehen. Bleibe bei ihm und sei du ruhig und klar, so dass deine Kleine sich an dir orientieren kann. Vielleicht wirst du ihr ein wenig ablenken wollen (falls sie sich ablenken lässt), vielleicht bleibst du auch einfach nur in ihrer Nähe und versicherst ihr, dass alles ok ist, und dass ihr weiter stillen könnt (oder kuscheln), sobald sie sich etwas beruhigt hat. Wenn du konsequent bleibst, wird es klappen. Nur davon hängt es ab: Schaffst DU es... Ich kann dir noch einen Tipp geben: In diesem Alter hilft es oft, einen "Abstilltag" zu definieren. Dazu kannst du eine "Abstillparty" ansetzen, oder ihr vereinbart ein besonderes Abstillgeschenk, das sich deine Kleine jetzt schon aussuchen darf, und das sie an dem Tag X, den ihr vorab vereinbart, bekommen wird, weil sie ja dann nicht mehr stillen wird. Erfahrungsgemäß ist ein Zeitraum von 10 bis 14 Tagen ganz gut. Ihr könnt jeden Tag darüber sprechen, dass am Tag X das letzte Mal gestillt wird, und deine Kleine dann ihr Abstillgeschenk bekommen wird. So kann sie sich mental auf den Wechsel vorbereiten, und die Vorfreude lässt bei ihr den Verzicht aufs Stillen in den Hintergrund rücken. Wenn sie danach doch wieder stillen möchte, bleibst du natürlich beim Nein. Als Alternative kann es hilfreich sein, ihr das Kuscheln an der Brust zu erlauben. Du kannst es auch langsamer angehen lassen und das Einschlafstillen noch beibehalten, nur Nachts darf dein Kind dann einfach nicht mehr an die Brust. Wichtig ist, dass Du dir Klarheit verschaffst und dann zu deiner Entscheidung stehst ganz gleich wie diese ausfällt. Wenn Du dir deiner Entscheidung sicher bist, wird es Euch beiden besser gehen. Fällt die Entscheidung von deiner Seite für das Abstillen, dann wird dein Kind fühlen „Jetzt hat Mama keinen Zweifel mehr" und wird sich auch abstillen lassen, sicher nicht ganz ohne Wehmut, aber ohne riesige Verzweiflung LLLiebe Grüße, Biggi


Rantanplan

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Hallo Biggi, Ja das hatte ich vergessen zu erwähnen. Die Gelenk-Beschwerden hatte ich schon bei meinem Sohn und auch bei meiner Tochter von Anfang an. Da ich ihn erst in der zweiten SS abgestillt habe, habe ich sie nun quasi seit 5 Jahren. Ich hatte nur gedacht, dass es besser wird, je weniger man stillt. Ich dachte auch, dass Bänder und Sehnen trotz langzeitstillens nach über 2 Jahren wieder fest sein müssten.. Danke für die ausführlichen tips zum Abstillen!!!


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